Krimis, Shows, Serien: Höhen und Tiefen im TV

Die Darsteller des Münster-«Tatorts» haben gute Quoten gepachtet: Axel Prahl (l-r), Jan Josef Liefers, Christine Urspruch und Claus D. Clausnitzer. Foto: Guido Kirchner Foto: Guido Kirchner

Berlin (dpa) - Erfolg und Misserfolg im Fernsehen lassen sich in einer Währung messen: den Einschaltquoten. Wenn sieben Millionen Menschen Katharina Luther oder Robert Atzorn sehen wollen, ist das stark, zwei Millionen für Thomas Gottschalk sind reichlich mies.

Aber eine neue Welt lässt sich nicht in die Karten schauen: Ob Netflix-, Maxdome- oder Amazonserien wie «Dark», «Jerks» und «You are Wanted» von den nackten Zahlen her ein Erfolg sind, halten die Unternehmen unter dem Deckel. Eine Übersicht über die Erkenntnisse des Jahres:

SERIEN

Serienproduktionen sind eine sensible TV-Ware, wie es scheint: Die stark beworbene Produktion «Babylon Berlin», ein fast 40 Millionen Euro teurer Gemeinschaftsakt von ARD und dem Abo-Anbieter Sky, verbuchte bei Sky nach 8 der insgesamt 16 Episoden bei der Erstausstrahlung bislang rund 650 000 Zuschauer pro Folge - im TV und im Netz - für den Privatanbieter der zweitbeste Wert seiner Geschichte nach «Game of Thrones» (7. Staffel).

Bei den neuen aus Deutschland stammenden Produktionen für den Streamingmarkt, der unablässig die Werbetrommel rührt für seine Hochglanzformate, ist allerdings schwer zu durchschauen, wie erfolgreich sie sind: Weder die ProSiebenSat.1-Tochter Maxdome mit der Comedy «Jerks» (mit Christian Ulmen und Fahri Yardim) noch Amazon Prime mit dem Thriller «You Are Wanted» (mit Matthias Schweighöfer) legten ihre Nutzerzahlen offen. Gleiches gilt für die neue Mysteryserie «Dark» auf Netflix.

Im traditionellen TV gab es bei den Serien Fort- und Rückschritte. Die ARD landete mit der historischen «Charité» einen Überraschungserfolg, den bei der Premiere im März mehr als acht Millionen Menschen einschalteten. Die Liste der Misserfolge indes ist länger: «Frau Temme sucht das Glück» verbuchte im Winter von Folge zu Folge immer weniger Zuschauer, «Das Pubertier» und «Zarah» muss das ZDF im Herbst als Misserfolg abhaken, und RTL kann mit rund zwei Millionen Zuschauern für «Bad Cops» auch nicht glücklich sein.

SHOWS

Großer Lichtblick war ein Seiteneinsteiger: Horst Lichter. Der 55-jährige Koch und Oldtimerschrauber überraschte die Branche mitten im Sommer mit einer abendfüllenden Ausgabe seiner populären Nachmittags-Trödelsendung «Bares für Rares», die auf Anhieb mehr als sechs Millionen Leute einschalteten. Ein Glanzpunkt für die gebeutelte Showbranche. Auch das RTL-Dschungelcamp «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» lief im Januar gewohnt gut. Gleiches gilt für die ProSiebenSat.1-Castingshow «The Voice of Germany» mit knapp vier Millionen pro Sendung. Die Vox-Reihe «Die Höhle der Löwen» lockte durchschnittlich rund drei Millionen vor die Bildschirme - auch gut.

Doch sonst? Die 14. Staffel von «Deutschland sucht den Superstar» schloss mit der quotenschwächsten Ausgabe seit Bestehen der RTL-Castingshow - nur 3,47 Millionen Menschen schalteten ein. Die «Goldene Kamera» interessierte im März nur 3,09 Millionen Zuschauer, der «Echo», als Aufzeichnung bei Vox zu sehen, hatte gerade noch 1,28 Millionen im April. Das ESC-Finale in Kiew kam auf 7,16 Millionen Zuschauer - weniger als sonst, sicher auch dem schlechten Abschneiden der Deutschen geschuldet. Die ProSieben-Show «Global Gladiators» verlief mies, der Einstand von Steffen Henssler («Schlag den Henssler») bei ProSieben ging nicht durch die Decke.

Schwach lief es für Altmeister Thomas Gottschalk, der bei Sat.1 «Little Big Stars» in den Mittelpunkt rückte und bei RTL «Mensch Gottschalk» beenden musste. Seine alte ZDF-Kollegin Michelle Hunziker («It's Showtime» auf Sat.1) kam auch nicht zurecht, der meist glücklose Steven Gätjen («Vier geben alles») hatte im ZDF nur schwache 2,64 Millionen Zuschauer, auch im Doppel mit Johannes B. Kerner lief es bei «Wir lieben Fernsehen» anlässlich des 50. Geburtstags des Farbfernsehens quotenmäßig nicht rund. 

FILM

Eine Frau überraschte die Branche über alle Maßen: Katharina Luther. Die biografische Verfilmung ihres Leben (mit Karoline Schuch) interessierte im Ersten im Februar mehr als sieben Millionen Zuschauer - und das an einem ganz normalen Mittwoch. Ihr Mann Martin (mit Maximilian Brückner und Roman Knizka) kam mit den beiden Filmen über ihn rund um den Reformationstag auf deutlich schlechtere Resonanz.

Gut lief es für Kommissar Clüver, gespielt von Robert Atzorn, der mit den drei Abschiedsfilmen in der ZDF-Reihe «Nord Nord Mord» auf Werte zwischen 6,5 und 8 Millionen Zuschauer kam. Auch auf den ZDF-Mehrteiler «Das Sacher» im Januar war Verlass: Die Geschichte um das Wiener Traditionshaus verbuchte in zwei Folgen jeweils rund sieben Millionen Zuschauer.

Ebenfalls im ZDF: die Reihe «Die Toten vom Bodensee» - die Ermittler-Darsteller Nora Waldstätten und Matthias Koeberlin brachten es am 1. Mai auf rund acht Millionen Zuschauer und ließen damit Günther Jauch und seinem RTL-Klassiker «Wer wird Millionär?» keine Chance.

Eine ganze Reihe von Filmen waren schwach auf der Brust: Zum Beispiel Anfang November der ZDF-Krimi «Dengler - Die schützende Hand» mit Ronald Zehrfeld als Privatermittler - 3,88 Millionen Zuschauer sind für einen Montagsfilm sehr mau. Der ARD-Ermittler «Dimitrios Schulze» (Adam Bousdoukos) muss nach 2,27 Millionen Zuschauern die Sachen packen. Absoluter Tiefpunkt unter den Eigenproduktionen war die Sat.1-Komödie «Love is in the Air» mit 1,44 Millionen Ende September.

TATORT

Der Krimi-Boom ist ungebrochen - und davon profitiert auch die Lieblingsreihe im deutschen TV: Der «Tatort» fuhr seine beste Einschaltquote seit 25 Jahren ein. Und wer war dafür zuständig? Natürlich die Münsteraner Ermittler Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers). 14,56 Millionen Zuschauer wurden am 2. April beim Fall «Fangschuss» gemessen.

Aber der «Tatort» muss auch Schlappen wegstecken. Der mundartlich geprägte Krimi «Babbeldasch» aus Ludwigshafen musste sich im Februar mit 6,35 Millionen Zuschauern begnügen. Noch schlechter erging es dem Krimi «Borowski und das Fest» aus Kiel - lediglich 6,11 Millionen «Tatort»-Fans wollten Sibel Kekillis letzten Auftritt in der Reihe sehen.

POLITIK

Dass auch Politik spannend sein kann, bewiesen Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz am 3. September beim TV-Duell, das mehr als 16 Millionen Zuschauer im Ersten, im ZDF, auf RTL und Sat.1 einschalteten. Vier Jahre vorher kam das TV-Duell jedoch noch auf knapp anderthalb Millionen Zuschauer mehr.

SPORT

Der Confederations Cup - sportlich unwichtig und daher völlig langweilig? Mitnichten. Joachim Löws Perspektiv-Kicker mischten das Vorbereitungsturnier zur nächsten Fußball-Weltmeisterschaft 2018 mächtig auf und faszinierten auch das heimische Publikum. Das Finale gegen Chile (1:0 für Deutschland) hatte knapp 15 Millionen Fans.

Carsten Rave, dpa Autor: Carsten Rave, dpa, am 25.12.2017 um 10:56 Uhr
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