Rauschs Traum von der WM

Ein bisschen Ruhe. Einfach mal kurzzeitig abschalten und Energie tanken. Nach dem Aus im DFB-Pokal mit dem Bundesligisten 1. FC Köln gegen FC Schalke 04 (0:1) am 21. Dezember war erstmal eine Auszeit angesagt. Das vergangene Jahr bei den „Geißböcken“ war für einen Fußball-Profi ohnehin ziemlich ereignisreich: himmelhoch jauchzend bis hin zu Tode betrübt. Es war alles dabei. „Im Fußball geht es oftmals brutal schnell“, sagt Konstantin „Kocka“ Rausch über die Berg- und Talfahrt seines Klubs, bei dem er noch einen Vertrag bis 2021 besitzt. Da kamen ein paar Tage Pause nicht ganz ungelegen.

Lachendorf. Zu Weihnachten zog es 27-Jährigen in heimische Gefilden zu seinen Eltern nach Lachendorf. Dorthin also, wo für „Kocka“ im Alter von sechs Jahren seine Fußball-Karriere beim TuS Lachendorf begonnen hatte. „Ich bin schon mal öfter hier“, verrät er. Natürlich ist er dann bei seinen Eltern. Zudem verbringt er gern ein paar nette Stunden in den Freundeskreisen in Celle und Hannover. „Und wenn es passt, schaue ich auch mal bei meinen alten Vereinen in Lachendorf und Nienhagen vorbei. Dort kann ich den Kindern vielleicht eine kleine Freude machen.“ Er hat eben nicht vergessen, wo seine Wurzeln liegen.

Der 1990 in Koschewnikowo (damalige Sowjetunion) geborene und im Alter von sechs Jahren nach Deutschland gekommene Rausch war in der Jugend vom TuS Lachendorf zum SV Nienhagen gewechselt. Sein fußballerisches Talent blieb nicht lange unerkannt. Hannover 96 hatte schnell seine Fühler nach dem des Abwehr- und Mittelfeldspieler ausgestreckt. Der Wechsel in die Landeshauptstadt folgte zwangläufig. Rauschs Karriere nahm weiter an Fahrt auf.

Es folgten 51 Länderspiele in den deutschen Junioren-Nationalmannschaften (U16 bis U21), die Wechsel zum VfB Stuttgart (2013) und SV Darmstadt 98 (2015) sowie ein Jahr später nach Köln.

Dort erlebte der Profi-Kicker Höhen und Tiefen. Die Saison 2016/2017 hatte der FC noch auf Platz fünf abgeschlossen. In dieser Spielzeit geht indes nicht viel zusammen. Abgeschlagen steht das Team auf dem letzten Tabellenplatz. „Im Frühjahr hat bei uns alles gepasst. Wir sind nicht ohne Grund Fünfter geworden“, sagt Rausch. „Derzeit geht es genau anders herum. Wir befinden uns in einer Negativspirale. So ist das eben im Fußball manchmal.“

Gerade einmal ein Sieg steht nach Abschluss der Hinrunde auf dem Konto der Kölner. Das ist nicht spurlos an den Rheinländern vorbeigegangen. Trainer Peter Stöger musste gehen und auch Rausch stand bei Teilen der Fangemeinde in der Kritik. „Man kann es eben nicht jedem recht machen“ sagt der 27-Jährige, der in sozialen Medien Kritik hinnehmen musste, die unter die Gürtellinie ging. „Kocka“ nimmt es relativ gelassen hin, dass es Fans gab, die ihm Verletzungen wünschten, damit er nicht spielen kann. „Schön ist so etwas natürlich nicht. Aber es ist eben so. Ganz so schlimm ist es aber nicht“, sagt Rausch. „Es gibt noch genügend FC-Fans, die honorieren, was ich seit zehn Jahren als Profi geleistet habe.“

Gänzlich aufgesteckt haben die Kölner hinsichtlich des Klassenerhalts auch nicht. „Wenn im neuen Jahr wichtige Spieler von uns auf das Spielfeld zurückkehren, werden wir auch eine Mannschaft auf den Platz bekommen, die Punkte holen kann“, ist Kocka überzeugt. „Natürlich wird das ein riesiger Kraftakt. Jeder weiß, dass es unglaublich schwer werden wird für uns mit dem Klassenerhalt.“ Aber im Fußball sei nichts unmöglich. „Vielleicht schaffen wir es ja, dass genügend Zählbares zusammen kommt und wir noch eine Chance erhalten.“

Rausch jedenfalls will dafür alles geben. Dabei wird ihn ein interessanter Aspekt unterstützen. Im Sommer findet die Weltmeisterschaft in Russland statt. Und er möchte schon gern dabei sein – als Spieler seines Geburtslandes wohlgemerkt. Im Oktober hatte er für Russland sein offizielles Debüt im A-Nationalteam gefeiert und ein „ganz gutes Feedback bekommen“, wie er sagt. „Doch bis zur WM ist noch viel Zeit. Es ist schwer, zu sagen, ob es klappt“, meinte er über seine Chancen. „In erster Linie ist es wichtig, dass ich gesund und fit bleibe und keine Verletzungen habe. Und ich muss im Verein vernünftige Leistungen zeigen.“

Aber warum sollte er es nicht schaffen können – im Fußball ist doch alles möglich? Vorerst steht aber am 2. Januar der Trainingsauftakt in Köln an – und der ist noch wichtiger.

Uwe Meier Autor: Uwe Meier, am 29.12.2017 um 15:05 Uhr
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