Wolf auf der Straße? – "Bremsen, nicht ausweichen"

24 Wölfe sind in den vergangenen drei Jahren auf Niedersachsens Straßen ums Leben gekommen – vier davon im Landkreis Celle.  Foto: Tnn

Seit Anfang des Jahres sind bereits vier Wölfe auf Niedersachsens Straßen überfahren worden, in den vergangenen drei Jahren kamen zwischen Harz und Meer insgesamt 24 Wölfe bei Verkehrsunfällen ums Leben – davon vier im Landkreis Celle.

CELLE. Und auch Unfälle mit Rehen, Wildschweinen und Hirschen sind weiterhin keine Seltenheit. "Jeder vierte bis fünfte Unfall ist ein Wildunfall", sagt der Celler Polizeisprecher Guido Koch. Bei 876 der 3958 durch die Polizei aufgenommenen Unfälle im Landkreis Celle war im Jahr 2017 Wild beteiligt.

Kurz vor Weihnachten kollidiert ein Auto mit einem Tier auf der Bundesstraße 3 zwischen Wolthausen und Hassel, mutmaßlich war es ein Wolf, der verletzt in den Wald läuft. Kreisjägermeister Hans Knoop verfolgt später noch die Fährte im Schnee. "Nach etwa 700 Metern führte sie wieder mit den Fährten von zwei anderen Wölfen zusammen", berichtet Knoop. Er geht davon aus, dass es sich um den gleichen hinkenden Wolf handelt, der Anfang Januar von einer Wildkamera aufgenommen wurde. "Außerdem hat ein Jäger das Tier, das runtergekommen aussieht, gesehen", sagt Knoop. "Entweder der Wolf verendet oder er wird zum Problem."

Tipps bei Wildunfällen: "Bremsen, nicht ausweichen", antwortet Koch auf die Frage, wie sich Autofahrer verhalten sollen, wenn ihnen Wild vors Auto läuft. Dabei gebe es keinen Unterschied zwischen Wölfen und beispielsweise Rehen. "Ausweichen kann fatale Folgen haben", warnt Koch. Auch Knoop betont, dass man das Lenkrad nicht verreißen dürfe. "Ein erfahrener Autofahrer kann eine Kollision durch kontrolliertes, scharfes Bremsen meistens verhindern", sagt Knoop. Versicherer würden oft zum "Draufhalten" raten, aber es handele sich um ein Lebewesen. "Man sollte erwarten können, dass sich der Autofahrer genauso verhält, als wenn ein Mensch vors Auto läuft", sagt Knoop.

Wenn es dennoch zum Zusammenstoß mit dem Tier gekommen ist, muss der Autofahrer die Unfallstelle durch Einschalten der Warnblinkanlage und durch Aufstellen des Warndreiecks absichern. "Die Polizei muss dann informiert werden", sagt Koch. "Wir verständigen den zuständigen Jäger." Das gelte ausdrücklich auch dann, wenn das angefahrene Tier weiterläuft. "Das Tier soll nicht unnötig leiden", sagt Koch. Wichtig sei in diesem Fall eine präzise Ortsangabe und die Richtung, in welche das Tier gelaufen sei, ergänzt Knoop.

Jäger seien dann verpflichtet, das verletzte Tier zu erlösen. Beim Wolf ist allerdings das Gegenteil der Fall. "Der Jäger macht sich strafbar, wenn er hilft", sagt Knoop. Bei dem inzwischen abgemagerten Wolf, der vermutlich an der B3 angefahren wurde, könnte daraus ein Problem entstehen. "Da er sich nicht mehr selbst in der Natur ernähren kann, kann er zum Fressen in die Ortschaften kommen", sagt Knoop.

Aus seiner Sicht müsse sich die Gesetzgebung daher so ändern, dass solche Tiere "legal entnommen" werden dürften – aus "Gefahrensgründen und wegen des Tierschutzes". "Man muss jedem Tier gerecht werden und für die Sicherheit der Menschen sorgen", sagt Knoop. Dass beim Tierschutz solche Unterschiede gemacht würden, könnten viele nicht nachvollziehen.

"Wenn ein Wolf bei einem Unfall schwer verletzt am Straßenrand liegen bleibt, muss der Kreisveterinär kommen und entscheiden, ob das Tier erlöst wird", sagt Knoop. Im Kreis Hannover gebe es auch einen Anhänger, um verletzte Wölfe betäubt in eine Klinik zu fahren. "Der war aber noch nie im Einsatz", sagt Knoop. Schließlich seien das nur theoretische Ansätze. "Einem Wolf, der am Straßenrand liegen bleibt, dem kann man nicht mehr helfen – sonst würde er immer das Weite suchen", sagt Knoop.

Der Kreisjägermeister geht davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer von Wolfsunfällen gibt. "Ich weiß allein von vier aus dem Jahr 2017, die in keiner Statistik auftauchen", sagt der Kreisjägermeister.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 06.02.2018 um 20:49 Uhr
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229.000 Wildunfälle pro Jahr

Allein im vergangenen Jagdjahr – die Zeit vom 1. April 2016 bis zum 31. März 2017 – kollidierten rund 229.000 Rehe, Wildschweine und Hirsche mit einem Fahrzeug. Für seltene Arten wie Fischotter, Wildkatze oder Wolf ist der Straßenverkehr sogar eine der häufigsten Todesursachen. Die Dunkelziffer der Unfälle mit Säugetieren liegt nach Schätzungen des Deutschen Jägerverbandes (DJV) um ein Vielfaches höher. Der DJV bittet daher darum, alle Wildunfälle unter zu melden.

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