Neue Provokation Nordkoreas: Militärparade mit Raketen

Kim Jong Un, der Machthaber von Nordkorea im Gespräch mit Offizieren bei der Militärparade. Foto: Uncredited/KRT via AP Video Foto: Uncredited

Pjöngjang/Seoul (dpa) - Vor der feierlichen Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Südkorea hat Nordkorea mit einer großen Militärparade wieder die Spannungen angeheizt. Mit der martialischen Waffenschau in Pjöngjang wollte Machthaber Kim Jong Un trotz seiner jüngsten Annäherung an Seoul noch mal militärische Stärke demonstrieren.

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Als Signal an US-Präsident Donald Trump wurden nach Berichten südkoreanischer Fernsehsender auch Langstreckenraketen vom neuen Typ Hwasong-15 präsentiert, die nach amerikanischen Befürchtungen das Festland der USA erreichen können.

Bei einem Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence in Seoul bekräftigte Südkoreas Präsident Moon Jae In, dass seine Regierung fest zur Allianz mit Washington stehe. Das Bündnis sei die Säule für die Bemühungen, Nordkorea zum Verzicht auf sein Atomprogramm zu bringen, sagte Moon laut Yonhap. Pence wollte an der Eröffnungsfeier der Winterspiele in Pyeongchang am Freitag teilnehmen. Dann sollte auch eine hohe nordkoreanische Delegation im Stadion sein.  

Möglichen Gesprächen mit der US-Delegation am Rande der Spiele erteilte Nordkorea jedoch eine Absage. Beide Koreas werden gleichwohl Spitzengespräche führen. Moon wird am Samstag Kim Jong Uns einflussreiche Schwester Kim Yo Jong und andere Mitglieder der nordkoreanischen Delegation empfangen. Es ist das erste Mal, dass ein Mitglied der Kim-Familie das Nachbarland besucht. Die Delegation unter Leitung des protokollarischen Staatsoberhauptes von Nordkorea, Kim Yong Nam, sollte am Freitag mit einem Privatjet anreisen.

Die versöhnliche Sportdiplomatie stand allerdings im krassen Gegensatz zu dem Säbelrasseln in Pjöngjang kurz vor ihrer Ankunft. Von einem Balkon aus nahm Kim Jong Un mit schwarzem Mantel und Hut gemeinsam mit seiner Frau die Waffenschau ab. Raketen, Panzer, Artilleriegeschütze und andere Militärfahrzeuge rollten über den nach seinem Großvater Kim Il Sung genannten Platz in der Hauptstadt. Im Stechschritt marschierten Tausende Soldaten an dem jungen Führer und zahlreichen Militär- und Parteivertretern vorbei.

Die Militärparade schien nach Ansicht von südkoreanischen Beobachtern zwar zurückhaltender, kürzer und weniger waffenstarrend als zuletzt im April gewesen zu sein, aber die Langstreckenraketen unterstrichen die Drohung, auch die USA treffen zu können. «Wir müssen die Aggressoren am Versuch hindern, unsere Würde und Souveränität auch nur um 0,001 Millimeter zu verletzten oder zu verhöhnen», sagte Kim Jong Un zu den Truppen.

Experten meinten, dass mit der Hwasong-15 und dem Vorgängermodell Hwasong-14 mehr Interkontinentalraketen als je zuvor gezeigt wurden. Es demonstriere auch Nordkoreas Fähigkeit, diese Raketen im größeren Stil produzieren zu können. Wie immer ließ sich aber nicht sagen, ob die gezeigten Langstreckenraketen auch wirklich einsatzfähig waren.

Kim Jong Un beschrieb die «strategischen Streitkräfte» als ein mächtiges und wertvolles «Schwert», um das Land gegen die feindliche Politik der USA zu verteidigen. Die Militärparade unterstreiche den Status Nordkoreas als Militärmacht der Weltklasse. Die Militärparade wurde aber nicht live im Staatsfernsehen gezeigt, sondern erst später in einem Zusammenschnitt.

Nordkorea hatte den Donnerstag erst vor wenigen Wochen und offenbar mit Blick auf die Winterspiele für die Militärparade ausgesucht, um den 70. Jahrestag der Gründung der Armee des Landes zu feiern. Das militärische Muskelspiel überschattet den Auftritt der nordkoreanischen Sportler an der Seite ihrer südkoreanischen Kollegen bei den Winterspielen. Kritiker sahen eine Provokation, die die versöhnlichen Gesten der vergangenen Wochen wieder in Frage stellten.

Die USA streiten mit Nordkorea über dessen Entwicklung von Atomwaffen und Langstreckenraketen, die nach amerikanischen Befürchtungen mit ihrer Reichweite auch die USA bedrohen. Mit seinen Raketen- und Atomtests hatte Nordkorea wiederholt gegen UN-Resolutionen verstoßen. Der verarmte, isolierte Staat leidet unter strengen Sanktionen. Die USA wollten ihre «Kampagne des maximalen Drucks» solange fortsetzen, bis Nordkorea konkrete Schritte für eine Beseitigung seiner Atomwaffen einleite, sagte US-Vizepräsident Pence.

Mit der Militärparade beging Nordkorea den 70. Gründungstag der Streitkräfte. Doch seit 1978 war der Tag, an dem Staatsgründer Kim Il Sung nach offizieller Geschichtsschreibung 1948 die «revolutionäre Armee» gegründet hatte, nicht mehr groß gefeiert worden. 

Andreas Landwehr und Dirk Godder, dpa Autor: Andreas Landwehr und Dirk Godder, dpa, am 08.02.2018 um 15:05 Uhr
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