Gedenkstätte Bergen-Belsen nimmt Leiden der Kinder in den Fokus

Foto: Alex Sorokin

Es ist ein hoch emotionales Thema, mit dem sich die Gedenkstätte Bergen-Belsen in diesem Jahr beschäftigt. Am 15. April werden 20 Menschen das ehemalige Konzentrationslager besuchen, aus dem sie als Kinder befreit wurden. Eröffnet wird dann die Sonderausstellung "Kinder im KZ Bergen-Belsen". "Das Thema war bisher unterrepräsentiert, erstmals gibt es überhaupt eine Ausstellung dazu", sagt Jens-Christian Wagner. Der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten erwartet daher ein hohes öffentliches Interesse an der Sonderausstellung, die insgesamt 200.000 Euro kostet. 80 Prozent werden von Bund und Klosterkammer finanziert.

LOHHEIDE. "Wir stellen viele neue Dokumente und Objekte vor", sagt Wagner. Zudem seien Zeitzeugenbegegnungen in Schulen Teil des Konzepts. Bis August wird den Besuchern in der Gedenkstätte das Schicksal der Kinder näher gebracht, anschließend wandert die Ausstellung – zunächst in die Schweiz und dann durch Deutschland. Zu dem Thema "Kindheit im Nationalsozialismus" wird es im Juni zudem eine Tagung geben, bei der nicht nur die Schicksale der Verfolgten, sondern auch derjenigen, die Teil der "deutschen Volksgemeinschaft" waren, in den Blick genommen werden.

Weitere Projekte beschäftigen sich mit dem Schicksal der Sinti und Roma – 75 Jahre nach der Deportation nach Ausschwitz –, mit exemplarischen Biografien, die die ganze Bandbreite der KZ-Häftlinge in Bergen-Belsen zeigen, sowie mit dem 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. "Wir werden dazu eine Website erstellen, auf der wir zeigen, was am 9., 10. und 11. November in den Kommunen in Niedersachsen passiert ist", sagt Wagner.

Ein anderes Projekt hat im vergangenen Jahr dagegen einen herben Rückschlag erlitten. "In unseren Plänen, die Kaserne zu nutzen, wurden wir durch das Scheitern der Internationalen Begegnungsstätte Bergen (IBB) zurückgeworfen", sagt Wagner. Der zweite Teil des Pakets der "qualitativ anderen Form der Betreuung bei mehrtägigen Projekten" fehle dadurch. "Wir suchen nach Alternativen und sind in Gesprächen mit der Heimvolkshochschule Hustedt und der evangelisch-lutherischen Bildungsstätte Hermannsburg", erzählt Wagner. Zudem arbeite die Gedenkstätte weiterhin eng mit dem Anne-Frank-Haus in Oldau zusammen. "Ich befürchte aber, dass wir nicht alle Gruppen unterbringen können", so Wagner. "Die IBB wäre die ideale Kombination aus räumlicher Nähe und einem urbanen Umfeld gewesen." Teil eins des Projekts, der Bezug des Blocks in der Kaserne, soll aber dennoch in diesem Jahr vollzogen werden. Der historische Ort, der sowohl als Konzentrations- und anschließend auch als Auffanglager für "displaced persons" genutzt wurde, soll 2021 für vier Millionen Euro grundlegend umgebaut werden.

Wagner kritisiert, dass der Berger Stadtrat beim Votum gegen die IBB den ideellen und politischen Gewinn "sträflich aus den Augen verloren" habe. "Lohnt es sich für die Erinnerung an die NS-Verbrechen Geld auszugeben? – Diese Frage habe ich bei der Diskussion vermisst", sagt Wagner. "Es gibt allgemein ein spürbares Ressentiment dagegen, sich mit den Verbrechen des Nationalsozialismus überhaupt auseinanderzusetzen."

Aufgrund des stärker gewordenen gesellschaftlichen und politischen Gegenwinds ist es für die Gedenkstätte, die im vergangenen Jahr 250.000 Menschen besuchten, umso wichtiger, neue Wege zu gehen. Unter dem Titel "Vier Kieselsteine" veröffentlichte die Stiftung erstmals kindgerechte Unterrichtsmaterialien. "Das war ein großartiger Erfolg. Wir sind jetzt mit Schulbuchverlagen im Gespräch, um ein viel größeres Publikum zu erreichen", sagt Wagner.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 03.01.2018 um 17:27 Uhr
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