Fachwerkstadt Celle macht auf Bauhaus

Das Haus Schuhstraße 8 hat mit Bauhaus nichts zu tun, wurde jetzt aber mit einer Infotafel zum Neuen Bauen in Celle versehen. Foto: Oliver Knoblich

Wenn das in Weimar 1919 von Walter Gropius gegründete Bauhaus seinen 100. Geburtstag feiert, dann will auch das als Fachwerkstadt bekannte Celle mit dabei sein. Irgendwie.

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CELLE. Denn an der Aller gibt es ähnliche Bauten aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, die wegen ihrer Modernität damals für Aufsehen sorgten: die vom Architekten Otto Haesler "im Bauhausstil" errichteten Gebäude des „Neuen Bauens". Während Weimar und Dessau ihr Bauhaus-Erbe einfach so „haben“, muss man sich in Celle schon bemühen, um vielleicht ein Stück vom Geburtstagskuchen zu ergattern. Ein Beispiel für derlei Anstrengungen ist der jetzt eingeweihte „HaeslerPoint“ – eine bunte Tafel an einem Fachwerkhaus mit Sandstein-Unterbau mitten in der barocken Altstadt.

Am Haus Nummer 8 in der Schuhstraße ist der Name Otto Haeslers in einen Balken eingeschnitzt. Mehr gibt es im Grunde nicht zu sehen. Außer vielleicht die Steinfassade im Erdgeschoss des Hauses, die heute wahrscheinlich denkmalschutzrechtlich unmöglich wäre. Verantwortlich für diese aus heutiger Sicht von Fachwerk-Schützern vermutlich als „Bausünde“ eingestuften Renommier-Architektur ist Haesler, der seinerzeit zum Broterwerb auch „unmoderne“ Bauten im historisierenden Stilmix errichtete. Er leitete von 1906 bis 1907 den Umbau des Hauses Schuhstraße 8. Das Ergebnis mag schmuck aussehen. Mit Neuem Bauen im Sinne von Bauhaus & Co. hat das Ganze jedenfalls nichts zu tun.

Dass dennoch jetzt genau hier, im mit 490 bunten Fachwerkhäusern größten einheitlichen Fachwerkensemble Europas, eine Bauhaus-Info-Tafel angeschraubt wurde, ist Wulf Haack zu verdanken. Er ist Haesler-Fan und war bis Ende 2009 Geschäftsführer der Otto-Haesler-Stiftung. Damals musste er sein Amt zur Verfügung stellen, um seiner Demission zuvor zu kommen. Haacks Begeisterung und Einfluss sind auch bei den Worten zu spüren, mit dem die Celle Tourismus und Marketing GmbH (CTM) auf das Bauhaus-Jubiläum hinweist: „Wenige wissen, dass Celle quasi der Geburtsort des Neuen Bauens ist und beim Thema Bauhaus-Architektur in der Liga von Weimar und Dessau mitspielt.“

Celle als „Geburtsort des Neuen Bauens“ – darüber dürfte man in Dessau und Weimar schmunzeln, doch hier an der Aller nimmt man das Thema sehr ernst. Schließlich erhofft man sich zusätzliche Touristenströme, die eigens anreisen sollen, um Haesler-Architektur wie die Altstädter Schule, Siedlungen wie den „Italienischen Garten“ oder das Haesler-Museum zu besuchen.

Der neue „HaeslerPoint“ diene als „kleiner Auftakt für die zukünftige Vermarktung des Bauhaus-Erbes der Stadt Celle“, hieß es jetzt bei der Enthüllung der Tafel. „Es ist ein tolles Beispiel für bürgerschaftliches Engagement, das man gar nicht genug loben kann“, so Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge, der zusammen mit Haack, Ortsbürgermeister Tim Übermuth, CTM-Geschäftsführer Klaus Lohmann sowie Hausbesitzer Karsten Schröder den Akt vollzog.

„Wir haben so viele verborgene Potenziale in der Stadt und fangen nun an diese zu heben. Umso mehr freut es mich, dass dies auch durch Bürger und deren ehrenamtliches Engagement geschieht“, so Nigge zum Tafel-Initiator Haack. Das Schild solle Touristen bei ihrem Rundgang durch die Altstadt auf die Celler Bauhaus-Sehenswürdigkeiten aufmerksam machen.

„Das Thema Bauhaus ist für uns ein tolles touristisches Thema für die kommenden zwei Jahre, das wir natürlich ausbauen und gezielt nutzen werden, um Celle über die Landesgrenzen hinaus noch bekannter zu machen,“ so Lohmann. „Wir werden zusammen mit der Stadt dieses spannende Thema weiter entwickeln und für Gäste und Touristen auch erlebbar machen.“

Michael Ende Autor: Michael Ende, am 28.12.2017 um 19:50 Uhr
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