Beeindruckender Abend mit „Celler Residenzklängen“

Iris Maron und Lajos Rovatkay (von rechts) spielten virtuose Violinmusik und Cembalowerke aus historischen Wolfenbütteler und Celler Manuskripten des Jahres 1662 im Rittersaal des Schlosses. Foto: Michael Schäfer

Die Geigerin Iris Maron, eine nicht ganz unbekannte, aber bisher kaum als herausragend wahrgenommene Musikerin, spielte zusammen mit dem hannoverschen Altmeister am Cembalo Lajos Rovatkay im Celler Rittersaal einen Abend mit weitgehend frühbarocker Kammermusik.

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CELLE. Eingeladen hatte das von Juliane Schmieglitz-Otten geleitete Celler Residenz-Museum zu diesem Abend mit virtuoser Violin- und Cembalomusik des 17. Jahrhunderts aus regionalen Manuskripten. Es sollte vor Ohren geführt werden, welche Musik in der Blütezeit der Celler Residenz das Leben hier bereicherte. Und es erwies sich, dass diese Musik nicht nur von einem immensen Einfallsreichtum, sondern auch von einer großen Vielfalt war. Vor allem aber zeigte sich, dass diese frühbarocke Musik in ihrem Spannungsverhältnis zwischen großformaler und ausdrucksmäßiger Freiheit einerseits und strenger Struktur durch sich wiederholende Bassgänge andererseits enorm ausdrucksintensive Musik hervorgebracht hat. Das setzt allerdings voraus, dass man als Musiker diese Freiheiten auch nutzt. Und genau das hat Iris Maron auf das Schönste und auch in virtuosester Form demonstriert.

Cembalist Rovatkay hat der Geigerin Maron dabei als subtiler Begleiter und Impulsgeber den klanglichen Hintergrund geschaffen, vor dem sie sich bestens entfalten konnte. Das klangliche Ergebnis war nachgerade berauschend. Wie diese beiden Musiker die Sonate „La Cesta“ von Giovanni Antonio Pandolfi und die Ciacona von Antonio Bertali darboten, das war ein einziger Kunstgenuss. Maron kostete jede Ausdrucksnuance dieser Musik aus, ja sie spielte diese Musik auf ihrem historisierenden Instrument mit der Unbedingtheit einer spätromantischen Bekenntnismusik. Sie ließ dem Ausdruckswillen dieser Musik freien Lauf, folgte der geradezu rhapsodischen Sprunghaftigkeit mit einer Gestaltungskraft, die gerade im Bereich der Alten Musik äußerst selten zu erleben ist.

Hier störte kein bisschen, dass das historischen Vorbildern nachgebaute Instrument der Geigerin natürlich nicht so ausgewogen und klangschön klingen kann wie ein modernes, ganz im Gegenteil: Maron nutzte die Unterschiedlichkeit im Klang ihres Instruments in den verschiedenen Lagen, um die Ausdrucksvielfalt noch zu bereichern. Und das gelang umwerfend. Dass Rovatkay am Cembalo ihr auf seine eher zurückhaltende, aber eben auch die Freiheiten seiner Vorlagen auskostenden Art ein kongenialer Partner war, das vervollständigte den hervorragenden Eindruck dieses Musizierens noch.

Der Cembalist erläuterte das Programm zudem noch auf eine angenehm zurückhaltende, dabei gerne verschmitzte Art und quasi nebenher demonstrierte er selbst auch noch typische barocke Musikpraxis: Er ergänzte ein nur zehntaktiges Stück Johann Jacob Löwes noch durch fünf Variationen im Stile der damaligen Zeit und bot es einfach so mal dar. Eine kleine Uraufführung um die er kein Aufhebens gemacht wissen wollte. Zu Recht, denn genau diese Musizierhaltung war typisch für die Zeit des Barock. Ein höchst interessanter und ein musikalisch toller Abend.

Reinald Hanke Autor: Reinald Hanke, am 15.12.2017 um 12:34 Uhr
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