Familie aus Bergen kämpft um Verbleib von Känguru Viggo

Noch lebt Viggo allein bei der Familie in Bergen. Damit das Känguru bleiben kann, soll ein weiteres Tier dazukommen. Gemeinsam sollen sie dann in einem größeren Gehege auf einem größeren Grundstück leben - wie es der Landkreis fordert. Foto: Michael Schäfer

Diesmal gab es an Heiligabend ausnahmsweise einen kleinen Weihnachtsbaum aus Plastik. „Wir wollten verhindern, dass Viggo wieder die Zweige anknabbert und sich an dem Stamm der Tanne schubbert“, sagen Benjamin Müller und Sandra Arndt mit einem Lächeln. Für das Paar und ihre beiden Kinder könnte es das letzte Weihnachtsfest mit dem Känguru in dem Reihenhaus in Bergen gewesen sein. Sie suchen nach einem neuen Haus mit einem großen Grundstück und wollen bis zum Sommer ein weiteres Känguru bei sich aufnehmen – damit Viggo auch in Zukunft bei ihnen bleiben kann.

BERGEN. Für das rund zweieinhalb Jahre alte Rotnackenwallaby war es auch ohne klassischen Tannenbaum ein schönes Weihnachtsfest. „Wir haben ihm die von Experten empfohlenen Kekse und Kräutertöpfe geschenkt“, sagen Müller und Arndt. „Die hat er gleich verputzt“, ergänzt Robin, der siebenjährige Sohn des Paares. „So schnell konnten wir gar nicht gucken.“

Bald soll es für Viggo eine größere Überraschung geben – im wahrsten Wortsinn. „Wir gucken uns intensiv nach freistehenden Häusern mit deutlich größeren Grundstücken um“, sagen Müller und Arndt. Den ersten Besichtigungstermin gab es bereits, das Grundstück in der Nähe der Sportanlage am Heisterkamp hatte eine Fläche von rund 600 Quadratmetern. „Wenn wir etwas finden, das passt, wollen wir so schnell wie möglich umziehen.“ Die Gehegefläche im Garten ihres Reihenhauses beträgt aktuell nur rund 150 Quadratmeter. Damit sich das Tier ausreichend bewegen kann, fordert der Landkreis mindestens 200 Quadratmeter. „Wir wollen die Forderungen erfüllen“, versichern Müller und Arndt.

Damit das exotische Haustier weiter bei der Familie bleiben kann, verlangt die Behörde außerdem die Vergesellschaftung des Kängurus mit mindestens einem weiteren Tier. „Wenn wir das mit dem Haus und dem Grundstück geklärt haben, wollen wir bis zum Sommer ein weiteres Känguru bei uns aufnehmen“, sagen die Halter. Kontakt gebe es bereits zu einem Züchter aus der Nähe von Venlo in Holland. Es soll ein junges männliches Tier sein. „Wir wollen umsetzen, was der Landkreis von uns fordert.“ Dazu gehört nach Auskunft der Behörde als dritter großer Punkt auch der Nachweis eines Sachkundeausweises über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zur artgerechten Haltung eines Kängurus.

Die Familie hatte das Känguru aus einem Tierpark bei Karlsruhe im August 2015 bei sich aufgenommen und mit der Flasche großgezogen, nachdem dessen Mutter kurz nach der Geburt gestorben war – und Viggo so vor dem Tod gerettet. Für die Familie drängt die Zeit. Bereits am 24. Oktober hatte der Landkreis eine Verfügung erlassen, wonach bis zum 31. Januar ein verbindliches und nachprüfbares Konzept vorgelegt werden muss. „In dem Konzept muss dargelegt werden, wie die Haltungsbedingungen den gesetzlichen Vorgaben angepasst werden sollen. Dabei geht es sowohl um das Gehege als auch die von Experten empfohlene und vorgeschriebene Vergesellschaftung des Tieres“, betont Landkreissprecher Tore Harmening. „Außerdem müssen die Halter einen Sachkundenachweis für die Haltung von solchen Wildtieren vorlegen.“

Sollte die Familie das detaillierte Konzept bis zum 31. Januar vorlegen, hätte sie zur Umsetzung der geforderten Maßnahmen noch Zeit bis zum 31. Mai. Das teilte Landrat Klaus Wiswe der Familie in einem persönlichen Schreiben mit, in dem er ausführlich auf die geltende Rechtslage verwies. Sollte das Konzept bis zum Stichtag allerdings nicht vorliegen, behält sich der Landkreis als zuständige Durchsetzungsbehörde weitere Schritte vor.

Christoph Zimmer Autor: Christoph Zimmer, am 12.01.2018 um 16:51 Uhr
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