Fünf Jahre und neun Monate Haft für Celler nach Drogengeschäften

Wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln ist kürzlich ein 40 Jahre alter Mann aus Groß Hehlen am Landgericht Lüneburg zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Zusätzlich ordnete die Strafkammer die Unterbringung des Cellers in einer Entziehungsanstalt an.

Das Leben des Angeklagten verlief Jahrzehnte ohne Probleme, 17 Jahre arbeitete der Vater zweier Kinder als Maschinenführer. Doch schleichend tauchte er in die Kriminalität ab. Während des Wehrdienstes kam der Celler zum ersten Mal mit Drogen in Kontakt. In seinem Wohnhaus in Groß Hehlen lagerten im Frühjahr über 400 Gramm Kokain mit einem Verkaufspreis von rund 40.000 Euro im Tresor. Eine halbautomatische Schusswaffe „FEG“ mit zwei Magazinen stand an der Tür zum Hauswirtschaftsraum. „Sie handelten vorsätzlich, um einen gewinnbringenden Umsatz zu erreichen. Das Ganze hier ist kein Kavaliersdelikt. Die Droge besaß mit einem Wirkstoffgehalt von einhundert Prozent beste Qualität und wartete abgepackt auf die Abnehmer“, erklärte Richterin Silja Precht. Laut Untersuchungsbericht des Landeskriminalamtes stammte der für die Südheide bestimmte Stoff aus Lateinamerika.

Der Polizei gelang es, mit einem kriminalistischen Meisterstück den 40-Jährigen zu überführen. Die Celler Kripo ermittelte gegen eine andere Rauschgift-Bande, als bei mitgehörten Telefonaten der Name des Angeklagten auftauchte. Die Beamten zapften Handy und Festnetzanschluss an und hörten seltsame Gespräche „Ich will für eine Stunde vorbeikommen“ mit. Binnen Sekunden übersetzten die Strafverfolger die Botschaft mit „Ich will ein Gramm Kokain“. Konspirative Treffen im Karstadt-Parkhaus am Südwall und in Hannover folgten. Am 18. Mai klickten am Celler Bahnhof die Handschellen. Zwanzig Personen umfasste der Kundenstamm. Innerhalb von vier Jahren Geschäftstätigkeit baute der Familienvater in Groß Hehlen ein Haus und wusch laut Urteil auf diese Weise ein Teil des erlangten Schwarzgeldes.

Der Strafverteidiger betonte, sein Mandant habe die Waffe nur besessen, weil er einen Angriff von südeuropäischen Kriminellen fürchtete. Ausgerechnet ein Bericht einer europäischen Sicherheitsbehörde unterstrich die Hypothese des Anwalts, dass Banden vom Balkan in Europa in vorhandene Rauschgiftzirkel drängten und dabei vor Gewalt nicht zurückschreckten. Galt das auch für diesen Fall? Richterin Precht bestätigte diesen Eindruck und erkannte ein verschlungenes Netz von Schmuggelwegen: „Die Pistole befand sich zwecks dieses Konflikts griffbereit im Haus und wäre binnen weniger Sekunden schussbereit gewesen.“

Benjamin Reimers Autor: Benjamin Reimers, am 15.12.2017 um 17:11 Uhr
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