Quartettformation „Passo Avanti“ mit unbändiger Spiellust

Das Ensemble Passo Avanti überzeugte mit seinem Konzert im grooden Hus in Winsen. Foto: Michael Schäfer

Wenn man sich die neueste CD der Quartettformation „Passo avanti“ anhört, so kommt einem schnell der Gedanke, dass da vieles doch sehr nach den Anfängen von Verjazzungen vor Jahrzehnten klingt. Man glaubt fast, dass Jacques Loussier dabei Pate gestanden haben könnte. Und mit diesem musikalischen Eindruck im Ohr liest man dann, dass diese Truppe mit den Worten für sich wirbt, dass sie eine „neuartige Symbiose von Klassik und Jazz“ bieten würden.

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WINSEN. Sorry, aber neu ist daran gar nichts. Und man geht ins Konzert ins Winser Groode Hus mit eher geringen Erwartungen, die dann aber ganz weit übertroffen werden. Natürlich nicht, weil diese Truppe besonders originell spielen würde, aber weil sie richtig gut spielt. Und das ist ja viel wichtiger als originell zu sein. Dem Kulturkreis Winsen ist mit der Verpflichtung von „Passo avanti“ ein Coup geglückt, der aber leider von nicht allzu vielen Interessenten wahrgenommen wurde. Die Adventszeit ist für Kulturveranstalter, die keine vorweihnachtlichen Programme anbieten wollen, wohl kein guter Zeitraum.

Das Quartett ist mit vier Musikern besetzt, die alle ganz unterschiedliche Qualitäten einbringen. Während der unter anderem auch augenzwinkernd moderierende Alexander von Hagke an diversen Holzblasinstrumenten für das Konzept und die Leitung des Ensembles steht, bringt sich Eugen Bazijan am Cello als Urmusikant mit Sinn für Humor und mit einer unbändigen Spiellust ein. Etwas mehr im Hintergrund bleibt Vladimir Grizelj, der aber durch seine Fähigkeiten zur feinfühligen musikalischen Gestaltung immer wieder für besondere musikalische Augenblicke sorgt. Einzig Geigerin Julia Bassler fällt mit ihrem gelegentlich intonatorisch unsauberen und öfter zu braven und wenig inspiriertem Spiel ab. Aber das Gesamtgefüge des Ensembles gerät deshalb nicht aus dem Gleichgewicht. Vielleicht brauchen die drei Herren einfach eine unauffällige Dame an ihrer Seite, die sich einfügt.

Die erste Programmhälfte hatte etwas von einem Wunschkonzert bei dem die einzelnen Nummern nach einem relativ originalen Teil dann in verjazzter Form weiter gesponnen wurden. Ob „Gefangenenchor“ aus Verdis „Nabucco“, „Lascia, ch’io pianga“ von Händel oder den berühmten Kanon von Pachelbel, bei dem die Zuhörerschaft dann selbst das Ostinato mit singen durfte, da war eine Nummer wirkungsstärker als die andere.

Noch etwas anspruchsvoller wurde es nach der Pause. Die beiden Eigenkompositionen des Ensembleleiters wirkten dabei etwas bemüht, wohingegen die vier Mozart-Bearbeitungen umso besser gelangen, je unbekannter die Vorlage war. Während bei der „Figaro“-Ouvertüre die originalen Stellen die mit Abstand besten Momente bot, geriet die Bearbeitung des berühmten „Alla Turca“ zu einer eher banalen Sache, die allerdings brillant dargeboten wurde. Grandios gelungen waren die Fassungen der d-moll-Fantasie und der so genialen wie unbekannten und widerspenstigen Gigue. Da haben die Musiker ihre eigene Eigenständigkeit ganz im Sinne der Vorlage eingesetzt. Da machte das Zuhören viel Spaß.

Reinald Hanke Autor: Reinald Hanke, am 18.12.2017 um 18:23 Uhr
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