Kunstverein Hannover zeigt Arbeiten von ehemaligen Stipendiaten

Christian Retschlags „Roadmovie (Stop)“ umspielt das Thema Reiselust und Abenteuer. Foto: Christian Retschlag

Das ist schon etwas Besonderes: Seit 1983 vergibt der Kunstverein Hannover alle zwei Jahre einen Preis, der seit 2011 in verschiedene Stipendien gegliedert ist. Sie befreien junge Künstler für einen gewissen Zeitraum von den drängendsten Sorgen: Die „Villa Massimo“ in Rom steht den Preisträgern zwar nicht zur Verfügung, wohl aber die hannoversche „Villa Minimo“. Dort können sie ein oder zwei Jahre lang residieren, bekommen monatlich ein Barstipendium in Höhe von 1000 Euro und anschließend eine Ausstellung im Kunstverein spendiert. Gerade angelaufen ist eine Schau mit Arbeiten von vier ehemalige Stipendiaten aus den Jahren 2015 bis 2017.

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HANNOVER. Ein Schwarz-Weiß-Denken kann man Susann Dietrich aus Lemgo nicht absprechen, dies aber in einem hochästhetischen Sinn: Sie untersucht das Verhältnis zwischen Licht und Dunkelheit, „zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden“, wie Kuratorin Ute Stuffer ergänzt. Bei der schmalen Skulptur „Graukarte“ etwa erreicht die Künstlerin mit einfachen Mitteln große Wirkung: Zwischen Acrylsteinen befinden sich monochrome Fotoabzüge – je nach Blickwinkel und Bewegung des Betrachters ergeben sich immer wieder neue Transparenz-Effekte.

Die Bremerin Claudia Piepenbrock ist bekannt für ortsbezogene Arbeiten, mit denen sie die vorgefundenen Räumlichkeiten einerseits markiert, andererseits neu definiert. Vor einiger Zeit hat sie einen Abschnitt der hannoverschen Kestnergesellschaft in eine Art Rückzugs- und Schutzraum verwandelt, nun war ein Oberlichtsaal des Kunstvereins ihr Ausgangspunkt. Geschickt spielt Piepenbrock mit Seh-Erwartungen, betont die Höhe des Raums mit säulenartigen Gebilden, die auf den ersten Blick aus angemessenen Materialien wie Stein oder Beton zu bestehen scheinen, oben aber etwas Filzartiges bekommen – und tatsächlich aus Papier sind. Die Bodenarbeit daneben entzieht sich einer eindeutigen Bestimmung zwischen dem Zwei- und dem Dreidimensionalen; die Künstlerin arbeitet hier mit dem traditionellen Verfahren des Blaudrucks.

Die Fotografien des Hannoveraners Christian Retschlag muten oft sonderbar an, sind aber grundsätzlich nicht am Computer zusammengebastelt. Das Abheben scheint es Retschlag besonders angetan zu haben: Vögel sind zu sehen, ein älterer Herr hat sich selbstgebastelte Flügel angelegt, der Künstler selbst trägt eine Fliegeruniform und hält eine Wunderkerze in der Hand. Retschlag arbeitet üblicherweise in Schwarzweiß, „wir konnten ihn aber überzeugen“, so Kuratorin Stuffer, „bei uns auch eine farbige Serie zu zeigen“ – der „Roadmovie“ umspielt Themen wie Reiselust und Abenteuer.

Am schwersten zugänglich sind wohl die Fotografien der Berlinerin Laura Bielau. Ihr Thema „Arbeit“ siedelt sie jenseits der üblichen Genre-Darstellungen an, indem beiläufige Motive wie Kaugummistreifen oder ein Butterbrot die Bildfindung als solche thematisieren, während eingefangene Körperposen eher symbolisch für Befindlichkeiten wie Entspannung oder Nachdenklichkeit zu stehen scheinen. Eine zweite Reihe präsentiert Aufnahmen einer mobilen Hühnerstation in der Nähe Hannovers – Bielau hat die Szenerie mit allerlei farbigen Kisten und Kästen bereichert und die Reaktion der Tiere auf diese Elemente eingefangen.

Jörg Worat Autor: Jörg Worat, am 15.12.2017 um 18:08 Uhr
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