Olympia-Aus für Russland-Stars - Entrüstung in Moskau

Fehlt bei Olympia: Der russischer Shorttracker Viktor Ahn. Foto: Thomas Eisenhuth Foto: Thomas Eisenhuth

Pyeongchang (dpa) - Die Entrüstung in Moskau war groß, als zu früher Stunde der Ausschluss zahlreicher russischer Sportgrößen wie Viktor Ahn oder Anton Schipulin von den Winterspielen in Pyeongchang beschlossene Sache war.

«Wir prüfen weitere Schritte. So kann das nicht stehenbleiben», zürnte Vizeregierungschef Witali Mutko, und der russische Sportminister Pawel Kolobkow sprach von einem «ungerechten Urteil». Andere Politiker regten gar den Gang vor den Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte an und sprachen über Rücktrittsforderungen an IOC-Chef Thomas Bach.

Bach hatte da gerade seinen Fackellauf absolviert und dürfte die Kunde mit großer Erleichterung aufgenommen haben. Diesmal ging der Internationale Sportgerichtshof CAS nicht auf Konfrontation zum IOC, sondern wies die Klage von 45 weiteren russischen Sportlern und zwei Betreuern wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier zurück. Das umstrittene Einladungs-Prozedere des Internationalen Olympischen Komitees ist laut CAS-Urteil rechtmäßig. Schon am Vortag hatte die Ad-hoc-Kommission des CAS bei 13 russischen Athleten und Offiziellen ein ähnliches Gesuch abgelehnt und sich als nicht zuständig erklärt.

Die Liste der Abwesenden liest sich wie ein Who is Who der russischen Wintersport-Szene: Der sechsmalige Shorttrack-Olympiasiger Ahn, Biathlon-Staffel-Olympiasieger Schipulin, die Top-Ski-Langläufer Sergej Ustjugow und Ruslan Sacharow oder Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa - für alle bleibt die Tür zu den XXIII. Winterspielen verschlossen. Dabei sind wie gehabt 168 Sportler, die unter neutraler Flagge und ohne Hymne als Olympische Athleten aus Russland starten.

So groß die Aufregung in Russland war, so groß war die Zufriedenheit etwa auf deutscher Seite. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, nannte die CAS-Entscheidung eine «hocherfreuliche Mitteilung». Damit bleibe «die Hoffnung, dass Betrüger von Sotschi nicht in Pyeongchang um Medaillen kämpfen.» Ähnlich sah es Athletensprecherin Silke Kassner: «Die haben da nichts zu suchen, weder als Trainer, noch als Betreuer, noch Athleten.»

Das IOC hatte in einem aufwendigen Prüfverfahren eine Selektion für russische Sportler getroffen. Aufgrund der Belege für organisierte Dopingmanipulationen bei den Winterspielen in Sotschi 2014 hatte das IOC im Dezember vergangenen Jahres das Nationale Olympische Komitee Russlands gesperrt. Demnach konnten russische Sportler nur per IOC-Einladung zu den Spielen nach Pyeongchang gelangen. In vielen Fällen hatte das IOC den Athleten einen Start verweigert, obwohl aktuell kein positiver Dopingbefund vorliegt.

Die Russen empfanden diese Vorgehensweise als «unfair, ungesetzlich, unmoralisch und politisch aufgeladen», wie Ministerpräsident Dmitri Medwedew zuletzt wetterte. Dem stimmte der CAS allerdings nicht zu. Die Nichtberücksichtigung sei nicht als Sanktion sondern lediglich als Entscheidung über eine Teilnahmeberechtigung zu werten. Das IOC habe das Recht, solch einen Prozess durchzuführen.

Das IOC reagierte mit Zufriedenheit. «Das stärkt den Kampf gegen Doping und bringt Klarheit für alle Athleten», hieß es in einer IOC-Mitteilung. Bei einer anderen Entscheidung wäre das ohnehin schon belastete Verhältnis zwischen dem IOC und dem CAS weiter verschärft worden. Der CAS hatte jüngst die lebenslangen Sperren gegen 28 russische Sportler aufgehoben. Für Craig Reedie, den Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur, war das Urteil nun gut «für einen sauberen Sport und der Glaubwürdigkeit der Spiele».

Besonders bitter ist der Ausschluss für Ahn. Der gebürtige Südkoreaner hatte 2006 dreimal Gold für sein Heimatland geholt. Nach einem Streit mit dem südkoreanischen Verband hatte er die russische Staatsbürgerschaft angenommen und in Sotschi drei weitere Male Gold geholt. Sein Heimspiel fällt nun aus. Auch im Biathlon trifft es Russland schwer. Bis auf den Mixed-Wettbewerb wird es erstmals keine russischen Staffeln bei den Männern und Frauen geben.

Keine leichte Aufgabe für den Deutschen Ricco Groß, der die russische Biathlon-Mannschaft der Männer trainiert. Verstanden habe er die Entscheidung nicht, zumal seine Athleten im Weltcup «ganz normal startberechtigt» sind. «Vielleicht gibt es auch ein bisschen schwanger», sagte Groß der dpa und forderte vom IOC Beweise.

Ungeachtet der CAS-Entscheidung hatte Pawel Kulischnikow, fünfmaliger Weltmeister im Eisschnelllauf, schon gar keine Lust mehr auf einen Südkorea-Trip. «Sie veranstalten eine geschlossene Party, sollen sie alleine feiern!» Für Kulischnikow und Co. soll es nun Ersatzspielen im März geben. Ein Gang vor ein ordentliches Gericht in Sachen Olympia allein aus Zeitgründen dürfte zu spät kommen. So sagte Vize-Premier Mutko dann auch: «Jetzt herrscht olympischer Friede.»

Stefan Tabeling, dpa Autor: Stefan Tabeling, dpa, am 09.02.2018 um 10:38 Uhr
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