Jugendtreff in Winsen zieht an neuen Standort

Foto: Lothar H. Bluhm

Zu kramen, zu sortieren und hin und her zu räumen gibt es nach einem Umzug noch immer viel. Das weiß jeder, der schon mal umgezogen ist.

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Das ist auch bei einem Jugendzentrum nicht anders, selbst wenn der Umzug nur ein paar Meter lang ist, denn aus dem Containerensemble hinter der Sporthalle in Winsen in das alte Schulgebäude von 1911 ist es nicht weit.

Und das sieht auch Filip Zivic so, wenn er Materialien woanders unterbringt. „Der schwere Billardtisch musste mit vier Leuten transportiert werden“, erzählt Jugendpfleger Wolfgang Jennert über das schwerste Möbel, das jetzt in dem neuen Kinder- und Jugendtreff Platz findet. „In diesem Klassenraum arbeiteten bis zum Sommer noch Schüler und Lehrer zusammen.“

Wie in dem Gebäude ohnehin immer Schule stattfand. Bis zum Ende des letzten Schuljahres wurde der komplette Hauptschulzweig der
Winser Schule im Allertal unterich-
tet.

Vor über einhundert Jahren, 1908, wurde beschlossen, eine neue Schule zu bauen. Architekt Otto Haesler schrieb am 15. April 1908 an den Herrn Königlichen Landrat in Celle zu Plänen und Kostenanschlägen für Schulhausneubauten in Winsen und Bannetze.

Wie die beiden ehemaligen Winser Schulleiter Heinrich Mangels und Roland Winkel anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Schule 2011 für die Winser Geschichtsblätter zusammenstellten, begann der Bau Anfang 1910. Richtfest war im September 1910, die Einweihung am 14. Dezember 1911. „Die Anfertigung eines Bauplanes für ein achtklassiges Schulgebäude mit drei Wohnungen mit Zentralheizung, Wasserleitung und Badeinrichtung wurde dem Architekten Haesler in Celle übertragen, der nach Genehmigung der Zeichnung auch die Bauleitung erhielt“, zitieren die Autoren aus der damaligen Schulchronik.

Noch heute erkennt der bisherige Schulhausmeister Hans-Joachim Kluge an dem Gebäude die eindeutige Handschrift des Architekten Otto Haesler im Treppenhaus, denn hier sind die Natursteinstufen frei tragend am Geländer befestigt. Im Treppenhaus des Nebeneingangs, heute „Blaues Treppenhaus“, durch das die Wohnungen zu erreichen waren, sind die kleinen Toiletten und Nasszellen auf „halber Treppe“ untergebracht.Die Wohnungen für Schulleiter, Lehrkraft und Hausmeister befanden sich übereinander. Ganz unter dem Dach waren zwei Zimmer mit Küche und Bad für den Hausmeister abgeteilt.

Und unter der Dachrinne ist Richtung Schulhof schon damals der Sinnspruch angebracht worden, der in der Vergangenheit für etliche Schülergenerationen galt – und jetzt auch für einen Kinder- und Jugendtreff Gültigkeit hat: „Was Du in der Jugend lernst, ist im Alter Deine Ernt“.

Jennert deutet indes auf die Räume im linken Teil im Hochparterre. „Willkommen“ steht hier in vielen Sprachen an der gläsernen Flügeltür, durch die man in die neue „Heimat“ für Winser Kinder und Jugendliche gelangt. „Das gesamte Haus soll eine neue Nutzung als Haus der Vereine bekommen“, sagt Jennert, der im kommenden Sommer in den vorgezogenen Ruhestand gehen will. Seit 1991 ist er in Winsen Jugendpfleger.

1994 konnte in Südwinsen auf einer alten Hofstelle das großzügige Jugendzentrum eingerichtet werden, das, wie Jennert sagt, schon damals als multifunktionales Gebäude weitschauend konzipiert wurde. Etliche Räume, Außengelände und Scheune standen der Jugendpflege zur Verfügung. Bis 2013: „Da wurden wir aus dem Paradies vertrieben“, stellt Jennert rückblickend fest. „Die Containerlösung hinter der Hauptschule sollte eigentlich nur für zwei Jahre sein – draus geworden sind vier.“

Jetzt ist aber in dem Haesler-Gebäude Platz für die rund 100 Kinder und Jugendlichen vorhanden: „Zumindest können wir jetzt wieder Angebote parallel fahren“, ist Jennert zuversichtlich, dass die Jugendarbeit im neuen Jahr wieder Fahrt aufnehmen wird.

Dafür sorgen neben dem Diplom-Religionspädagogen Wolfgang Jennert auch die Erzieherin Laureen Wohlers, Emily Prajs, die eine Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin absolviert, und etwa zehn Honorarkräfte und etliche Ehrenamtliche.

Das begann schon vor dem Umzug mit dem Gestalten der Räume. So sind in dem ehemaligen Klassenzimmer, dem früheren Sekretariat, dem ehemaligen Büro des Schulleiters, des Lehrerzimmers und der Bibliothek insgesamt zwölf Figuren nach der Art des 1990 verstorbenen amerikanischen Künstlers Keith Haring an die Wände gemalt worden. Das größte Wandgemälde von Haring in Europa, Tuttomondo, zeigt auf <180>

„Beim Umzug haben um die 15 Jugendlichen kräftig mit angepackt und Möbel und Material geschleppt“, zieht Jennert eine positive Bilanz. „Das war ganz Klasse!“ Und es hat ja auch Spaß gemacht, finden André, Samir, Emily, Nick, Rabea und die anderen.

Jetzt haben die Fußballer, die Mädchengruppe, die Kinderaktionen, die Kochgruppe und der offene Treffbereich wieder eine Heimat gefunden. Und: Die Ferienpassaktionen laufen in den Osterferien wieder an.

Bis dahin wird noch so mancher Karton bewegt werden, bevor die Inhalte ihre richtigen und zweckmäßigen Plätze gefunden haben. Aber schon jetzt basteln die Kinder in ihrer Gruppe kleine Überraschungen und allerlei Nützliches.

Bis zum Beginn der Abbrucharbeiten des neueren Gebäudetraktes und der Sporthalle und dem Neubau für einen Discounter können die Kinder und Jugendlichen auch den Schulhof nutzen. Danach wird es wieder enger für den Treff in Winsen.

Lothar H. Bluhm Autor: Lothar H. Bluhm, am 18.01.2018 um 12:20 Uhr
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