Chefvolkswirt rät Cellern: Aktienmarkt bietet weiterhin Chancen

Der Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), Ralf-Joachim Götz, warnt Privatanleger davor, nach den massiven Kursverlusten an der Wall Street in Panik zu verfallen. Foto: Christian Link

Nach den jüngsten massiven Kursverlusten an der Wall Street und anderen internationalen Börsen warnt der Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), Ralf-Joachim Götz, Privatanleger davor, in Panik zu verfallen. Die wirtschaftlichen Rahmendaten seien erfreulich wie lange nicht mehr, sagt der promovierte Wirtschaftsexperte im Gespräch mit der Celleschen Zeitung. Es sei weiterhin sinnvoll, in Aktienfonds zu investieren – allerdings nicht „für die nächste Urlaubsreise“, sondern für ein langfristiges Anlageziel in 10 bis 15 Jahren.

CELLE. „Die Börse ist keine Einbahnstraße“, betont Götz mit Blick auf den Kurseinbruch an der New Yorker Börse. Dahinter stecke unter anderem die Angst, dass die Zinsen in den USA schneller steigen könnten als bisher angenommen. Festverzinsliche Papiere und Staatsanleihen würden dadurch für Anleger wieder attraktiver. Dennoch: „Ein gut gemanagter Aktienfonds hat in 15 Jahren nie negativ abgeschnitten“, betont Götz. Am Ende seien die Renditen trotz Kursschwankungen deutlich höher, als wenn man das Geld auf dem Sparbuch geparkt hätte. Götz rechnet vor: Wer seit 1960 umgerechnet zehn Euro monatlich unter das Kopfkissen gepackt hätte, hätte heute knapp 7000 Euro. Auf dem Sparbuch wären es 18.000 Euro und bei einer Investition in einen Aktienfonds 150.000 Euro. „Das verdeutlicht die enorme Überlegenheit der Aktienfonds“, sagt der 57-Jährige.

Bedauerlich findet es Götz, dass etwa zehn Prozent des privaten Geldvermögens in Deutschland auf Sparbüchern liegt. „Die Deutschen sind eher sicherheitsorientiert“, sagt er. Im Vergleich zu anderen Ländern seien sichere Einlagen in Deutschland stärker gefragt als Aktien. Mit Blick auf die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und einer Teuerung von knapp unter zwei Prozent sprach der Wirtschaftsexperte von einer „realen Enteignung“. Sparer hätten das Nachsehen, die Inflation würde die schmalen Gewinne auffressen. Auf der anderen Seite würden insbesondere die hoch verschuldeten EU-Staaten von der Geldpolitik der EZB profitieren. Denn für ihre Schulden müssten sie weniger zahlen. Das gelte natürlich auch für Deutschland.

Die Bewertung der EZB-Zinspolitik hänge immer von der jeweiligen Sichtweise ab, sagt Götz: Während sich Häuslebauer freuen, ärgern sich Sparer und Finanzunternehmen, die Produkte wie die Riester-Rente anbieten. Etliche Anbieter hätten sich angesichts geringer Renditen aus dem Markt zurückgezogen, erläutert der Chefvolkswirt.

Götz geht davon aus, dass die Zinsentwicklung in den USA in ein paar Jahren auch Deutschland erreichen werde. „Wir können uns nicht auf Dauer davon loslösen“, sagt er. Allerdings rechnet der Wirtschaftsexperte nicht vor 2019 mit einer Kursänderung in der Geldpolitik von EZB-Präsident Mario Draghi.

Götz empfiehlt Anlegern, auf Aktienfonds statt auf Einzelwerte zu setzen. Das sei weniger riskant. Darüber hinaus sollte das Kapital mit Blick auf das geplante Anlageziel rechtzeitig in eine sichere Geldanlage umgeschichtet werden.

Die Deutsche Vermögensberatung hat nach Götz‘ Angaben sechs Millionen Kunden in der Bundesrepublik, in Österreich und in der Schweiz. Im Celler und Uelzener Raum sind es rund 20.000 Kunden, um die sich 50 hauptberufliche Vermögensberater kümmern. Das Thema Baufinanzierung sei in der Region stark vertreten, sagt Götz. Weniger interessierten sich die Kunden für Aktien und andere Geldanlagen.

Oliver Gatz Autor: Oliver Gatz, am 09.02.2018 um 06:10 Uhr
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