Großes Interesse an Celler Ausstellung mit Werken von RWLE Möller

Sprengt mit seiner Kunst den Rahmen des Lokalen: Bei der Eröffnung der RWLE-Möller-Ausstellung im Celler Bomann-Museum fanden sich hunderte Besucher ein. Foto: Oliver Knoblich (3)

Ein Hauch der 60er und 70er Jahre weht am Samstagnachmittag durch das Bomann-Museum. Die bunt gemischte Gäste-Gesellschaft sprengt das Fassungsvermögen der Ehrenhalle, einige der 360 Interessierten finden keinen Einlass, ein paar sitzen auf dem Boden, andere stehen am Rand. Dem Star der Veranstaltung, der lässig mit der Zigarette in der Hand von der Leinwand aus in die riesige Menge schaut, dürfte dieses Ungeordnete wohl gefallen haben.

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CELLE. Unter den Zuschauern sind sehr viele, die RWLE Möller persönlich kannten. Aber selbst wer dem Künstler und Chronisten nie begegnet ist, ihn in erster Linie aus seinem gemeinsam mit Bernd Polster herausgegebenen Stadtbuch kennt, weiß: Dieser Mann, der heute im Mittelpunkt dieser Vernissage steht, war unangepasst, querdenkerisch, mutig, sehr begabt und enorm kreativ.

Mit nur 48 Jahren verstarb er 2001, 65 Jahre wäre er in diesem Jahr geworden; das Bomann-Museum und die RWLE-Möller-Stiftung nahmen dies zum Anlass für die von Jasmin-Bianca Hartmann hervorragend kuratierte große Werkschau „RWLE Möller – Künstler 1952–2001“. Auch der erste Redner der Eröffnungsfeier, Museumsdirektor Jochen Meiners, hat ihn nicht erlebt: „Ich habe schnell gemerkt, der war nicht unumstritten – aus zwei Gründen: Er war links in dieser konservativen Stadt, und er hat seine Homosexualität offen gezeigt, und das führte zu Konflikten.“

Für Möller persönlich war es schmerzlich, dass die Berliner Filmhochschule ihn ablehnte, er zurückkehrte in den Heimatort – für die Stadt erwies es sich als Glücksfall. Er blieb zeitlebens Autodidakt, beäugte die Welt hinter den Fachwerkfassaden mit kritischem und gleichzeitig liebevollem Blick, fing Veränderungen künstlerisch ein und brachte durch seinen Ideenreichtum und sein Engagement selbst Neues in Gang. Nie war er provinziell, er sprengte den Rahmen des Lokalen, holte gewissermaßen die Großstadt in die Kleinstadt, entpuppte sich als Künstler und Chronist mit innerem Weitblick. Er verlieh der Stadt eine neue, eigene Facette. „Wer Celle sagt, muss auch Möller sagen“, hieß es bei einer Ausstellung 1993 in Hannover.

„Die Anerkennung, die ihm heute zuteilwird, hat ihm damals ein bisschen gefehlt“, erinnert sich Carsten Maehnert an Möller, während er eines der insgesamt 93 Bilder betrachtet. Die Stilrichtung des Fotorealismus passte zum Arno-Schmidt-Verehrer, er machte das Alltägliche zum Gegenstand seiner Kunst.

Und wie hätte der Unkonventionelle die Würdigung in einem Museum gefunden? Einer der einstigen Weggefährten, der auch einen Beitrag für den exzellenten Katalog geschrieben hat, der Historiker Reinhard Rohde, muss nicht lange überlegen: „Mit 30 schrecklich. Wäre er 65 geworden, hätte es ihm geschmeichelt, da bin ich sicher.“

Anke Schlicht Autor: Anke Schlicht, am 21.01.2018 um 22:23 Uhr
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