Manfred Rubisch aus Celle: „Einmal Malteser – immer Malteser“

Manfred Rubisch hat in seinem Wohnzimmer in der Celler Lüder-Wose-Straßediverse Erinnerungsstücke aus seinen 50 Jahren bei den Maltesern. 1972 absolviert Rubisch die Gruppenführerausbildung in Osnabrück(kleines Foto links). 1973 bekommt er die bronzene Ehrennadel verliehen. Foto: Oliver Knoblich

Bronze, Silber oder Gold: Manfred Rubisch hat sie alle. „Schauen Sie mal,“ sagt er und öffnet behutsam die kleine Schatulle, die seine Auszeichnung für 50-jähriges ehrenamtliches Engagement im Malteser Hilfsdienst beherbergt. Er deutet auf die fein gearbeitete Anstecknadel, die neben der goldenen Verdienstmedaille auf dem weißen Polster liegt. „Die ist gerade ganz neu aufgelegt worden – ich glaube, ich bin der Erste in der Bundesrepublik, der sie in dieser Ausführung erhält.“

BILDER »
Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie

CELLE. Das, was man bei den Maltesern an Auszeichnungen bekommen könne, habe er gekriegt, erzählt Rubisch. Von seinem fast lebenslangen Engagement im Dienst der katholischen Hilfsorganisation will der 67-Jährige aber am liebsten gar kein großes Aufheben machen. „Einmal Malteser, immer Malteser“, sagt er knapp. Und dann: „Ich bin kein Mensch, der zu Schnellschüssen neigt. Wenn ich einmal Ja zu etwas sage, dann bleibe ich auch dabei.“

Als 17-Jähriger ist der gebürtige Celler dem Malteser Hilfsdienst beigetreten. „Ich hatte dort den Erste-Hilfe-Kurs für meinen Führerschein gemacht“, erinnert er sich. „Das hat mir gut gefallen, außerdem kannte ich ein paar Leute – also bin ich da hängengeblieben.“ Zu der Zeit steckten die Malteser in Deutschland quasi noch in den Kinderschuhen: Erst 1953 durch den Malteserorden und den Deutschen Caritasverband gegründet, war damals zunächst die Ausbildung von Schwesternhelferinnen Hauptaufgabe des christlich geprägten Hilfsdienstes.

Auch Manfred Rubisch fühlt sich vom christlichen Gedanken getragen: „Ich bin nicht nur ein Taufschein-Katholik“, erklärt er, „ich gehe regelmäßig zur Kirche.“ Er habe auch seine Kinder so erzogen, fügt er hinzu – und muss dann doch schmunzeln. „Was sie jetzt machen, wo sie erwachsen sind, bleibt natürlich ihnen selbst überlassen.“

Der 67-Jährige hat den Ortsverband der Malteser in Celle mit aufgebaut, war lange Jahre selbst Ortsbeauftragter und damit sein Leiter. 1970 habe man gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz und der Johanniter-Unfall-Hilfe eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, um die Soforthilfe am Unfallort im Landkreis Celle zu verbessern. „Ich selbst bin 1972 nach Bad Godesberg zum Ausbilderlehrgang geschickt worden“, berichtet Rubisch und zückt sogleich seinen Ausbilderausweis, der in Griffweite auf dem Wohnzimmertisch gelegen hat. „Ich hab fast 42 Jahre als Ausbilder gearbeitet – nicht nur in Celle, sondern zum Beispiel auch in Walsrode oder Wolfenbüttel.“

Ausbilder in Sachen Erste Hilfe, Leiter des Bevölkerungsschutzes – in seinen Jahren bei den Maltesern hat der Celler viel erlebt. „Eines meiner persönlichen Highlights ist 1979 passiert“, verrät Rubisch. In dem Jahr nämlich drehte das ZDF auf dem Trüller-Gelände den Fernseh-Dreiteiler „Ein Kapitel für sich“ – das Gebäude der ehemaligen Keksfabrik sollte als Kulisse für das Bautzener Zuchthaus dienen – und dem Celler Ortsverein des katholischen Hilfsdienstes war die Aufgabe zugefallen, den Sanitätsdienst für die rund 300 Komparsen zu übernehmen.

„Das war vielleicht was“, erinnert sich Rubisch. „Ursprünglich hatte es seitens des ZDFs geheißen, die Dreharbeiten sollten nur vier Wochen dauern. Daraus wurden dann vier Monate – eine richtige Mammutaufgabe, wir mussten alle Urlaub dafür nehmen.“ Komplett „durchgeknallt“ seien viele der Statisten gewesen, meint er kopfschüttelnd. „Einer ist sogar betrunken vom Dach gesprungen.“ Am Ende sei aber ein gebrauchter Krankenwagen dabei herausgesprungen, sagt Rubisch und lacht. „Wenigstens etwas.“

Zwei Papstbesuche – den Besuch von Johannes Paul II. in Osnabrück (1980) und Paderborn (1996) – durfte Rubisch als Begleiter eines Malteser-Behindertentransports miterleben. „Wir haben zwei ältere Damen betreuen können, die unbedingt den Papst sehen wollten“, freut er sich noch heute, „eine ganz, ganz tolle Sache.“

Neben seinem Engagement bei den Maltesern hat Rubisch die Arbeit mit Jugendlichen schon immer besonders am Herzen gelegen. „Die Jugendarbeit war jahrzehntelang mein Steckenpferd“, erzählt der 67-Jährige, der Ende der Siebziger eine Zeit lang Vorsitzender des Stadtjugendringes gewesen ist. Rubisch hat auch die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg in Celle wieder aufleben lassen. „Aus den Kreisen der Pfadfinder haben wir früher viel Nachwuchs für die Malteser rekrutiert“, erinnert er sich. Heute sei es vor allem der Schulsanitätsdienst, der für Zuwachs in den Reihen des katholischen Hilfsdienstes sorge. „Es ist wahnsinnig toll zu sehen, mit viel Begeisterung die jungen Leute dabei sind“, sagt er.

Dass es in der heutigen Zeit dennoch immer schwieriger wird, Menschen zu motivieren, sich regelrecht in ein Ehrenamt hineinzuknien, beobachtet auch Rubisch schon länger. „Viele sagen immer ‚Ja, Ja, mach ich‘ – aber letztendlich macht keiner was“, bedauert er.

Der gebürtige Celler geht bei den Maltesern inzwischen zwar nicht mehr so viele Dienste aktiv an wie früher, lässt es sich aber dennoch nicht nehmen, vor allem bei der Flüchtlingshilfe im caritasPoint Vorwerk tatkräftig mit anzupacken. Gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen sammelt der gelernte Zweiradmechaniker dort gebrauchte Fahrräder, macht sie verkehrssicher und gibt diese dann kostenlos an Geflüchtete weiter. „Wir bringen den Leuten auch bei, wie sie ihr Rad selbst reparieren können“, erklärt er. „Hilfe zur Selbsthilfe, sozusagen.“

Die Geflüchteten waren es auch, die eigens für Manfred Rubischs 50-jähriges Jubiläum ein selbstleuchtendes rotes Wappen gebaut hatten, das jetzt, neben vielen anderen Erinnerungsstücken aus seiner Zeit bei den Maltesern, einen Ehrenplatz in seinem Wohnzimmer einnimmt. Doch wer jetzt denkt, im Leben des 67-Jährigen sei es immer und ausschließlich nur um die Malteser gegangen, der irrt: „In meiner Garage verbirgt sich das einzige Hobby, das ich mir nebenher gegönnt habe“, verrät Rubisch. Er lacht. „Da steht mein Motorrad, mit dem ich früher viel durch die Gegend gefahren bin. Heute bin ich zwar nicht mehr so viel damit unterwegs, aber zwei-, dreimal Jahr gehe ich mit Freunden auf Tour – dann geht’s richtig los.“

Christina Matthies Autor: Christina Matthies, am 30.01.2018 um 16:51 Uhr
Druckansicht

Info-Box

lebenslauf

1950 In Celle geboren 1957 bis 1966 Besuch der katholischen Volksschule in Celle 1966 bis 1969 Lehre als Zweiradmechaniker in Celle 1967 In den Malteser Hilfsdienst
eingetreten 1970 bis 1977 Monteur für Badewasseranlagen
bei Berkefeld Filter 1975 Hochzeit mit Ehefrau Maria 1975 bis 1985 Ortsbeauftragter der Malteser
in Celle 1976 bis 1979 Vorsitzender Stadtjugendring Celle 1977 bis 1989 Als Schlosser und Werkstattleiter
in der Erdölbranche tätig 1989 bis 2015 Für die JVA Celle tätig, zuletzt als Fahrdienstleiter 2017 Für 50 Jahre Ehrenamt bei den Maltesern geehrt

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Celler Autor genießt die künstlerische Freiheit

Schon als Kind trieb Tobias Premper Leistungssport, auch als Jugendlicher fiel er durch überragende Leistungen als Tennisspieler auf. Es zeichnete sich schließlich eine Zukunftsperspektive als Tennisprofi ab. Doch als ihm entsprechende Angebote vorlagen, beriet er sich mit seinen Eltern, entschied… ...mehr

Celle feiert Triathlon-Fest - Brenneckes Siegertaktik geht voll auf

Ein echtes Triathlon-Fest haben Athleten und Zuschauer am Sonntag beim 31. Celler-BKK-Mobil Oil-Triathlon gefeiert. Bei allerbesten Sommerwetter hätten die äußeren Bedingungen für Celles traditionelles Triathlonevent nicht besser sein können. Die große Faszination des Triathlonsports kam sowohl… ...mehr

Ein New Yorker futtert sich durch den Central Park

New York (dpa) - Steve Brill ist mal wieder auf Nahrungssuche, und heute ist er an einem Baumstumpf vor dem New Yorker Central Park fündig geworden. ...mehr

Französischer Starkoch Joël Robuchon gestorben

Paris (dpa) - Frankreich trauert um den international renommierten Spitzenkoch Joël Robuchon. Der Chef einer weltweiten Gastronomiegruppe starb am Montag im Alter von 73 Jahren in Genf, wie sein Pressebüro der Deutschen Presse-Agentur in Paris bestätigte. Erst im Januar war Frankreichs Gastronomiepapst… ...mehr

Heintz gewinnt EM-Silber - Hentke verpasst Medaille

Glasgow (dpa) - Lagenschwimmer Philip Heintz gab sich auch ohne den ersehnten ersten internationalen Langbahn-Titel zufrieden. ...mehr

Außenseiter hoffen auf Überraschung bei Celler Kreispokal-Quali

Neben drei Spielen in der Fußball-Kreisliga stehen auch fünf Spiele in der Qualifikationsrunde des Kreispokals auf dem Plan. Bis auf die ligainterne Begegnung der 1. Kreisklasse zwischen dem SV Eintracht Bleckmar und dem SV Hambühren, duellieren sich ausnahmslos Teams unterschiedlicher Spielklassen. ...mehr

Die deutschen Favoriten bei den European Championships

Berlin (dpa) - Große Namen von Olympiasiegern und Weltmeistern schmücken die deutschen Aufgebote für die sieben zeitgleich ablaufenden Europameisterschaften im Rahmen der European Championships vom 2. bis 12. August in Glasgow und Berlin. ...mehr

Celler Aidshilfe in Not

Da die Beratungsstelle "Infoline" umziehen musste, hat sich die Miete erhöht. Das bringt die Celler Aidshilfe finanziell in Bedrängnis. ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
21.08.2018

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

Mit Mumm gegen die Bayern: Konkurrenz will Paroli bieten

Düsseldorf (dpa) - Zumindest mit etwas mehr Mut gehen die Konkurrenten von Bayern München in der…   ...mehr

Hamilton mahnt: «Müssen stark in zweite Hälfte kommen»

Spa-Francorchamps (dpa) - Formel-1-Spitzenreiter Lewis Hamilton hat sein Mercedes-Team vor einem Fehlstart…   ...mehr

Trumps Ex-Anwalt Cohen geht Deal mit Staatsanwaltschaft ein

New York (dpa) - Der langjährige Anwalt von US-Präsident Donald Trump, Michael Cohen, hat sich laut…   ...mehr

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

Berlin/Washington (dpa) - Nach jahrelangen Bemühungen haben die USA einen 95-jährigen früheren SS-Mann…   ...mehr

SPD klaut CSU-Slogan «Söder macht's» im Internet

München (dpa) - Mit Häme hat die SPD auf das Versäumnis von Ministerpräsident Markus Söder und…   ...mehr

Babis beim Gedenken an Sowjeteinmarsch 1968 ausgepfiffen

Prag/Bratislava (dpa) - Mit Kranzniederlegungen und Reden ist in Tschechien und der Slowakei der Todesopfer…   ...mehr

Para-EM: Weitspringer Popow verabschiedet sich mit Silber

Berlin (dpa) - Heinrich Popow kam gar nicht mehr aus dem Händeschütteln heraus. Hier noch ein Selfie,…   ...mehr

Microsoft stoppt bevorstehende Hacker-Attacke auf US-Senat

Redmond/Moskau (dpa) - Hacker mit mutmaßlichen Verbindungen zum russischen Geheimdienst haben nach…   ...mehr

Maas skizziert neue Strategie für den Umgang mit den USA

Berlin (dpa) - Außenminister Heiko Maas hat Eckpunkte einer neuen USA-Strategie der Bundesregierung…   ...mehr

Fanszene beendet Dialog mit DFB und DFL

Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem Ende des Burgfriedens zwischen den Fans und den Dachorganisationen des…   ...mehr
SPOT(T) »

Gardofflsubbe

Nanu, was ist denn hier passiert? Keine Sorge, mit meiner Tastatur ist alles… ...mehr

Schlau

Sie kriegen einfach alles raus: Forscher. Zum Beispiel, dass am Herzen operierte… ...mehr

Ab in den Garten

In der Mittagspause nehme ich mir mal Zeit, um mir die Stadt anzusehen. "Bei… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG