Residenzmuseum Celle: Des Königs Geschirr kehrt zurück

Foto: Michael Schäfer

Ein wahrhaft königliches „Weihnachtsgeschenk“ wurde dem Celler Schloss zuteil: Dank der bedeutenden Unterstützung der Hamburger Friederike und Werner Jahn Stiftung konnten insgesamt 42 Teile des historischen Kupfergeschirrs ersteigert werden.

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CELLE. Was ist schon eine Küche ohne Kochtöpfe? Damit die Celler Schlossküche nicht so kahl aussah, brachten einige Gästeführerinnen und Hausmeister Krüge mit und arrangierten sie um die Herdstelle. Doch dieser ungewöhnliche Einsatz der Mitarbeiter des Residenzmuseums wird künftig nicht mehr nötig sein: Insgesamt 42 Teile des historischen Kupfergeschirrs kehren zurück an ihren Ursprung. "Durch ihre Markung ,S.C.' für Schloss Celle sind sie eindeutig zuzuordnen", erläutert Juliane Schmieglitz-Otten, Leiterin des Residenzmuseums. "Die Küche ist bei den Besuchern besonders beliebt und nun können wir ihre Präsentation qualitativ erheblich verbessern und auf eine historische Grundlage stellen.“

Zum königlichen Kupfergeschirr gehören diverse Kasserollen, Durchschläge, Pasteten- und Puddingformen, Pfannen, Kuchenbleche, spezielle Fischkessel, Bräter und Bratreinen. Jedes Teil geht auf die mühevolle Handarbeit eines Kupferschmieds zurück und ist wahnsinnig schwer. "Das Geschirr ist viele Wege gegangen", erzählt Schmieglitz-Otten. "Es wird das Residenzmuseum aufwerten, weil es aus dem Leben gegriffen ist", ist sie sich sicher. Die letzten beiden hannoverschen Könige Ernst August und Georg V. nutzten das Celler Schloss für sommerliche Aufenthalte. Mit dem Kupfergeschirr bereitete das Gefolge in der Zweitküche das Essen für kleinere Gesellschaften zu.

Nach Ende des Königreiches Hannover im Jahr 1866 wanderten Teile des höfischen Inventars nach Preußen, ins österreichische Exil oder zum Schloss Cumberland. Nach Ende des Ersten Weltkrieges gelangten wegen Geldnot viele Einrichtungsgegenstände in den Handel. Seit 2005 haben die Celler Museumsmitarbeiter aufmerksam verfolgt, wo genau die Teile des Kupfergeschirrs immer wieder angeboten wurden. Doch fehlten bislang die finanziellen Möglichkeiten, das Inventar zu ersteigern.

Dank der bedeutenden Unterstützung der Hamburger Friederike und Werner Jahn Stiftung konnte sich Juliane Schmieglitz-Otten auf die Lauer legen. In der vergangenen Woche fuhr sie zur Auktion nach Dresden. "Es war sehr spannend dort im Saal zu sitzen. Es schalteten sich anonym einige Telefonbieter zu. Alles ging wahnsinnig schnell und man musste die ganze Zeit im Kopf mitrechnen." Jedes der 42 Stücke wurde einzeln angeboten. Selbst beim Bietergefecht um die Pasteten- und Puddingformen behielt die Leiterin des Residenzmuseums die Nerven: „Ich freue mich sehr, dass wir das komplette Konvolut ersteigern konnten. Es ist eine große Bereicherung, die Dinge zurückzuholen, die hier hergehören." Wie viel Euro Schmieglitz-Otten dabei von der Stiftung eingesetzt hat, darf sie nicht verraten.

Das Residenzmuseum plant eine Ausstellung der neu erworbenen Objekte im Laufe des kommenden Jahres. Zunächst muss dafür ein Konzept entworfen, alle Teile aufgenommen und restauriert werden. "Im Handel bekommt man zwar viel hochwertiges Mobiliar, das zeitlich in das Schloss passt. Aber es ist immer etwas Besonderes, wenn man authentisches Inventar zeigen kann", sagt Schmieglitz-Otten. "Es ist unser Ziel, nach und nach die noch existenten Stücke aus der Residenzzeit, wieder nach Celle zu holen." Die Museumsleiterin hat zum Beispiel 15 Silberobjekte im Blick. "Doch diese befinden sich momentan in den USA, England oder Dänemark in Privatbesitz oder königlichen Sammlungen."

Dagny Siebke Autor: Dagny Siebke, am 14.12.2017 um 17:46 Uhr
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