"Fake-Entführung": Hambührenerin nimmt Berufung zurück

Foto: Julian Stratenschulte

Drei Tage waren für die Berufungsverhandlung im Fall der 19-jährigen Hambührenerin, die ihre eigene Entführung vorgetäuscht hatte, angesetzt worden. Doch der Prozess in Lüneburg hatte am Freitag noch gar nicht richtig begonnen, da war er auch schon wieder vorbei.

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HAMBÜHREN. "Die Angeklagte hat ihre Berufung zurückgenommen", sagte Freitagmittag Stefan Andreas Stodolkowitz, Pressesprecher des Landgerichts, auf CZ-Anfrage.

Mit diesem Schritt sei die Entscheidung des Celler Amtsgerichts rechtskräftig. Gründe, warum die Angeklagte das Celler Urteil nun doch nicht überprüfen lassen will, sind nicht bekannt. Die Verhandlung war nichtöffentlich angesetzt, da die Hambührenerin in einem der angeklagten Fälle noch nicht volljährig war. Ihr Anwalt war für eine Stellungnahme telefonisch nicht zu erreichen.

Die Verhandlung in Lüneburg sollte am 18. und 22. Dezember fortgesetzt werden. Für den gestrigen ersten Verhandlungstag waren zehn Zeugen geladen, sagte der Gerichtssprecher. Sie mussten nicht mehr gehört werden.

Der Schritt, überhaupt in Berufung zu gehen, war allgemein als überraschend gewertet worden, da das Urteil des Amtsgerichts vom Mai 2017 für die Angeklagte als milde eingeschätzt worden war. Das Gericht hatte entschieden, dass sich die Hambührenerin zwei Jahre lang nichts zu Schulden kommen lassen darf. Wird sie doch wieder straffällig, soll das Strafmaß in einem neuen Prozess festgelegt werden, so das Amtsgericht. Außerdem muss sie sich in therapeutische Behandlung begeben, ihr wird zudem ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, hieß es. Selbst ihr eigener Anwalt hatte sich nach dem Urteil im Mai sehr zufrieden geäußert. Bekannt wurde indes kurz nach dem Urteilsspruch, dass sich die Hambührenerin einen neuen Anwalt genommen hatte – der dann Berufung eingelegt hat.

Die heute 19-Jährige war Ende November 2016 gefesselt in Boye entdeckt worden. Ein Großaufgebot der Polizei hatte zuvor nach ihr gesucht. Befürchtet wurde, dass ein Geschädigter – in Hambühren waren etliche Autos zerkratzt worden – die Nerven verloren und sich zu einem Akt der Selbstjustiz entschlossen haben könte. Doch dem war nicht so. Die junge Frau räumte schließlich ein, die Entführung selbst inszeniert zu haben. Sie wird mit mehr als 100 Straftaten in Verbindung gebracht. Im Dezember 2016 hatte sie das Amtsgericht Celle in einem ersten Prozess wegen Sachbeschädigung, Diebstahl von Autokennzeichen und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu einem Wochenende Freizeitarrest und 40 Arbeitsstunden verurteilt.

Inzwischen ist es in Hambühren deutlich ruhiger geworden. In den vergangenen Monaten wurden keine neuen Vorwürfe gegen die junge Frau öffentlich. Nun ist auch die juristische Aufarbeitung der "Fake-Entführung", die bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, abgeschlossen.

Simon Ziegler Autor: Simon Ziegler, am 15.12.2017 um 19:16 Uhr
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