Celler Handballer sollen gemeinsam Stärke zeigen

Kleine Kinder, die nervös von einem Bein aufs andere hüpfen, die mit großen Augen ihre Idole anschauen, bevor sie mit ihnen in eine oftmals bis auf den letzten Platz gefüllte Sporthalle einlaufen. Gute Stimmung, spannende Spiele, Siege und Niederlagen. Für alle diese Dinge standen die Handballerinnen des SVG Celle in der 1. und 2. Liga. Doch nachdem Celles sportliches Aushängeschild im Sommer nach vielen finanziellen, letztlich vergeblichen, Klimmzügen Insolvenz angemeldet musste, ist es damit vorbei. Celles Handballer haben ihr Zugpferd verloren. Oder vielleicht doch nicht? Zumindest Wolfgang Kaplick, der Vorsitzende der Handballregion Lüneburger Heide, mag sich mit diesem Gedanken nicht so recht anfreunden. Vielmehr möchte er versuchen, den Leistungshandball in Celle am Leben zu erhalten.

Celle. „Wir dürfen diese Spielklasse nicht einfach so wegwerfen“, sagt Kaplick, der neben seinem Ehrenamt in der Handball-Region auch „Chef“ beim HBV 91 Celle ist. Er hat dabei die 3. Liga im Visier, in der der SVG nach der Insolvenz in der Spielzeit 2018/2019 an den Start gehen dürfte. Es ist derzeit reine Theorie, doch die Idee, die hinter Kaplicks Satz steckt: Celles Handballvereine sollten es gemeinsam angehen. Gemeinsam sollen sie ihren Sport voranbringen. Denn soviel ist sicher: Allein wird es nicht funktionieren. Das hat man auch beim SV Garßen, dem Stammverein des SVG Celle, längst erkannt. Ein solches Unternehmen wird man dort vorerst nicht mehr angehen. Das hatten die Verantwortlichen in Garßen während der vergangenen Wochen und Monaten vermehrt und deutlich unterstrichen.

Einen gewissen Scharm versprüht die Idee von Kaplick durchaus. Er möchte mit einer Bündelung der Kräfte aller Vereine in Stadt und Landkreis Celle den Handballsport voranbringen. Das Drittligateam soll dabei eine Art Vorbildfunktion bilden oder als Aushängeschild dienen. Und es soll auch nur der Anfang an. Darunter, so schwebt es dem Celler Handballfunktionär vor, könnte ein „Leistungssportverein“ entstehen – eine Art „Best of“ aller Klubs. Handballtalente sollen dort die Möglichkeit erhalten, höherklassigen Handball zu spielen. Im derzeitigen Konstrukt, in dem jeder Verein bei der Ausbildung junger Talente irgendwie sein eigenes Süppchen kocht, geht es kaum voran. Vielmehr tritt man seit Jahren auf der Stelle. Zumeist spielen die Jugendmannschaften nur in der Regionsoberliga, selten schafft es ein Team in die Landesliga. Oberligateams sind ohnehin eher die Ausnahme. „So, wie es jetzt ist, ist der Handballsport im Raum Celle auf dem absteigenden Ast“, glaubt Kaplick.

„Es ist die allerletzte Chance, etwas zu bewegen“, glaubt er. „Wenn diese Möglichkeit für den Leistungshandball nicht genutzt wird, tritt der Handball in Celle in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiter auf der Stelle.“ Auch danach könnte es wohl kaum jemand garantieren, dass es mit höherklassigem Handball überhaupt wieder klappen könnte. „Daher wäre es gut, wenn die Vereine intelligent zusammenarbeiten.“

Kaplick will in Kürze Gespräche mit den Vereinen aufnehmen und für seine Idee werben. Einer der ersten Gesprächspartner werden dabei die Verantwortlichen des SV Garßen sein. Denn ohne den Willen dieses Vereins, wird die ganze Sache nicht in Gang kommen. Dort müsste die Gründung der Spielgemeinschaft in Angriff genommen werden, damit das Startrecht in der 3. Liga überhaupt besteht. Viel Zeit bleibt dafür nicht. Bis spätestens zum 1. April müsste ein entsprechender Antrag zur Gründung einer SG beim Handball-Verband Niedersachsen vorliegen. Der Meldeschluss für die 3. Liga ist am 15. April. Bis dahin müssten auch noch einige weitere Fragen deutlich beantwortet werden: Wer übernimmt das Management bei einer solchen SG? Wie sieht die Mannschaft aus? Und vor allen Dingen: Wie sieht die Finanzierung einer solchen Aktion aus? Mit einer Idee allein ist es nicht getan – bei einer Umsetzung wartet auch noch jede Menge Arbeit.

Uwe Meier Autor: Uwe Meier, am 27.12.2017 um 16:41 Uhr
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