Celles Kreisel-Zebrastreifen verschwinden - und kommen dann wieder

"Was soll das denn bloß?" Dieter Patzke würde gerne den Hafenstraßen-Zebrastreifen benutzen. Weil der aber abgezäunt ist, geht er woanders über die Straße. Foto: Oliver Knoblich

Eigentlich wollte Dieter Patzke in Höhe des Oberlandesgerichts die Mühlenstraße überqueren, um aus Richtung Allerinsel in die Celler Innenstadt zu kommen. Doch ein Metallzaun versperrt ihm den Weg über den Hafenstraßen-Kreisel. Einen eingezäunten Zebrastreifen – so etwas hat Patzke noch nie gesehen. "Was soll das?", fragt er sich. Ihm sind die Wege bis zu den Ampeln, an denen eine sichere Überquerung der Straße möglich ist, um einiges zu weit. Den sicheren Zebrastreifen kann Patzke hier nicht benutzen. Als riskante Alternative bleibt da neben dem abgezäunten Bereich der riskante Sprint über die Straße: "Das kann doch so nicht gewollt sein."

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CELLE. Für einen wie Dirk Gerlach, der unter der Fahne der Satire-Partei "Die Partei" in den Celler Stadtrat eingezogen ist, ist der Kreisel, dessen Zebrastreifen ihn außer Gefecht setzten, ein gefundenes Fressen. Er feixt: "Wir haben durch den geplanten Umbau des Nordwalls das Rio's verloren, und wir haben die Jugendhilfe gegen die Wand gefahren. Nur beim Kreiselbau läuft es in Celle nicht ganz rund. Ich wünsche mir viel mehr Kreisverkehr, möglichst einen, der die ganze Stadt umrundet."

Aber mal im Ernst: Aus dem Rathaus hatte es unter anderem geheißen, man könne die Zebrastreifen nicht einfach entfernen, weil man dann eventuell Fördergelder, die das Land für den Kreiselbau bewilligt hatte, zurückzahlen müsste. Hat sich die Verwaltung beim Land erkundigt, ob man im Fall der Zebrastreifen-Entfernung tatsächlich Fördergelder hätte zurückzahlen müssen? Wie viel Euro genau wären dann fällig? Eine Antwort darauf gibt es aus dem Rathaus nicht. Stattdessen heißt es, dass der Kreisel für die derzeitige Lage "nicht optimal ausgelegt" sei: "Das wird sich mit Beginn des nächsten Bauabschnitts, dem gegenläufigen Ausbau des Nordwalls, ändern."

Streifen kommen und gehen: "Anfang kommender Woche werden auch die Zebrastreifen abgefräst", so die Verwaltung. Mit dem gegenläufigen Ausbau des Nordwalls werde die Situation am Kreisel "deutlich entlastet", hofft man im Rathaus, wo man am liebsten noch in diesem Jahr mit dem Nordwall-Ausbau beginnen würde. Im März will die Verwaltung das Konzept dafür vorstellen. Und wenn der neue Nordwall irgendwann einmal fertig sei, solle auch der Hafenstraßen-Kreisel seine Fußgänger-Überwege zurück erhalten: "Denn dann wird es funktionieren mit den beiden Zebrastreifen."

Das hofft auch CDU-Fraktionschef Heiko Gevers. Er sieht keine Grundlage für "Karnevalsscherze mit vergitterten Zebrastreifen." "Die Zäune empfinde ich als komplett unangebracht. Ich habe so etwas noch nie irgendwo in der Welt gesehen", meint hingegen Iris Fiss (Unabhängige): "Die Leute lachen sich kaputt."

"Verschlimmbessert": Für Bernd Zobel war der Kreisel von Beginn an Beispiel einer missglückten innerstädtischen Verkehrsplanung einer konservativen Ratsmehrheit: "Seit einem Jahr wird nun verschlimmbessert. Es wird Zeit, dass das Verwaltungshandeln in den politischen Gremien diskutiert wird."

"Deutlich macht diese unabgestimmte Aktion, welchen Stellenwert in dieser Stadt das Auto gegenüber dem Fußgänger immer noch genießt,“ so SPD-Fraktionsvorsitzender Patrick Brammer: "Durch die Sperrung der Überwege hat sich die Situation kaum geändert, sie wird auch durch Zäune nicht besser." Der Kreisel sei gebaut mit Blick in die Zukunft nach Fertigstellung des Nordwalls. "Die Stausituation wird sich erst danach relevant verbessern." Die Zebrastreifen sollten weiterhin genutzt werden.

Verkehr muss fließen: FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen findet die Zäune gut: "Nicht das Einzäunen der Zebrastreifen ist das Problem, sondern die verkehrsfeindliche Einstellung, die zu diesem Nadelöhr geführt hat. Wichtig ist nur, dass der Verkehr dort fließt und sich nicht beständig staut:" Er habe wiederholt Fußgänger beobachtet, die sich an den bisherigen Absperrungen vorbeigemogelt hätten: "Gut, dass dies jetzt abgestellt ist.“

"Keine Lösung": "Die aktuelle Lösung ist keine Lösung, weil sie sich nur nach dem Autoverkehr richtet und andere Verkehrsteilnehmer hinten anstellt", meint Behiye Uca (Linke). Torsten Schoeps (WG) schüttelt den Kopf über den "verrückten" Kreisel. "Wer die Hintergründe nicht kennt, glaubt an einen Schildbürgerstreich; der Spott der Nichtceller und Touristen wird uns sicher sein."

Ende gut? Dass mit dem gegenläufigen Ausbau des Nordwalls alles besser wird, glaubt Altstadt-Ortsbürgermeister Tim Übermut anders als die Stadtverwaltung nicht. Er verweist auf den zusätzlichen Verkehr, der so auf Neumarkt und Mühlenstraße fließen werde: "Daher wäre es meines Erachtens dringend geboten, das Förderszenario neu zu bewerten und die Sperrung auch langfristig zu belassen."

Michael Ende Autor: Michael Ende, am 10.02.2018 um 06:29 Uhr
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