Festliches Finale: Celler Weihnachtsmarkt findet Abschluss

Foto: Christian Link

Nach vier Wochen hat der Celler Weihnachtsmarkt vor der historischen Fachwerkkulisse am Mittwochabend ein stimmungsvolles Ende gefunden. Tausende Besucher nutzten den letzten Markttag zum Bummeln, Einkaufen oder um im Freundeskreis bei einem Glühwein die Weihnachtsfeiertage ausklingen zu lassen.

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CELLE. Verkäuferin Nicole Rapp hatte gestern noch einmal alle Hände voll zu tun: Zum Finale des Celler Weihnachtsmarkts erlebte der Stand von „Sterne vom Himmel“ auf dem Großen Plan einen regelrechten Kundenansturm. Zahlreiche Schnäppchenjäger wollten sich den 50-Prozent-Rabatt auf die handgefertigten Leuchthäuser und Leuchtsterne nicht entgehen lassen. „Ich habe schon einige und die finde ich so wunderschön, dass ich gleich noch mehrere kaufe – diesmal aber nicht für mich, sondern für meine Schwiegertochter“, verriet Inge Koop aus Celle und ließ sich vier zusätzliche, sorgfältig ausgesuchte Leuchthäuser einpacken: „Ich bin extra hierher gefahren, nur um die zu kaufen.“

Von Schlussverkauf war am letzten Öffnungstag ansonsten aber nichts zu sehen: So etwas wie einen Räumungsverkauf gab es nur bei den Oldenburger Experten für stimmungsvolle Innenbeleuchtung, obwohl diese im Gegensatz zu vielen anderen Händlern auch einen Onlineshop betreiben. Beim Holzspielereien-Laden „Arlecchino“ aus Stolzenau (Landkreis Nienburg/Weser) ist man sogar froh, nicht im Internet vertreten zu sein. „In einer Welt, wo alles jederzeit verfügbar ist, machen wir uns ein bisschen rar“, sagt Mitinhaber Dirk Engelberts. Außerdem will die kleine Firma damit Nachahmer abwehren: „Wir können unsere Entwürfe im Netz nicht wirksam vor Produktpiraterie schützen.“ Etwa ein Drittel seiner Holzspielzeuge, Metallrätsel, Zauberwürfel oder Rätselpyramiden stellt Arlecchino selbst her.

Seit 32 Jahren ist der kleine Betrieb schon auf dem Celler Weihnachtsmarkt zu finden. „Wir haben hier mit Kinderspielzeug gestartet, aber mittlerweile sind unsere Kunden von damals groß geworden. Deswegen sind wir jetzt ein Spielzeugladen für Menschen – nicht nur für Kinder“, sagt Engelberts. Das Konzept geht auf, vor allem erwachsene Männer werden von den kniffligen Spielzeugen geradezu magisch angezogen. Auch Camillo Broermann tüftelt sich munter durch die Produktpalette. „So ein Knobelspiel hat ein Freund zum Geburtstag geschenkt bekommen und dann haben wir alle daran gesessen. Das war cool“, sagt der Hamburger und probiert verschiedene Metall- und Holzrätsel aus, bevor er sich schließlich für den Kauf der rätselhaften 20-Cent-Box entscheidet.

Auch bei Regina Wulff, die mit zwei Tüten den Stand der Töpferei Langerwehe verlässt, hat die Kaufentscheidung etwas länger gedauert. Nachdem sie ihr neues Porzellan-Licht zu Hause aufgestellt hatte, bekam sie plötzlich Lust auf einen Nachschlag. „Beim Dekorieren fiel mir noch das mit der Eule und das mit den Schmetterlingen ein. Deswegen bin ich mit dem Bus aus der Heese wieder hier her gefahren und habe beide gekauft“, berichtet Wulff, die jedes Jahr über den Celler Weihnachtsmarkt bummelt: „Er ist schon ein bisschen anspruchsvoller geworden, könnte aber gerne noch ein paar mehr Waren haben, die man verschenken kann – vielleicht Textilien.“

Weltreise statt
Weihnachtsmarkt-Bummel

Verkäuferin Marie Simon hat dagegen so gut wie nichts vom Weihnachtsmarkt gesehen: „Ich bin einfach nicht dazu gekommen, einen richtigen Bummel zu machen.“ Ihren aktuellen Job hat die 18-Jährige über E-Bay-Kleinanzeigen entdeckt. „Ich habe einen Saisonjob gesucht, weil ich übermorgen eine Weltreise starte. Dafür habe ich seit einem Jahr in der Gastronomie gearbeitet und habe viel gespart“, erzählt die KAV-Abiturientin, die vor ihrem Studium noch etwas erleben will. Den Job als Verkäuferin würde sie wieder machen: „Es macht viel Spaß und solange die Leute geduldig sind, funktioniert auch alles.“

Auch für Schausteller Günter Wolfersdorf, der erstmals das Kinderkarussel vorm Alten Rathaus betrieben hat, geht eine schöne Zeit vorbei. „Ich habe drei Töchter und fünf Enkel. Ich liebe Kinder, mir macht das unheimlich viel Spaß“, sagt der 79-Jährige, der mit dem Job seine Rente etwas aufbessert. Auf dem Celler Weihnachtsmarkt ist er zwar ein Neuling, doch in der Branche hat er Erfahrung. „Ich bin seit 1954 schon auf der Reise“, sagt der Braunschweiger, der unter anderem mit einer Lichtdisco und einem Autoscooter durch die Lande tingelte. Zuvor war er auf dem Peiner Weihnachtsmarkt angestellt, bei der Firma Eisenstädt in Celle gefällt es ihm aber besser. Wolfersdorf: „Diesen Weihnachtsmarkt hier finde ich besonders schön. Bei den ganzen Holzbuden denkt man, man wäre in den Alpen.“

Christian Link Autor: Christian Link, am 27.12.2017 um 21:21 Uhr
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