Kritik an Entscheidung zu Faßberger Hakenkreuz-Glocke

Um die Faßberger Glocke wird gestritten. Foto: Fremdfotos/eingesandt

Seit dem Buß- und Bettag läutet die Glocke, auf der ein Hakenkreuz und der Luftwaffenadler abgebildet sind, wieder in der Michaelkirche. Der Kirchenvorstand der evangelischen St.-Laurentius-Gemeinde Faßberg/Müden hat das so entschieden. Man wolle offen mit der Geschichte der zur NS-Zeit erbauten Kirche umgehen und plane als Gegenstück eine Glocke mit einem Zitat des von den Nazis ermordeten Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Doch inzwischen gibt es immer mehr Kritik an dieser Entscheidung.

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FASSBERG. Mit dem Satz "Die rechte Szene kann frohlocken" ist eine Presse-Info überschrieben, die Hans-Dietrich Springhorn verschickt hat. Er und neun weitere Faßberger hatten vor dem Gottesdienst gefordert, dass der ganze Ort in den Entscheidungsprozess eingebunden werden soll. Mit dem Hakenkreuz als dem Symbol für die Nazis und ihre Verbrechen dürfe die Kirche nicht zum Gottesdienst rufen, so die Forderung. "Alle anderen Kirchengemeinden lassen sich wesentlich mehr Zeit, um ihre ganz individuelle Geschichte aufzuarbeiten", sagt Springhorn. In Faßberg sei dagegen übereilt eine Entscheidung getroffen worden.

"Als Gegenpart zur läutenden Nazi-Glocke wurde angekündigt, eine Bonhoeffer-Glocke im Kirchturm zu platzieren. Dass damit in Faßberg Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 durch die Nazis am Galgen ermordet wurde, im übertragenen Sinne erneut durch das Hakenkreuz aufgehängt wurde, ist den Entscheidungsträgern vermutlich nicht bewusst", sagt Springhorn.

Von einer "problematischen Entscheidung" spricht Klaus Jordan im Namen des "Netzwerks Südheide gegen Rechtsextremismus", der fordert, die Öffentlichkeit in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. "Wir als Netzwerk sind entschieden gegen eine Weiterbenutzung und halten eine solcherart ,kontaminierte' Kirchenglocke für nicht mehr tragbar", so Jordan. Die Symbolik an dieser Glocke stehe für finsterste Unmenschlichkeit, Rassenwahn und Ausrottung. Die Glocke sei kein Sinnbild für ein „irregeleitetes Volk“, sondern Ausdruck einer mehr oder weniger wohlwollenden Teilhabe seiner Bürger an der Naziherrschaft durch tätige Mithilfe oder „gnädiges“ Darüber-Hinwegsehen. "Diese Glocke ist eine ,Täterglocke' und als solche – in einer Zeit, in der nationales und nationalsozialistisches Gedankengut wieder auf dem Vormarsch sind – untragbar und unzumutbar", betont Jordan.

Uwe Schmidt-Seffers meint, dass es für beide Positionen nachvollziehbare Argumente gebe. "Ich fürchte, dass sich die Erinnerung an die deutsche Unheilsgeschichte, in die auch unsere Evangelische Kirche verstrickt war, nicht so leicht ,entsorgen' lässt, wenn die Glocke entfernt wird", sagt der Pressesprecher des Kirchenkreises Celle. "Der schwierigere Weg scheint mir der Weg zu sein, für den sich der Kirchenvorstand entschieden hat: für den Verbleib der Glocke zu votieren und den daraus resultierenden Auftrag anzunehmen, heute ganz eindeutig für Frieden, Demokratie und gegen jede Form des Rechtsextremismus einzutreten." Das werde in der Gemeinde schon seit Jahren gemacht. "Ich erinnere daran, dass die Müdener Kirche unter ihrem damaligen Pastor Christian E. Bernd einen Slogan erfunden hat, der bis heute die Demonstrationen gegen Rechtsextremismus in der Region prägt: ,Die Heide blüht lila und nicht braun. Rechtsextremismus ist Gift für unser Land.'"

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 08.12.2017 um 17:36 Uhr
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