Der Mythos lebt: Handball-Helden feiern 40 Jahre WM-Triumph

Heiner Brand blickt mit Vorfreude auf das 40-jährige Jubiläum des WM-Titels von 1978. Foto: Uwe Anspach Foto: Uwe Anspach

Frankfurt/Main (dpa) - Beim Gala-Diner im Seehotel Niedernberg wird der historische WM-Triumph der deutschen Handballer von 1978 wieder lebendig.

Zum 40-jährigen Jubiläum werden die Helden von einst am Montagabend in Erinnerungen schwelgen und noch einmal die Bilder vom 20:19-Endspielsieg gegen die UdSSR genießen. «Das Schöne an diesem Erfolg ist, dass er nachhallt. Wir treffen uns immer noch regelmäßig und haben Spaß miteinander», sagt Heiner Brand voller Vorfreude.

Ähnlich dem 4. Juli 1954, als Deutschland erstmals Fußball-Weltmeister wurde, ist der 5. Februar 1978 längst ein Mythos in der deutschen Sportgeschichte - nur eine Nummer kleiner. Der völlig unerwartete WM-Sieg, mit dem die seit 1961 anhaltende Dominanz der damaligen Ostblock-Nationen gebrochen wurde, lösten eine Welle der Begeisterung und einen Handball-Boom aus, die bis heute anhalten. «Wir sind alle arbeiten gegangen oder haben studiert, anders als die Spieler aus den osteuropäischen Ländern», sagt Kurt Klühspies. «Wir waren die Feierabend-Weltmeister.»

Auch bei den Spielern hat die erfolgreiche Zeit tiefe Spuren hinterlassen. «Wir haben uns damals menschlich gefunden, verstehen uns seither hervorragend. Das hat uns über Jahrzehnte geprägt. Diese Gemeinschaft hält bis heute», erzählt Klühspies. Ein Trio wurde jedoch aus dieser verschworenen Truppe herausgerissen: Erhard Wunderlich, Deutschlands «Handballer des Jahrhunderts», sowie die Torhüter Rudi Rauer und Rainer Niemeyer sind bereits verstorben.

Zu der zweitägigen Jubiläumsfeier, die Klühspies in und um Aschaffenburg organisiert hat, haben sich bis auf den geschäftlich verhinderten Arno Ehret alle noch lebenden Weltmeister angesagt. Auch Trainer Vlado Stenzel, mittlerweile 83 Jahre alt, und Joachim Deckarm, der sich seit einem Sportunfall vor 39 Jahren nur noch eingeschränkt bewegen kann, werden dabei sein. Selbst Claus Fey kommt extra aus seiner Wahl-Heimat USA.

Schon am Sonntagabend wird gefeiert. Dann gibt Klühspies zu seinem 66. Geburtstag einen aus. Dabei werden sicher die alten Geschichten aufgewärmt. Wie die von der wohl ungewöhnlichsten Taktik-Schulung, die Klühspies und Brand in der Nacht vor dem Finale gegen die Sowjetunion von DDR-Rechtsaußen Wolfgang Böhme bei ein paar Bier auf ihrem Hotelzimmer erhielten.

Oder die von Dieter «Jimmy» Waltke. Der Linksaußen hatte im gesamten Turnier nur als Ersatzmann auf der Tribüne gesessen und war erst zwei Tage vor dem Finale in den Kader gerutscht. Als ihn Stenzel Mitte der zweiten Halbzeit beim Stand von 13:12 einwechselte, verschaffte Waltke der DHB-Auswahl mit einem Hattrick innerhalb von gut vier Minuten das vorentscheidende Polster. «Mir war es scheißegal, meine Einstellung war: Wenn ich bei der WM reinkomme, dann will ich einmal aufs Tor geworfen haben», berichtet Waltke im Buch «Mythos '78».

Und dann natürlich das Happy End. «Weltmeister zu werden ist immer toll», sagt Brand, dem dieses Kunststück 2007 als Trainer noch einmal gelang. «Aber der Moment nach dem Abpfiff, als wir realisierten, dass wir die beste Mannschaft der Welt sind, der war unbezahlbar.»

Bei anderen dauerte es länger, bis sie das Ganze begreifen konnten. «Wir haben in der Kabine gesessen wie nach einem Schulausflug», erzählt Klühspies. Und Torwart Manfred Hofmann, im Endspiel der große Rückhalt, berichtet: «An markante Dinge aus dem Finale erinnere ich mich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich ein paar Minuten gebraucht habe um zu realisieren, was geschehen war.»

Eine große Jubelfeier, die heute bei sportlichen Triumphen dazu gehört, gab es damals nicht. Nach dem Abschluss-Bankett mit allen Teams ging es von Dänemark noch in der Nacht mit der Fähre nach Deutschland zurück. Dort wurden die Handball-Helden von einer Blaskapelle und rund 500 Fans empfangen, ehe sie ihre Heimreise mit dem Zug oder Bus fortsetzten. Als Siegprämie gab es übrigens für jeden Spieler 4000 Mark von der Stiftung Deutsche Sporthilfe und einen Fernseher vom DHB-Sponsor - verglichen mit heute nur Almosen.

Eric Dobias, dpa Autor: Eric Dobias, dpa, am 02.02.2018 um 12:49 Uhr
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