Ausstellung in der Handwerksform Hannover zeigt „Papier-Kunst“

Foto: Fremdfotos/eingesandt

„Papier-Kunst“ heißt die neue Ausstellung in der Handwerksform Hannover. Und in der Tat führt der für das Haus typische Grenzgang zwischen angewandter und freier Kunst diesmal besonders häufig in die letztgenannte Richtung.

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HANNOVER. Was keineswegs bedeutet, dass die 31 hier vertretenen Positionen grundsätzlich unbenutzbar sind. Silke Janssens äußerst elegante Clutch-Handtaschen aus imprägniertem, teils handgeschöpftem Papier etwa sollen nicht nur einen erfreulichen Anblick bieten, und die schicken kleinen Papierhütchen der Niederländerin Lenie Voortmann sind durchaus zum Tragen gedacht.

Die Vasenobjekte ihrer Landsfrau Ria van Krieken hingegen sollte man besser nicht befüllen. Denn ganz abgesehen davon, dass das nepalesische Lokta-Papier aufweichen würde, sind die Gefäße mit seitlichen Schlitzen versehen, die von dem vernähten Pferdehaar nicht wirklich geschlossen werden. Die benachbarte Installation „Heimweh nach dem Meer“ wiederum bindet sogar Seealgen ein.

Der Phantasie sind also einmal mehr keine Grenzen gesetzt, und so manches Exponat kann nachhaltig beeindrucken. Zum Beispiel Anke Neumanns Objekt, das optische Lichtfasern in selbstgeschöpftes Papier einbindet und „Die Welle“ heißt, von der Form her aber ebenso an eine aufgerichtete Kobra erinnert. In wahrsten Sinne des Wortes erleuchtet sind auch Philine Görnandts wunderbar organisch anmutende Gebilde aus geleimtem und plastiziertem Pergamentpapier beziehungsweise Zellulose.

Wer es lieber etwas ruppiger hat, mag sich an den „Schmauchspur“-Objekten von Katrin Paul erfreuen, die das Papier mit Kerzenruß oder Brandspuren von Feuerwerkskörpern verziert. Im Gegensatz dazu fallen die kleinen 3-D-Collagen von Philipp Valenta höchst filigran aus: Grundlage bilden Blumenformen, die aus internationalen Banknoten geschnitten sind – die Palette der Herkunftsländer reicht von Rumänien über Sierra Leone bis Nicaragua. Ja, es handelt sich um Blüten; das Wortspiel dürfte bewusst impliziert sein.

Lyske Gais de Bildt hat aus Rembrandt-Darstellungen von Händen „und einer Löwenpfote“ ein goldveredeltes Armband gefertigt und die Entwicklung dieser sehr speziellen Arbeit dokumentiert. Das „Faszienkleid“ von Gabriele Kruk, das per Wischtechnik bearbeitetes Seidenpapier mit Hanffasern verbindet, sieht supertoll aus; dass es jemand überstreift, ist indes nur schwer vorstellbar. Eine meditative Wirkung landschaftlicher Natur entfalten Paula-Jiun Nos papierne Wandobjekte.

Besonders facettenreich präsentiert sich Anette C. Dißlin. Sie zeigt unter anderem Notizbücher, deren Bezug aus alten Taschenbucheinbänden besteht – und diese Cover waren früher oft noch richtig charmant – aber auch ein ganz besonderes „Memory“-Spiel: Hier gilt es, Buchstabenpaare zu bilden, deren Schrifttypen allerdings aus unterschiedlichen Epochen stammen.

Über das eine oder andere Exponat kann man streiten. Die Papiermaché-Büsten von Claudia Maiwald erinnern ein wenig an Oberstufen-Kunstunterricht, Astrid Jahns‘ kleine Postkarten-Collagen sind etwas gar zu deutlich dem großen Vorbild Max Ernst nachempfunden. Aber vermutlich werden auch diese Arbeiten Liebhaber finden. „Vielfalt“ heißt das Zauberwort, und die Schau, die bis zum 3. März läuft, zeigt sehr eindringlich, dass Papier ganz bestimmt kein eindimensionaler Werkstoff ist.

Jörg Worat Autor: Jörg Worat, am 01.02.2018 um 14:39 Uhr
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