Winser Orgelkonzert mit Michael König begeistert

Dem Orgelspiel von Michael König konnten die Besucher in Winsen über eine eigens für das Konzert angebrachte Leinwand folgen. Foto: Oliver Knoblich

Da staunt man ein wenig: In Winsen gab es nicht nur ein Orgelkonzert mit einem ganz besonderen Programm, sondern dieses Konzert war sogar sehr gut besucht. Und das ohne einen internationalen Stargast oder einer sensationellen Orgel. Die kleine, aber durchaus klangschöne und variantenreiche Winser Orgel kann man aber mit der entsprechenden Registrierkunst und einer geschickten Programmzusammenstellung gut zum Klingen bringen. Und genau das geschah am vergangenen Dienstag, als der in Kopenhagen lebende Österreicher Michael König ein locker moderiertes Programm unter dem Motto „Heiter und so weiter“ spielte.

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WINSEN. Der Abend wurde vom ersten Ton an zu einem Hörvergnügen. Und zwar sowohl für den kundigen Hörer als auch für den nur gelegentlichen Konzertbesucher. Ein wesentlicher Grund dafür lag neben dem guten Musizieren darin, dass hier ein wirklich ganzheitliches Kunsterlebnis geboten wurde, denn der Organist konnte, wie selten bei Orgelkonzerten, bei seinem Spielen auch beobachtet werden. Dies wurde nämlich auf eine Großleinwand in den Altarraum übertragen. Und zwar in Großformat. So konnte das Publikum mal konkret live erleben, was ein Organist alles können muss. Man sah nicht nur die Finger über die Tasten laufen, sondern auch die teilweise wirbeligen Bewegungen der Beine und das immer wieder zusätzlich notwendige Bedienen der Registerzüge während des Spiels. Und dass das Ganze auch eine emotionale Sache ist, das wurde auch klar durch das körperliche Mitgehen des Spielers beim Musizieren. Erfreulicherweise hat König diese optische Seite nicht überstrapaziert, sondern hat nur unterstrichen, was man ohnehin hörte. Er hat nie versucht, dem Publikum etwas optisch vorzutäuschen, was gar nicht klanglich zu erleben war.

Konkret zum Programm muss vor allem bemerkt werden, dass König fast nur Raritäten aus dem südlichen deutschsprachigen Raum, aus Italien und Frankreich ausgewählt hat, die man gerade in nördlichen Gefilden nur selten bis nie hört. Die frühklassischen Klänge eines Franz Xaver Schnizer, aber auch das typisch italienische Spielwerk einer Giovanni Morandi, aber auch die eher retroklassischen Töne aus romantischer Zeit eines Vincenzo Petrali fanden in König einen annähern optimalen Interpreten.

Ihm waren diese manchmal ungewohnt weltlich wirkenden Klänge genauso eine Lust wie sie den Hörern Freude bereiteten. Ähnliches galt für die Stücke auf dem französischen Sprach- und Kulturraum der Romantik oder der Neoromantik des Kanadiers Bédard. Dessen Musik klang, ähnlich wie das Finale eines Stückes vom Organisten selbst, sehr stark nach Widor ohne dass das deshalb uninspiriert gewirkt hätte. So ganz nebenbei bewies König damit, dass man selbst an einem kleinen Instrument wie dem in Winsen, Stücke spielen kann, die für viel größere Orgeln geschrieben wurden. Ein ganz starker Eindruck. Hoffentlich kommt König bald wieder.

Reinald Hanke Autor: Reinald Hanke, am 07.02.2018 um 16:14 Uhr
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