Reise von Ungarn nach Bergen-Belsen und zurück

Foto: Repro: Andreas Babel

Ein Überlebender des KZ Bergen-Belsen besucht die Stationen seiner Verfolgung im Nationalsozialismus und seines Lebens unter kommunistischer Diktatur. Der aus einer jüdischen Familie stammende Peter Lantos wird 1944 als kleiner Junge zusammen mit seinen Eltern aus einem ungarischen Provinzstädtchen in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Der Vater stirbt im Lager, die Mutter und ihr Sohn werden befreit und kehren zurück nach Ungarn.

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LOHHEIDE. Doch ein Anschluss an das frühere Leben ist unmöglich: Mit dem Beginn der kommunistischen Diktatur 1949 wird der Familienbetrieb enteignet. Die Demütigungen beginnen erneut. Um dem Terror zu entkommen, verlässt der Autor 1968 sein Heimatland und geht nach London. Dort wird er als Professor für Neurowissenschaften tätig.

Fast 60 Jahre nach seiner Inhaftierung in Bergen-Belsen entschließt sich Peter Lantos, die Stationen seines früheren Lebens aufzusuchen und so die Vergangenheit noch einmal zu durchleben. Entstanden sind Erinnerungen an ein außergewöhnliches Leben voller tragischer Verluste, Hindernisse und Überraschungen.

1973 kehrt Lantos erstmals nach dem Krieg wieder in den Landkreis Celle zurück. Es ist eine unvorbereitete Reise. Lantos muss sich von Bergen zu Fuß auf den Weg zum ehemaligen Lager machen. Bei manchen, die er trifft, fragt er sich, was sie damals vom Lager gewusst haben, ob sie gar etwas damit zu tun hatten. Ein britischer Offizier nimmt ihn im Auto ein Stück des Wegs mit. „Als ich durch das Tor der Gedenkstätte ging, verflog mein Unbehagen, und ich verspürte ein Hochgefühl.“ Doch bald stellt sich wieder ein Gefühl der Beklemmung ein, denn er erkannte nichts wieder. „Sämtliche Spuren waren vernichtet“, schreibt Lantos.

Im Herbst 2003 besucht Lantos Bergen-Belsen ein zweites Mal. Er beschreibt Celle als eine „stilles Selbstvertrauen und Wohlstand ausstrahlende Stadt“. Im Endtenfang, dem Edelrestaurant des Fürstenhofs, diniert der Autor königlich und überhäuft den Koch mit Lob. Doch dann das abrupte Ende dieses Kapitels: „Nachdem ich mich vom Tisch erhoben hatte, wurde mir plötzlich bewusst, daß ich vor 60 Jahren nicht weit entfernt von hier beinahe verhungert wäre.“

Peter Lantos schreibt nicht wie ein Wissenschaftler. Seine Zeilen sind bei aller Härte und Traurigkeit des Geschehens, die sie beschreiben, gut lesbar. Der Autor nimmt seinen Leser mit auf seine vielen Reisen, auf die freiwillig angetretenen und auf die, zu denen er gezwungen worden ist. Eine beeindruckende Reise durch die jüngere europäische Geschichte.

„Von Ungarn nach Bergen-Belsen und zurück. Eine Zeitreise“ von Peter Lantos, aus dem Englischen übersetzt von Helmut Meier unter Mitarbeit von Gianna Lange. Reihe: Bergen-Belsen – Berichte und Zeugnisse (herausgegegeben von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten); Band 6, Wallstein Verlag, gebunden, 35 farbige Abbildungen, 366 Seiten, 24,90 Euro, ISBN: 978-3-8353-3095-5./p>

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 05.01.2018 um 17:40 Uhr
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