Süd- und Nordkorea stellen Telefonverbindung wieder her

Reisende sehen sich im Hauptbahnhof von Seoul (Südkorea) auf einem Fernseher die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un an. Foto: Ahn Young-Joon Foto: Ahn Young-Joon

Seoul/Washington (dpa) - Süd- und Nordkorea haben im Zuge ihrer Annäherung eine wichtige Kommunikationsleitung an der Grenze wieder in Betrieb genommen.

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Die erste Kontaktaufnahme seit knapp zwei Jahren praktischer Funkstille erfolgte über eine von mehreren Telefonleitungen zwischen beiden Seiten im Grenzort Panmunjom



Beide Länder planen, über die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Februar zu reden. Im starken Kontrast zu diesen Entspannungssignalen verschärfte US-Präsident Donald Trump seine Rhetorik gegenüber dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un und drohte mit dem Atomwaffenknopf.

Kim habe gerade erklärt, dass sein «Atomwaffenknopf immer auf seinem Schreibtisch» sei, schrieb Trump am Dienstagabend im Kurznachrichtendienst Twitter. «Wird jemand aus seinem verarmten und ausgehungertem Regime ihn bitte darüber informieren, dass auch ich einen Atomwaffenknopf habe», so der US-Präsident. «Aber er ist viel größer & mächtiger als seiner, und mein Knopf funktioniert!» 

In seiner Neujahrsansprache am Montag hatte Kim gesagt, der «Atomwaffenknopf» befinde sich immer auf seinem Schreibtisch. Die gesamte USA seien in Reichweite nordkoreanischer Atomwaffen. «Das ist Realität, keine bloße Drohung». 

Zugleich schickte Kim überraschend erste Signale der Annäherung an den Nachbarn Südkorea. Er kündigte an, eine Delegation zu den Olympischen Winterspielen in der grenznahen südkoreanischen Provinz Gangwon entsenden zu wollen. Südkorea schlug daraufhin am Dienstag ein Treffen auf hoher Ebene am 9. Januar in Panmunjom vor. Das bisher letzte offizielle Treffen zwischen hochrangigen Regierungsvertretern beider Länder gab es im Dezember 2015.

Konservative Kommentatoren in Südkorea äußerten sich jedoch skeptisch: Sie warnen, dass Nordkorea mit seinem Vorstoß inmitten des Konflikts um sein Atomprogramm einen Keil zwischen die Verbündeten Südkorea und USA treiben und eine Aufhebung der südkoreanischen Sanktionen erreichen wolle.  

Am Mittwoch folgte dann die Ankündigung Nordkoreas über den staatlichen Rundfunk, den direkten Draht in Panmunjom wieder freizuschalten, den das Land angesichts zunehmender Spannungen vor knapp zwei Jahren unterbrochen hatte. Das Büro des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In begrüßte die Ankündigung als einen ersten  Schritt, «ein Umfeld zu schaffen, in dem eine Kommunikation zu jeder Zeit möglich ist». 

Bei der ersten, etwa 20-minütigen Kontaktaufnahme sei es um «technische Details» gegangen, sagte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul. Nordkorea wolle sich wieder melden. Südkoreas Präsident will künftige Gespräche mit Nordkorea möglichst auch dazu nutzen, über das Atom- und Raketenprogramm des Nachbarn zu sprechen. Es wird jedoch stark bezweifelt, ob sich Kim darauf einlässt. 

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley hatte Nordkorea nach den Drohungen Kims vor einem weiteren Raketentest gewarnt. «Wir hören Berichte, dass Nordkorea möglicherweise einen weiteren Raketentest plant», sagte Haley am Dienstag in New York. «Ich hoffe, das wird nicht passieren. Aber falls es doch passiert, müssen wir noch härtere Maßnahmen gegen das nordkoreanische Regime ergreifen», so Haley. Die USA würden niemals eine Atommacht Nordkorea akzeptieren.

Nach dem jüngsten Test einer neuen Interkontinentalrakete durch Nordkorea Ende November hatte der UN-Sicherheitsrat erst vor Weihnachten die Sanktionen gegen das Land noch mal verschärft. Unter anderem wird die Lieferung von Mineralölerzeugnissen wie Benzin, Diesel und Schweröl an Nordkorea danach weiter begrenzt. Pjöngjang hatte angegeben, mit der Hwasong-15 genannten Rakete das gesamte Festland der USA erreichen zu können.

Dirk Godder, dpa Autor: Dirk Godder, dpa, am 03.01.2018 um 13:27 Uhr
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