Wie viel Reklame in Celles Altstadt?

Foto: Oliver Knoblich

Weggeworfene Prospekte auf dem Pflaster, Klapptafeln und Fahnen, um die man Slalom laufen muss, Aufkleber an Schaufenstern, Luftballons – wer durch die Celler Innenstadt geht, wird von unten, oben und von der Seite mit Werbung bombardiert. Um die Flut moderner Reklame, die als Missklang in Celles historischer Fachwerk-Harmonie empfunden wird, einzudämmen, will die Stadt Celle die Gestaltungssatzung für die Altstadt novellieren. Unter anderem will die Verwaltung die Hürden für das Aufstellen von "Passantenstoppern" oder "Werbereitern" vor Geschäften erhöhen. Bei den Geschäftsleuten, die jetzt bei einer Info-Veranstaltung zum Thema den Ton angaben, kam das gar nicht gut an.

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ALTSTADT. "Heiß diskutiert" werde dieses Thema, sagte Daniela von Eiff, die im Rathaus für Stadtgestaltung zuständig ist: "Werbereiter machen das Stadtbild nicht schöner, und deshalb wollen wir künftig nur noch handbeschriftete Holztafeln haben und ihre Größe auf 80 Zentimeter Breite und 1,20 Meter Höhe reduzieren." Das Zustellen der Fußgängerzone mit Werbetafeln habe Formen angenommen, die ein Einschreiten der Stadt nötig machten, so Stadtbaurat Ulrich Kinder: "Der Informationsgehalt von Kundenstoppern geht häufig gegen null und dient vor allem dazu Aufmerksamkeit zu erlangen. Die Gestaltung lässt hierbei zu wünschen übrig." Insbesondere für Gaststätten seien Tafeln mit beispielsweise Tagesangeboten durchaus wünschenswert und sollten auch weiterhin zulässig sein: "Um die Masse einzugrenzen und die qualitätvoll gestalteten Tafeln weiterhin zu ermöglichen, wollen wir die Rahmenbedingungen festlegen, wie Kundenstopper aussehen sollen."

Kinder regte an, dass sich die Händlerschaft auf ein paar qualitativ akzeptable Standard-Werbereiter einigen könnte: "Vielleicht könnte man da eine Großbestellung machen – dann gäbe es kein Durcheinander mehr, und wir bräuchten gar nichts zu regeln." Dass dies ein frommer Wunsch ist, zeigte sich bei der Diskussion mit Händlern und Hauseigentümern, die wenig Sympathie für eine Werbereiter-Regulierung zeigten. Es müsse weiterhin möglich sein, auch bunte Plakate und Konzern-Logos auch hinter Plastik zu präsentieren, hieß es.

"Quirlig" oder "zugemüllt"? Ein Innenstadt-Akteur, für den Werbereiter einfach dazu gehörten, fragte die Verwaltung provokant: "Wollen sie eine Postkarten-Stadt oder eine quirlige Geschäftsstadt?" Daraufhin meldete sich die einzige Bürgerin, die den Reitern offen kritisch gegenüberstand, zu Wort. Sie meinte, dass viele Werbetafeln kein Indiz für Quirligkeit seien – im Gegenteil: "Die Frage muss heißen: Wollen wir eine schöne Stadt oder eine zugemüllte Stadt?" Sie empfahl, einmal Besucher der Altstadt nach ihrer Meinung zur Reklame-Flut zu befragen. Von Eiff antwortete, dass sich im Rahmen einer ersten Öffentlichkeitsbeteiligung bereits Celler zu Wort gemeldet hätten, die höhere Hürden für Werbereiter befürworteten.

Das "Primat des Fachwerks" in der Altstadt solle weiterhin gelten, bekräftigte Kinder, nachdem Fachwerk-Puristen Alarm geschlagen hatten, weil im neuen Satzungsentwurf nicht mehr steht, dass alle Häuser der Altstadt unbedingt Fachwerkbauten sein müssten. "Celles Mitte ist auch heute schon keine reine Fachwerkstadt", so Kinder: "Wir werden auch weiterhin bei Neubauten Fachwerk befürworten – aber dort, wo es hinpasst auch andere Bauformen ermöglichen."

Das letzte Wort über die neue Gestaltungssatzung, die ihre Vorgängerin aus dem Jahr 1978 ersetzen soll, ist noch längst nicht gesprochen. Am 20. Februar werden die Politiker im Altstädter Ortsrat darüber diskutieren. Danach steht eine erneute Öffentlichkeitsbeteiligung an, bevor der Rat über eine endgültige Fassung beschließen wird.

Michael Ende Autor: Michael Ende, am 09.02.2018 um 02:58 Uhr
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