Streit um Celler Künstler Erich Klahn beigelegt

In ihrem Jubiläumsjahr (sie wird 200 Jahre alt) hat die Klosterkammer Hannover den jahrelangen Streit mit den Erben des ehemaligen Celler Künstlers Erich Klahn (1901 bis 1978) beigelegt. Die Klosterkammer will den Erben einen nicht näher bezifferten Betrag zahlen, damit der Nachlass von Klahn, den die Klosterkammer seit 1998 ausstellte und archivierte, an einem anderen geeigneten Ort eine neue Heimat finden kann.

CELLE. Die Erben des Celler Künstlers Erich Klahn (1901 bis 1978) und die Klosterkammer Hannover haben einen Vergleich geschlossen. Demnach gehen sie nach langer juristischer Auseinandersetzung getrennte Wege. Die beiden Parteien sind übereingekommen, die im Jahre 1998 gegründete Klahn-Stiftung mit Sitz im Kloster Mariensee aufzulösen und die Zusammenarbeit zu beenden.

Die Erben Klahns, sein Stiefsohn Johann Christian Bosse und seine Tochter Liese Klahn-Albrecht (eine Schwägerin des ehemaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht), haben auf die Erfüllung des Stiftungsvertrags verzichtet. Zum Ausgleich erhalten sie nun eine finanzielle Unterstützung, die gewährleisten soll, dass der Künsternachlass in eine neue Heimstätte umziehen kann. Noch bis Sommer 2019 wird der Klahn-Nachlass in den Räumen des Klosters Mariensee gelagert. Die Werke werden dort aber nicht ausgestellt, sind nicht öffentlich zugänglich. In einer gemeinsamen Presseerklärung begrüßen es Kammerdirektor Andreas Hesse und der kunstsachverständige Rechtsanwalt Peter Raue „dass nach fast vier Jahren Streit die Auseinandersetzungen endgültig beendet sind“.

Im Mai 2014 hatte der Allgemeine Hannoversche Klosterfonds (vertreten durch die Klosterkammer) den Stiftungsvertrag aus dem Jahr 1998 fristlos gekündigt. Die Erben wurden damals aufgefordert, die vereinbarungsgemäß im Kloster Mariensee ausgestellten und archivierten Kunstwerke und Kunstgegenstände umgehend zu entfernen. „Die Klosterkammer ist der von den Erben Erich Klahns bestrittenen Auffasssung, Erich Klahn habe nationalsozialistischem Gedankengut angehangen, sei NSDAP-Mitglied gewesen und habe das NS-Regime uneingeschränkt bejaht“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Das Landgericht Hannover, das Oberlandesgericht Celle und der Bundesgerichtshof waren der Meinung, dass die Kündigung unwirksam sei. Über die Vorwürfe gegen Klahn sagen diese Gerichtsurteile nichts aus. In ihrem Jubiläumsjahr (die Klosterkammer wird 200 Jahre alt) wurde nun dieser Vergleich geschlossen. „Man hat den Eindruck, dass die Klosterkammer ihre Jubiläumsfeierlichkeiten nicht mit dieser offenen Frage belasten wollte“, sagte ein Klahn-Experte gestern der CZ. Er möchte nicht, dass sein Name genannt wird. Er hält es aber für geboten, dass sich auch der Celler Kirchenkreis mit der Frage beschäftigt, wo und wie Klahns Werke künftig ausgestellt werden sollten. Neben dem Prinzenpalais und der Rathsmühle sollten auch kirchliche Räume in Erwägung gezogen werden, meint der Klahn-Experte. „Die Kirche hat Klahn viel zu verdanken. Er war zwar kein Michelangelo, aber seine Werke sind schon aller Ehren wert.“

Volkmar Latossek, Pastor an der Celler Stadtkirche, in der unter anderem ein Klahn-Altar steht, freute sich ebenfalls über das Ende des Streits: „Ich begrüße, dass der langjährige Rechtsstreit um die Würdigung des künstlerischen Erbes von Erich Klahn beendet ist. Nun richtet sich der Blick nach vorne. Viele Bilder und Teppiche Klahns sind bereits öffentlich zu sehen, nicht wenige in Kirchen. Es ist wünschenswert, dass darüber hinaus – zumindest einige besonders wichtige Werke – öffentlich gesehen werden können. Sicherlich werden nun Gespräche darüber beginnen, wo es geeignete Räumlichkeiten geben könnte. Ich bin gespannt, welche Möglichkeiten sich finden lassen.“

Meinung

Scheinheilig

Dass der lange Streit um das kulturelle Erbe des Celler Künstlers Erich Klahn endlich beigelegt wurde, ist absolut zu begrüßen. Dass die Klosterkammer hat untersuchen lassen, ob Klahns Werke nationalsozialistische, antisemitische oder rassistische Inhalte abbilden, war ebenfalls zu begrüßen. Dass bei all den historischen Untersuchungen absolut nichts zu Tage gefördert werden konnte, wirft kein gutes Licht auf die Klosterkammer. Es legt nämlich den Schluss nahe, dass es ihr gar nicht darum ging, dem Künstler Verfehlungen nachweisen zu können, sondern einzig und allein darum, sich von der Verpflichtung zu entbinden, die Werke Erich Klahns im Kloster Mariensee auszustellen und sein Werk erforschen zu lassen. Das ist in der Tat nicht Aufgabe einer Organisation wie der Klosterkammer. Das hätten die Verantwortlichen klar so benennen sollen. Sie haben aber stattdessen versucht, einen Künstler posthum zu diskreditieren. Das war scheinheilig und ist ihnen zum Glück nicht gelungen. Jetzt schauen Klahns Erben nach vorne. Die Stadt Celle wäre gut beraten, einem der bedeutendsten Söhne der Stadt einen Ort zur Verfügung zu stellen, an dem seine Werke ausgestellt werden.

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 02.02.2018 um 15:42 Uhr
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