Kabarettist Joachim Zawischa sucht in Celle nach dem roten Faden

„Ich kann mich selbst nicht kurz fassen, leide aber unter selektivem Zuhören“:Joachim Zawischa als Alleinunterhalter in Celles Kunst & Bühne. Foto: David Borghoff

Das Beste kommt zum Schluss. Diese Weisheit hat sich auch beim Komödianten – oder doch Kabarettisten? – Joachim Zawischa am Samstag in Kunst & Bühne bewahrheitet: Wirklich witzig, locker und damit überzeugend waren seine Wortspiele, Witze und lautgemachten Überlegungen mit und im Dialekt – sächsisch in diesem Fall. Gelernt ist eben gelernt.

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Celle.

Und hier beginnt auch schon die Sache mit diesen „Gedankensprüngen“, vor denen der Alleinunterhalter das Celler Publikum schon zu Beginn warnt: „Ich schweife ab, kann mich selbst nicht kurz fassen, leide aber unter selektivem Zuhören“. Und das, gepaart mit einer gewissen Tapsigkeit (Multitasking ginge auch nicht so gut), sorge für Irrungen und Wirrungen in seinem Leben. Das hat man stellenweise auch im Programm gemerkt, wenn er den roten Faden – gewollt oder ungewollt – doch öfter mal wieder suchen musste.

Amüsant waren sie dennoch, die Abstecher des Ex-Schauspielers und ehemaligen Theologiestudenten Zawischa in die Jugend, den Alltag, die Gedankenwelt, und seine ganz eigenen Spots auf die deutsche und weltpolitische Lage. Ein Mix aus Kabarett und Komik sollte es werden, ein Ausbrechen aus konventionellen Schubladen, auch was das Aufbereiten und Präsentieren von Komik betrifft. Tatsächlich war es ein Mix, allerdings kam in diesem Wirrwarr zwischen „Mein Regisseur meint ich sollte …“, den Plattituden über seine „Merkel-Allergie“ – die Politikerin, die offenbar tatsächlich, wie ausgeführt, keinerlei Witztauglichkeit aufweist – und einer Prise Erdogan und Trump nur wenig mehr als oberflächliche Erheiterung raus.

Für einen Comedian kann diese Mischung aus altbewährten Zoten, gängigen Gags und vieldeutigen Andeutungen durchaus genügen – und gelacht wurde im vollbesetzten Celler Unterhaltungslokal tatsächlich sehr viel. Von einem ernsthaften Ausflug in politisches Kabarett dürfte man mehr erwarten. Dagegen ist man als Akteur auch nicht immun, wenn man die Zuhörer schon auf weniger vorgewarnt hat. Dieser Anspruch bleibt und er hat nichts mit germanischer Ordnungsliebe und spießigem Bürgertum à la „Montag Hausmüll, Donnerstag Papiermüll, Sonntag Tatort. So ist die Welt in Ordnung. Der Mensch braucht ein Etikett, auf dem drauf steht, was drin ist …“ zu tun. Flach bleibt flach.

Humoristisch durchzog das Thema „Gesunde Ernährung“ immer wieder Zawischas Programm – ein bisschen im Spannungsbogen vom ehemaligen Ost und West, zum Beispiel:„Snickers oder trocken Brot in den Schulranzen der Grundschüler“. Von den beschwerlichen Pinkelpausen, die das „gesundheitsfördernde drei Liter Wasser trinken“ mit sich brächten, dem modetrendigen heilsbringenden Lebensmittelwahn zwischen Apfelessig und Manuka-Honig, dem Genuss von Alkohol im Zusammenhang mit Herzanfällen … auch hier eine bunte Mischung aus der Schüssel mit Sprung. Sogar das ein oder andere Lied zur Gitarre konnte der Mann auf der Bühne beisteuern. Und letztendlich zählt nur das Gesamtpaket und das schien den Zuschauern gut gefallen zu haben.

Doris Hennies Autor: Doris Hennies, am 07.01.2018 um 17:44 Uhr
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