Berufsschullehrer Dirk Oesterreich schreibt Buch über Unterricht mit Herz

Foto: Oliver Knoblich

27 Jahre lang hat Dirk Oesterreich vor Schülern gestanden – als Pädagoge, nicht "nur" als Lehrer, wie er betont. "Der Job kommt vom Hirn, der Beruf vom Herzen", definiert der 60-Jährige den Unterschied. Wie man nach dem Lehramtsstudium zum Pädagogen wird, darüber hat Oesterreich unter seinem Spitznamen "Autriche" ein humorvolles Buch geschrieben.

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CELLE. Unter dem Titel "Die Lehrer-Challenge: Ein Wegbegleiter für alle, die gerne als Pädagogen wirken möchten" lässt er die Irrungen und Wirrungen seines Berufslebens Revue passieren und gibt praktische Tipps für die Arbeit im Klassenzimmer. Doch vieles lässt sich auch auf andere Berufe abseits der Schule anwenden.

Nach seinem Referendariat in Bremen hat Oesterreich bis zu seinem vorzeitigen Ruhestand im Sommer 2017 Englisch und Wirtschaft an einer Berufsbildenden Schule in Uelzen unterrichtet. Bevor er den Weg in den Schuldienst einschlug, hatte er eine Lehre zum Industriekaufmann absolviert und sieben Jahre lang in einem Unternehmen gearbeitet. "Ich hatte keinen Bock mehr auf Büro", begründet er die Neuorientierung. Er habe gemerkt, dass ihm Lehramt Spaß mache, außerdem reizte ihn das Studium: "Ich wollte mehr lernen und mehr wissen."

Ein zentrales Credo hat sich für Oesterreich schnell herauskristallisiert: "Man muss authentisch bleiben und darf sich nicht verbiegen lassen." Ein Anbiedern bei den Schülern sei unbedingt zu vermeiden, gerade hinsichtlich der Altersschere zwischen Lehrer und Lernenden, die mit den Dienstjahren immer größer werde. Außerdem sei es für Lehrer und ihre Authentizität wichtig, einen Unterricht auf die Beine zu stellen, der zu ihnen passt. Das gelte vor allem für die Methoden, die zum Einsatz kommen.

"Zu durchgestylt" sei nicht gut, sagt Oesterreich, der in der Nähe von Uelzen wohnt. Er plädiert sogar dafür, hin und wieder mal unvorbereitet vor eine Klasse zu treten und zu unterrichten. "Schwellenpädagogik" nennt sich das, weil sich der Lehrer erst beim Übertreten der Klassenzimmer-Türschwelle Gedanken über die Unterrichtsgestaltung macht. "Ich mache sogar Werbung dafür", sagt Oesterreich. "Dadurch kann man sich voll auf die Schüler einlassen und bekommt mit, was die eigentlich wollen." Erzwungene Gruppenarbeiten, bei denen die leistungsstarken Schüler oft für die leistungsschwächeren mitarbeiten, gehörten da nicht dazu.

Der pensionierte Berufsschullehrer war "Pädagoge mit Leib und Seele". Gesundheitsbedingt musste er sich aus seinem Traumberuf zurückziehen. Sein Buch über das Wirken als Pädagoge hat er im Februar vergangenen Jahres begonnen, im Sommer schloss er den Schreibprozess ab. "Danach wurde es noch verschönert", sagt Oesterreich. Herausgekommen ist ein gut 100 Seiten dickes Büchlein voller Humor und Satire. "Anders geht es nicht." Es sei "kein Nachtreten" nach der Pensionierung, das ist Oesterreich wichtig. Auch um das sicherzustellen, hätten ehemalige Kollegen Korrektur gelesen.

Oesterreich hat mit der Zeit im Berufsleben seinen Weg zum Pädagogendasein gefunden und ist sich treu geblieben. "Ich habe meine Show abgezogen", resümiert er so unverblümt, wie er auch in seinem Buch erzählt.

Amelie Thiemann Autor: Amelie Thiemann, am 01.01.2018 um 17:44 Uhr
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