Er ist Celles "Mister Kanusport"

Typenporträt: Olaf von Hartz Foto: David Borghoff (1) / Alex Sorokin (Archiv) (1)

Seit gut 40 Jahren steht er für die Erfolge des Celler Kanusports wie kein anderer: Olaf von Hartz ist geradezu mit seinem Boot verwachsen. Und ein Ende der Erfolge ist für den 55-Jährigen nicht absehbar. Neben seiner aktiven Beschäftigung auf Europas Gewässern engagiert er sich auch ehrenamtlich für seinen Sport.

BILDER »
Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie

CELLE. Mit 14, sagt Olaf von Hartz und lacht, da sei das ganze Elend losgegangen. „Da habe ich zur Konfirmation mein erstes Boot bekommen – aber dass es einmal so enden würden, das hätte wohl niemand gedacht.“ Seit 40 Jahren feiert der Celler Wildwasserkanute nationale und internationale Erfolge, konnte unter anderem zwei Weltmeistertitel und zahlreiche Siege bei den Deutschen Meisterschaften für sich verbuchen. Wasser habe er schon immer geliebt, so der 55-Jährige. „Boot fahren ist für mich nach wie vor die beste Möglichkeit, vom Alltag abzuschalten.“

Das erste Kanu sei übrigens nicht bloß ein Geschenk gewesen, das man ihm einfach mal so aufs Auge gedrückt habe, verrät von Hartz mit einem kleinen Schmunzeln. „Ich hab mir tatsächlich auch eins gewünscht. Ich hab Boote schon immer klasse gefunden – meine Eltern hatten ein Faltboot, da haben wir natürlich auch die ein oder andere Tour unternommen.“ Nach der Konfirmation sei er allerdings erst einmal nur „freizeitmäßig auf der Fuhse herumgeschippert“, erläutert der gebürtige Celler. „Angefangen zu paddeln habe ich erst mit 15 – für einen Jugendlichen eigentlich relativ spät, um mit Leistungssport zu beginnen.“

Von Hartz trat in die Kanu-Gesellschaft Celle ein – und es kam, wie es kommen musste: „Irgendwann saß ich im Rennboot, fuhr erste kleine Rennen auf Örtze und Leine. Ich muss wohl ganz gut gewesen sein“, erzählt er mit einem Augenzwinkern, „denn der Landesverband kam auf mich zu, und plötzlich war ich im Kader. Mit 18 bin ich auf dem Inn meine erste Deutsche Meisterschaft gefahren – und habe seitdem keine mehr ausgelassen.“ In seiner Laufbahn als erfolgreicher Wildwasserkanut hat der gebürtige Celler schon so Einiges an Medaillen eingeheimst. „Ich bin aber keiner, der mit einem Rechenprogramm akribisch darüber Buch führt“, winkt er ab. „Nur die großen Erfolge, die bleiben einem natürlich im Kopf.“

So wie sein erster Weltmeistertitel, den von Hartz 2008 im italienischen Ivrea einfahren konnte. „Das war auf der Dora Baltea“, erinnert sich der Celler „Mister Kanusport“. „Es hatte so stark geregnet, dass der Fluss innerhalb kürzester Zeit völlig angeschwollen war und die Veranstaltung schon auf der Kippe stand.“ Wie komplett man beim Kanufahren von der Natur abhänge, sei für ihn immer wieder faszinierend, sagt von Hartz. „Jeder Fluss, jeder Bach hat seinen eigenen Charakter, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Man kann Wochen vor der Meisterschaft zum Training da sein, und beim Wettkampf sehen die Verhältnisse dann doch wieder ganz anders aus.“

Sieben bis zehn Trainingseinheiten absolviert der Altmeister pro Woche, vor Wettkämpfen durchaus auch einmal mehr. Hinzu kommen noch fünf bis zehn Stunden Ehrenamt – seit 2007 ist von Hartz Vorsitzender der Kanu-Gesellschaft Celle. „Da muss man seinen Tag schon sehr sorgfältig planen, wenn man den Spagat zwischen Beruf, Sport und Ehrenamt hinbekommen will“, meint er, „und hoffen, dass nicht allzuviel Unvorhergesehenes dazwischen kommt.“ Er engagiert sich zudem als Fachwart für Wildwasser-Rennsport im Landes-Kanu-Verband Niedersachsen, als Kampfrichter bei Meisterschaften sowie als Vorsitzender des Wildwasserförderclubs. „Kanufahren ist nunmal eine nicht-olympische Sportart, da werden wir mit Fördermitteln nicht gerade überschüttet.“

Sein Herzblut hänge am Kanusport, betont von Hartz, und gerät an dieser Stelle so richtig in Fahrt. „Außerdem bin ich der Meinung, dass man nicht so intensiv im Leistungssport tätig sein kann, ohne irgend etwas zurückzugeben. Ja, es ist sogar eine verdammte Verpflichtung für jeden, der sich lange in einem Sport engagiert, etwas zurückzugeben. Ich hab‘s ja auch nicht an die Spitze geschafft, ohne Unterstützung zu haben.“

Darüber hinaus gebe es für Jugendliche nichts Besseres als Sport, um in einer Leistungsgesellschaft wie der unseren Erfolg haben zu können, findet Celles Kanu-Urgestein. „Man lernt unglaublich viel für‘s Leben: Disziplin, sich auf etwas zu konzentrieren, soziales Miteinander. Man lernt, mit Rückschlägen fertig zu werden, wieder aufzustehen, und es am nächsten Tag noch mal zu versuchen.“

„Ohne Sport wäre auch ich sicherlich nicht da, wo ich heute bin – weder privat, noch beruflich“, sagt der 55-Jährige, der nach seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemeinsam mit seinem Vater das Fliesenfachgeschäft von Hartz in der Celler Neustadt gegründet hat, mit Nachdruck. „Für meine persönliche Entwicklung hat das Kanufahren unheimlich viel gebracht, es hat mich geprägt.“ In der Pubertät sei er nämlich nicht gerade der „große Kracher“ gewesen, gesteht von Hartz selbstkritisch. „Schulisch war ich eher mittelmäßig, und einen großen Freundeskreis hatte ich auch nicht.“ Der Leistungssport habe ihm viel gegeben, ihm wichtige Erfolgserlebnisse beschert. „Das war wahnsinnig viel wert.“

Ein Leben ohne seinen Sport kann sich der Celler Wildwasserkanute deshalb auch gar nicht mehr vorstellen. „Es gibt ja böse Zungen, die behaupten, mein Boot wäre auf meinem Autodach festgewachsen“, verrät von Hartz und lacht. „Aber es stimmt schon, auch im Urlaub geht es für meine Familie und mich eigentlich immer zum Paddeln. Ich liebe nicht nur die sportliche Betätigung, sondern auch das Landschaftserlebnis, das man dabei hat.“

Bei der nächsten Kanu-Weltmeisterschzaft in der Schweiz im kommenden Jahr ist Celles Altmeister natürlich ebenfalls wieder mit von der Partie. „Mit Mitte Fünfzig kämpft man zwar schon ein wenig gegen den Verfall“, erklärt von Hartz – leicht scherzhaft, aber durchaus auch ein wenig ernst gemeint. „Man ist jedes Jahr froh, wenn man sein Niveau gehalten hat. Andererseits ist man bei Wettkämpfen auch relativ entspannt, weil man ja fast alles schon gewonnen hat.“

Christina Matthies Autor: Christina Matthies, am 27.12.2017 um 11:28 Uhr
Druckansicht

Info-Box

lebenslauf

1962: In Celle geboren 1977: Mit dem Kanufahren angefangen 1980: Abitur 1980 bis 1981: Wehrdienst in Scheuen 1981 bis 1984: Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann in Oldenburg 1985: Gründung des Fliesenfachgeschäfts von Hartz GmbH gemeinsam mit seinem Vater 1992: Hochzeit mit Ehefrau Eike 1992: Übernahme Geschäftsführung der von Hartz GmbH 2007: Übernahme Vorsitz der Kanu-Gesellschaft Celle 2008: Erster Weltmeistertitel im
Wildwasser-Kanufahren

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Trauer um den legendären Paul Bocuse

Paris (dpa) - Der weltberühmte Koch Paul Bocuse ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er galt als «Papst der französischen Küche». Der Gastronomieführer «Gault&Millau» nannte ihn «Koch des Jahrhunderts». Sein Drei-Sterne-Tempel «L’Auberge du Pont de Collonges» galt als Pilgerort für Gourmets… ...mehr

Bundesliga: Ein Punkt zwischen Platz zwei und sieben

Berlin (dpa) - Das Rennen um die Europapokalplätze in der Fußball-Bundesliga bleibt extrem eng. Bayer Leverkusen, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach liegen nach den Samstagspartien des 19. Spieltags auf den Plätzen zwei, drei und vier mit jeweils 31 Punkten. ...mehr

Paul Bocuse ist tot - die Kochwelt trauert

Paris (dpa) - Der weltberühmte Koch Paul Bocuse ist tot. Er starb am Samstag in seinem Restaurant «L’Auberge du Pont de Collonges» in seinem Heimatort Collonges-au-Mont-d'Or in der Nähe von Lyon, in dem er auch 1926 zur Welt gekommen war, wie französische Medien übereinstimmend berichteten. ...mehr

Wieder die Standards: RB Leipzig patzt beim 1:2 in Freiburg

Freiburg (dpa) - Nach dem überraschenden Rückschlag auf dem erhofften Weg in die Champions League war Leipzigs Ralph Hasenhüttl bitter enttäuscht. ...mehr

Leverkusen Zweiter - Kellersiege für Freiburg und Mainz

Berlin (dpa) - Bayer Leverkusen hat mit einem eindrucksvollen Sieg den zweiten Platz in der Fußball-Bundesliga erobert. Das Team von Coach Heiko Herrlich feierte bei 1899 Hoffenheim einen 4:1 (1:0)-Sieg und zog an RB Leipzig vorbei. ...mehr

Celler lassen Haare für den guten Zweck

Das lauwarme Wasser sprudelt aus der Brause und vorsichtig wird das Shampoo in die Haare massiert. Ein kurzes Wohlfühlprogramm, in dessen Genuss die Kunden am Montag im Friseursalon „Haar-lekin“ gekommen sind – obwohl der Laden eigentlich an diesem Tag immer geschlossen ist. „Wir waren uns… ...mehr

14:2 Torschüsse, 1:1 Tore: Frankfurt hadert

Frankfurt/Main (dpa) - So sauer hat man Niko Kovac selten erlebt. «Ich bin maßlos verärgert. Ich bin richtig stinkig», sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt nach dem 1:1 (1:0) gegen den SC Freiburg im ersten Spiel des neuen Bundesliga-Jahres. ...mehr

Landkreis Celle investiert 10,4 Millionen Euro in Schulen

Der Landkreis Celle investiert in diesem Jahr weiter in die Schulen. "Wir werden etwa 10,4 Millionen Euro in die Sanierung und den Ausbau der weiterführenden Schule stecken", sagte Landrat Klaus Wiswe. "Diese Investitionen sind wichtig, damit unsere Kinder gute Voraussetzungen haben, um zu lernen".… ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
24.01.2018

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

Keine Stunde auf dem Platz: Kerber im Halbfinale

Melbourne (dpa) - Melbourne (dpa) - Mit einem 6:1, 6:2 in nur 51 Minuten hat Angelique Kerber das Halbfinale…   ...mehr

Union und SPD pokern vor Koalitionsverhandlungen weiter

Berlin (dpa) - Vor dem anstehenden Beginn der Koalitionsverhandlungen hat der Deutsche Städte- und…   ...mehr

Federer zum 14. Mal im Halbfinale der Australian Open

Melbourne (dpa) - Titelverteidiger Roger Federer hat das zehnte Grand-Slam-Duell mit Tomas Berdych für…   ...mehr

Urteil für Ex-Präsident Lula birgt Sprengkraft in Brasilien

Porto Alegre (dpa) - Die Anhänger von Brasiliens Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva drohen…   ...mehr

Schwangere Premierministerin löst Strick-Boom aus

Wellington (dpa) - Mit der Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft hat Neuseelands Premierministerin Jacinda…   ...mehr

Nach Hirscher-Coup: Gratulation von Ski-Star Maier

Schladming (dpa) - Marcel Hirscher hatte kaum die Ziellinie von Schladming überquert und den 54. Sieg…   ...mehr

Vier Tote bei Angriff auf Kinderhilfs-NGO in Afghanistan

Kabul (dpa) - Bei einem Angriff mit Bomben und Schusswaffen auf ein großes Büro der Kinderhilfsorganisation…   ...mehr

Grünes Licht: Comeback von Reus beim BVB rückt näher

Dortmund (dpa) - Das Comeback von Marco Reus beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund rückt…   ...mehr

Mitgliederentscheid: SPD will Stichtag für Neumitglieder

Berlin (dpa) - Die SPD-Führung will Anfang kommender Woche einen Stichtag festlegen, ab wann Neumitglieder…   ...mehr

Russische Eisschnelllauf-Stars nicht zu Olympia

Moskau (dpa) - Nach der Ächtung zahlreicher Topstars werden Russlands Sportler bei den Winterspielen…   ...mehr
SPOT(T) »

Kaltes Chili

Was ist das Wichtigste bei einem Umzug? Na klar, Mettbrötchen zum Frühstück… ...mehr

Großeltern

Liebe Eltern, Sie müssen jetzt stark sein. Denn Sie haben Ihre Kinder vielleicht… ...mehr

Kapselitis

Genuss aus der Dose. Oder aus dem Döschen. Also aus der Kapsel. Der ist ja… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG