Kästners "Drei Männer im Schnee" feiert Premiere im Celler Schlosstheater

Drei Männer, gespielt von Johann Schibli, Jürgen Kaczmarek und Niklas Hugendick (von links), wollen Sein und Schein der Welt ergründen. Unter Vortäuschung falscher Tatsachen heben sich Grenzen auf, der Arbeitslose wird vermeintlich zum Millionär und der Millionär zum Habenichts. Erich Kästners (kleines Foto) Stück von 1934 hat nichts an Aktualität verloren. Foto: Schlosstheater Celle

Eine Skifahrt, die ist lustig … vor allem, wenn sie amüsanter Teil einer Komödie ist, die mit großem Erfolg am Wochenende im Celler Schlosstheater Premiere hatte. Die Vorlage von Erich Kästners Stück „Drei Männer im Schnee“ ließ Vergnügliches erwarten – und das Publikum wurde nicht enttäuscht.

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CELLE. Andreas Döring als Regisseur und Dramaturg Ralph Blase haben das Lustspiel mit vielen kleinen Pointen, Zwischenspielen und Andeutungen zu einer rundum spaßmachenden Inszenierung gemacht. Im Vergleich zur bekannten Nachkriegsverfilmung hat man den Stoff (wieder) behutsam entstaubt, so dass er ohne allzu Süßlich-Schnulziges die Leichtigkeit behielt.

Mit nur wenigen Requisiten und offenen Umbauten ist Beatrice von Bomhard ein tatsächlich wunderbares Bühnenbildkonzept gelungen – wobei wesentliche Attribute zur Schaffung einer stimmigen Szenerie nie fehlten, vom Sessellift in luftiger Höhe bis zum Schneemann „Kasimir“ samt Schneegestöber. Trefflich angedacht war das mehr als großkarierte Wandmuster, dort wo die „Großkopferten“ zu Hause sind. Genial die so wandelbare Stellage – nur ein paar Latten zu Rahmen zusammengefügt, die mal Drehtür, mal Lift oder Automobil hergaben. Die kluge Beleuchtung tat ein Übriges. Die klaren Strukturen der Räumlichkeiten gaben umso mehr Platz für die spielverliebten Details und zogen den Fokus immer wieder auf das Agieren der Schauspieler.

Die schienen ganz in ihrem Element, den Spaß am Spielen in mehreren Dimensionen hat man auch als Zuschauer gespürt. Begonnen wurde mit einem Prolog – das Gespräch dreier Männer im Regen – ein subtiler Hinweis auf die zunehmenden Einschränkungen von Meinungsfreiheit, wie sie Kästner erfahren musste. Und schon ist man in der Geschichte: Drei Männer (jede der Rollen sehr passend besetzt) – zwei davon inkognito, die Sein und Schein der Welt ergründen wollen – der Dritte ein harmlos naiver Träumer. Da sind Irrungen und Wirrungen vorprogrammiert. Die typische Verwechslungskomödie nimmt Fahrt auf, als die Tochter dem Luxushoteldirektor einen heimlichen Hinweis gibt – leider nicht eindeutig genug.

Vieles wird zum Spiel im Spiel, verlässt den angestammten Platz. Unter Vortäuschung falscher Tatsachen heben sich Grenzen auf – der Diener wird zum Gleichgestellten, der Großindustrielle gleichzeitig zum Habenichts und der Arbeitslose zum vermeintlichen Millionär. Selbst all die Frauen im Stück spielen ihre Rolle. Keiner ist das, was er ist, dort wo er es ist. Was bleibt, ist der Blick auf den Menschen selbst – drei Männer, die sich sympathisch sind und ohne Hindernis Freunde werden.

Moral ohne Zeigefinger, die Kästner mit seinen Stücken verwob und die das Celler Ensemble zwischen all dem lustigen Klamauk sehr gut herausgespielt hat. Die Empörung über die unversöhnlich bornierte Haltung des Hotelmanagements ist artikuliert. Das Happy End samt Liebe naht. Kann man Dünkel wirklich ablegen, und wie belastbar ist Freundschaft? Der Schluss kam gerafft und etwas zu kurz, da hätten ein paar Minuten mehr Drama und Versöhnung ein gutes Stück am Ende noch besser abgerundet.

Doris Hennies Autor: Doris Hennies, am 28.01.2018 um 22:32 Uhr
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