Projekt "Buchstart" feiert runden Geburtstag in Celle

In der Celler Stadtbibliothek freuen sich Nina Krause und ihre drei Kinder Leonard, Louise und Leander (von links) sowie Dagmar Behrens von der Stadtbibliothek über den großen Erfolg. Foto: Oliver Knoblich

Seit nun zehn Jahre unterstützt "Buchstart" die frühkindliche Sprachförderung. Die drei Kinder von Nina Krause sind begeistert vom Projekt.

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Louise liest gerne. „Am liebsten die Bücher vom ‚Buchstart‘“, erzählt die Sechsjährige und lacht verschmitzt. „Und die Bücher für Erstklässler. Am Lesen mag ich, dass man dabei auch viel lernt – und dass es Spaß macht.“ Die Familie habe eigentlich schon immer Bücher im Haus gehabt, sagt Mutter Nina Krause. „Aber dass aus Louise schon so früh eine begeisterte Leserin geworden ist, das hat sicherlich auch mit ‚Buchstart‘ zu tun.“ Sie schmökere am liebsten abends im Bett, verrät die Erstklässlerin. „Mama macht mir dann immer einen Knick ins Buch, bis wohin ich lesen darf.“

Lesen beginnt mit der
Liebe zu Büchern

„Buchstart“, das Projekt zur frühkindlichen Sprachförderung in Celle Stadt und Land, ist im Januar zehn Jahre alt geworden. Sein Kern ist denkbar einfach: Bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt soll kleinen Kindern und deren Eltern die Freude am Miteinander-Sprechen und Miteinander-Lesen vermittelt werden. „Und Lesen beginnt mit der Liebe zu Büchern, in diesem Fall zu Bilderbüchern“, so Inge Wendenburg, Projektleiterin von „Buchstart“ bei der Bürgerstiftung Celle.

Wendenburg war es, die „Buchstart“ 2008 in die Herzogstadt geholt hat. „Meine Tochter hat damals in Hamburg am Projekt mitgearbeitet und gesagt: Mama, das könnt ihr doch auch.“ Gesagt, getan: In Zusammenarbeit mit der Bibliotheksgesellschaft Celle sowie den öffentlichen Bibliotheken konnte die Bürgerstiftung „Buchstart“ innerhalb kürzester Zeit umsetzen.

Die Kinder- und Jugendärzte in Stadt und Landkreis Celle dienen hierbei als „Vermittler“. Anlässlich der Vorsorgeuntersuchungen U6 und U7, die etwa mit zwölf und dann noch einmal mit 24 Monaten anstehen, wird den jungen Eltern eine „Buchstart“-Tasche überreicht. Der Inhalt: Ein Bilderbuch, eine Lesebroschüre für die Eltern, in der die Wichtigkeit des Vorlesens spielerisch erklärt wird (neben Deutsch übrigens auch in englischer, türkischer, kurdischer, russischer und arabischer Sprache), sowie ein Gutschein über ein weiteres Bilderbuch, das die Eltern in der öffentlichen Bibliothek abholen können – und bei dessen Einlösung sie zusätzlich auch noch einen kostenlosen Leseausweis für ein Jahr erhalten.

„Eine wunderbare Idee“, findet Nina Krause. Mit drei Kindern im Alter von neun, sechs und eineinhalb Jahren ist ihre Familie schon mehrmals in den Genuss der „Buchstart“-Tasche gekommen. „Unsere Kinder fanden die kleinen Bücher mit den Fingerpuppen zum Anfassen immer am tollsten“, verrät sie schmunzelnd – und hofft, dass das Projekt auch andere Eltern zum gemeinsamen Lesen motiviert. Das frühe Lesen habe viel für die Sprachentwicklung ihrer Kinder gebracht, erklärt Krause. „Außerdem schult es die Rechtschreibung, davon bin ich überzeugt.“

Sowohl Leander (9) als auch die sechsjährige Louisa lesen heute gern und viel – und auch Leonard, der jüngste Sprößling der Familie, ist auf dem besten Weg, eine richtige Leseratte zu werden. „Im Wohnzimmer haben wir eine Kiste, da sind alle Bücher von Leonard drin“, erzählt Krause. „Oft läuft er direkt dorthin und ruft dabei ‚Buch, Buch‘.“ Sie genieße das gemeinsame Vorlesen sehr, sagt sie. „Dabei ist Zeit zum Kuscheln, und man kommt selber vom Alltag runter.“

Auch Bianca Hennigs, Grundschullehrerin aus Altencelle und selbst Mutter einer vierjährigen Tochter, ist vom Erfolg des Projekts „Buchstart“ überzeugt. „Durch das Beobachten meiner Tochter wird mir immer klarer, wie sehr Bücher und vor allem das Vorlesen ein Kind auch für die Schulzeit prägen“, sagt sie. „Die Kinder haben eine größere Fantasie und können zu Bildern erzählen oder sich Geschichten ausdenken.“

Grosses Allgemeinwissen
durch Vorlesen

Ihre Tochter beispielsweise sei durch Bücher dazu gekommen, zu reimen. „Und besonders im Sachunterricht merkt man immer wieder, welche Kinder Bücher lesen oder vorgelesen bekommen, und somit ein großes Allgemeinwissen haben.“

Etwa 1500 „Buchstart“-Taschen für die Vorsorgeuntersuchung U6 packen die ehrenamtlichen Helfer pro Jahr, dazu kommen weitere 1500 für die Vorsorgeuntersuchung U7. Das Projekt „Buchstart“ laufe nach Hamburg und Celle inzwischen auch in Lüneburg, Bremen, Potsdam, Geislingen, Filderstadt sowie in Wien, berichtet Wendenburg.

Celle ist allerdings die einzige Stadt, in der es sozusagen „doppelt“ Bücher gibt: „Der Erfolg dieses Projekts war und ist so groß, dass die Kinderärzte Bürgerstiftung und Bibliotheksgesellschaft gebeten hatten, ein Jahr später, anlässlich der U7, noch einmal ein Bilderbuch verschenken zu dürfen“, freut sich die Projektleiterin.

Christina Matthies Autor: Christina Matthies, am 09.02.2018 um 04:16 Uhr
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