Celler Jäger darf vom Wolf gerissene Schnucke nicht erlösen

Kreisjägermeister Hans Knoop (kleines Bild) durfte eine gerissene Heidschnucke nicht erlösen. Er fordert eine neue Regelung, die dem Tierschutz gerecht wird. Foto: Anne Friesenborg

Stundenlang musste Schäfer Matthias Müller aus Bargfeld vor einer guten Woche dabei zusehen, wie eine seiner Heidschnucken mit dem Tod rang. "Das war eine unerträgliche Situation", sagt er. Dem Tier war in der Nacht von einem Wolf das Gesäuge herausgerissen worden, die Keule war halb weggefressen. Drei weitere Tiere starben bei dem Riss, eine Schnucke verendete am nächsten Tag.

Vor Ort war auch Kreisjägermeister Hans Knoop, der von Müller um Hilfe gebeten worden war. "Man steht da mit fünf erwachsenen Leuten drum herum und muss zugucken, wie das Tier leidet", sagt der Jäger. "Das ist mit dem Tierschutz nicht vereinbar."

CELLE. Seine Forderung ist eindeutig: "Wenn Menschen vor Ort sind, die das Tier erlösen können, müssen sie das auch dürfen", sagt Knoop.

Das sieht auch Jäger Harald Dening aus Müden so. "Wenn ein Jäger, der ausgebildet ist und sich mit dem Töten von Tieren auskennt, in so einer Situation nicht tätig wird, gehört er wegen Verletzung des Tierschutzgesetzes angezeigt, aber nicht andersrum", sagt er. Der Jäger hatte im Mai 2016 nach einem Wolfsriss drei Schafe erlöst und daraufhin Besuch von der Polizei bekommen. Erst nach fast einem Jahr wurde das Verfahren nach Einschaltung eines Fachanwaltes und Rücksprache mit der Unteren Jagdbehörde eingestellt.

"Wenn ich auf ein schwer verletztes Reh treffe, bin ich sogar im fremden Revier verpflichtet, es zu erlösen", sagt Knoop. "Bei einem Schaf ist es aber genau umgekehrt – das kann doch keiner mehr verstehen."

Tore Harmening, Sprecher des Landkreises Celle, sagt, dass ein Kugelschuss auf den Kopf des Schafes, so dass das Tier sofort betäubt und getötet wird, grundsätzlich zulässig sei, jedoch nur unter Beachtung der waffenrechtlichen Erfordernissen wie Waffenschein, Waffenbesitzkarte und einer speziellen Schießerlaubnis.

Diese Schießerlaubnis ist für Knoop ein Knackpunkt. "Die Risse passieren dann, wenn keine Behörde arbeitet", sagt der Kreisjägermeister. "Die Regelung passt nicht zu der heutigen Situation beim Umgang mit dem Wolf."

Laut Harmening darf allerdings "auch ein ausreichend sachkundiger Tierhalter selbst die Nottötung vornehmen". Müller, der von klein auf immer mit Schafen gelebt hat und seit Ende der 1980er Jahre hauptberuflich als Schäfer arbeitet, besitzt nach Auffassung des Landkreises allerdings nicht über genügend Sachkunde. Bei einem Riss im Jahr 2016 hatte der Schäfer eines seiner verletzten Tiere eigenständig erlöst. Es folgte ein schriftliches Verbot durch das Veterinäramt Celle und die Androhung von Bußgeld. 34 Euro musste Müller für den Bescheid berappen.

Da Müller beim letzten Riss seinen Tierarzt nicht erreicht hatte und Jäger Knoop nicht handeln durfte, hatte Müller schon die Polizei gerufen. Laut Harmening dürfen die Beamten "eine Nottötung durchführen, wenn Gefahr im Verzug ist". Letztendlich kam aber doch noch eine Tierärztin, die die Heidschnucke nach Stunden der Qual erlöste.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 22.01.2018 um 17:24 Uhr
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