Faßberger Kameraden erinnern an tödlich verunglückte Heideflieger

Foto: Carsten König

Es war an sich eine sternenklare Winternacht des Jahres 1998, als ein UH1D-Hubschrauber des Faßberger Verbandes bei einem Ausbildungsflug in einen plötzlich auftretenden, außergewöhnlich heftigen Schneeschauer flog. Die dreiköpfige Besatzung verlor dadurch schlagartig jegliche Orientierung für die Lage im Raum, ihr Hubschrauber geriet in den Sinkflug und schlug im dichten Hochwald des Oerreler Forstes auf. Dabei kamen die beiden Piloten, Hauptmann Carsten Leimkötter und Oberleutnant Franz Kubin, ums Leben. Der Bordmechaniker, Stabsfeldwebel Knut Türk, der sich schwer verletzt aus dem Wrack befreien konnte, starb 16 Monate später.

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FASSBERG. Das Transporthubschrauberregiment 10 hat nun im Oerreler Staatsforst mit einer bewegenden Gedenkfeier an den folgenschweren Nachtflug vor genau 20 Jahren erinnert. Neben den Soldaten waren über 70 Familienangehörige und ehemalige Weggefährten der Crew zur Absturzstelle, die nur etwa zwei Kilometer nördlich des Flugplatzzaunes liegt, gekommen. An dem dort kurz nach dem Unfalltag aufgestellten Gedenkstein erinnerten Pfarrer Peter Wieschollek und der Regimentskommandeur der Heideflieger, Oberst Christian Rüther, im Rahmen einer Andacht an die verstorbenen Soldaten.

Besonders tragisch: Der Name des Bordmechanikers Knut Türk musste im Jahr 1999 auf diesem Stein ergänzt werden, nachdem er sich in der Unglücksnacht noch aus dem Wrack hatte retten können. „Zehnfacher Vater überlebt weißes Chaos nach Hubschrauber-Absturz im Wald“ hatte die Cellesche Zeitung am 4. Februar 1998 noch getitelt. Am 18. Juni 1999 starb dann aber auch das dritte Besatzungsmitglied.

Das Unglück wurde in der CZ wie folgt beschrieben: „Von vier zu einem nächtlichen Nacht-Sicht-Ausbildungsflug (Routine-Übung ohne spezielle Nachtsichtgeräte) gestarteten ,Bells‘ waren nur drei wohlbehalten zum Fliegerhorst zurückgekehrt – eine war, ohne einen Funknotruf abgesetzt zu haben, gegen 19 Uhr bei einer Flughöhe von 150 bis 200 Meter vom Radarschirm verschwunden.“ Für die Rettungstrupps sei die weißlackierte, vom UN-Somalia-Einsatz 1993 „übriggebliebene“ Maschine äußerst schwer zu finden gewesen. „Nach unbestätigten Angaben soll der schwerverletzte Bordmechaniker mit einem Benzin-Feuerzeug Lichtzeichen gegeben haben, so daß man einen Notarzt zu ihm abseilen und ihn bergen konnte“, schrieb die CZ.

Während der Gedenkfeier betonte Oberst Rüther nun, dass – ganz im Gegensatz zum viel zitierten Sprichwort – auch nach 20 Jahren die Zeit längst nicht alle Wunden heilt. Eltern verloren ihre Söhne, drei Ehefrauen verloren ihren Mann und insgesamt 13 Kinder ihre Väter. Zum Teil noch im Baby- oder Kindergartenalter sei diesen Kindern die Möglichkeit genommen worden, den Menschen, der ihnen unmittelbar nahe stand, überhaupt kennen und lieben zu lernen. Auch wenn die Heideflieger gute Freunde verloren hätten, niemand könne den Schmerz der Familienangehörigen tatsächlich nachfühlen. Ihr Leben sei der höchste Preis, den die Männer, allesamt Flieger aus Passion, für ihren Traum vom Fliegen bezahlen mussten.

Rüther erinnerte aber auch genauso deutlich daran, dass diese Soldaten ihren Fliegerberuf liebten und bereits im Rahmen von Auslandseinsätzen und als Rettungsflieger auf dem Christoph 13 in Bielefeld mit gerade diesem Können Großes bewirkt hatten. „Noch mehr als die Trauer wiegen die positiven Erinnerungen an tolle Menschen, die unser Leben bereichert haben und der Dank dafür, dass sie so manches Leben retten konnten“, sagte Rüther.

Dazu passend war dann auch das Lied, das Pfarrer Wieschollek aus seiner Dienstzeit in den USA für seine Andacht mitgebracht hatte. Darin heißt es übersetzt: „Ja, wenn ich dahin komme, wohin ich gehe, auf der fernen Seite des Himmels, wird es nur glückliche Tränen geben.“

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 07.02.2018 um 17:31 Uhr
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