Vorhang hebt sich für „Foxfinder“ am Celler Schlosstheater

Verena Saake, Dirk Böther und Marius Lamprecht (von links) sind im neuen Stück „Foxfinder“ am Celler Schlosstheater zu erleben. Foto: Schlosstheater Celle / Hoffmann

Kaum ist der Beifall für die Premiere von „Ziemlich beste Freunde“ in der Halle 19 verebbt, steht einen Tag später bereits die nächste Premiere auf dem Programm des Schlosstheaters.

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CELLE. Dort hebt sich im Haupthaus am 12. Januar der Vorhang zu Dawn Kings mehrfach ausgezeichnetem Stück „Foxfinder“, einer Parabel über die Gefahren von irrationalen Ängsten. Uraufgeführt wurde „Foxfinder“ 2011 in London, die Deutsche Erstaufführung gab es im Oktober 2014 am Stadttheater Ingolstadt. Caro Thum, die Regisseurin die die Aufführung in Celle betreuen wird, inszenierte hier bereits in der Spielzeit 2014/15 erfolgreich Ingmar Bergmanns „Szenen einer Ehe.“

„Foxfinder“ hat zugleich auch das Zeug zu einem Psychothriller. Auf dem englischen Bauernhof leben Samuel und Judith Covey, die durch einen Unfall ihren kleinen Sohn
verloren haben. Der Hof produziert nicht den geplanten Ertrag. Daher hat die Regierung einen Foxfinder geschickt, der untersuchen soll, ob auch dieser Hof von Füchsen kontaminiert ist. Füchse nämlich sind die Todfeinde der Menschen. Sie verderben Ernten, manipulieren Träume und töten Kinder. Aber selbst der Foxfinder William Bloor hat
noch nie einen gesehen. Er quartiert sich im Haus der Eheleute ein, verhört sie und dringt bis in die intimsten Bereiche ihres Lebens ein, um Hinweise auf einen Fuchs zu finden. Seine Besessenheit erregt Misstrauen und Verrat unter Nachbarn und treibt den unschuldigen Samuel zunehmend in den Wahnsin.

„Die Autorin macht es sehr geschickt, politische Parabeln über Feindbilder zu entwickeln, die über Jahrhunderte Religionen und Regime gerne dazu benutzen, einer Gesellschaft in einem gemeinsamen Feindbild Angst zu machen“, sind sich die Regisseurin Caro Thum und Dramaturgin Mona vom Dahl einig. „Nicht wir sind Schuld an Missernten und Misswirtschaften. Es sind immer die anderen – die Hexen, die Juden, die Muslime. Dadurch, dass das Stück in einem kleinen, privaten Rahmen spielt, unterscheidet es sich auch von „1984“. Der Fuchs reihe sich seit jeher in alle möglichen Vorstellungen ein, die aus dem Bereich des Aberglaubens kämen. Aber weil er so klug sei, sähe man ihn nie. Zu behaupten, es gäbe gar keine Füchse, sei allerdings ein regelrechter Frevel und stehe unter Strafe. Dadurch spiele auch das Thema Überwachung bis in die Privatsphäre eine große Rolle. „Es muss uns gelingen, den Fuchs für den Zuschauer als eine besondere Gefahr darzustellen und den Foxfinder als bedrohlich“, betont Caro Thum, „besonders darin liegt auch die Schwierigkeit dieser Inszenierung.“ Und Mona vom Dahl ergänzt. „Uns ist es wichtig, dass man versteht, dass es sich um etwas Zukünftiges handelt, aber auch, dass wir erkennen, dass es nah an uns dran ist.“ Das, was der Foxfinder zum Vorschein bringt, ist etwas sehr Privates. Was er beeinflusst, ist nicht nur die Arbeitssituation der Familie; dadurch, dass er bei ihnen einzieht, verändert er auch die Beziehungen des Ehepaares. „Das alles ist sehr subtil“, sagt vom Dahl, „und unheimlich spannend zu verfolgen.

Hartmut Jakubowsky Autor: Hartmut Jakubowsky, am 29.12.2017 um 10:35 Uhr
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