Brandstiftung an Harburger Straße: Entlastende Indizien für den Angeklagten

Am Rande eines Fußballspiels am Herzog-Ernst-Ring trafen am 12. Februar vorigen Jahres mehrere Männer aufeinander. Nicht das Geschehen auf dem Rasen interessierte die Gruppe, sondern ein Verbrechen in einem Drei-Etagen-Hauses an der Harburger Straße vom Vortag. Ein Jahr später thematisierte die 4. Große Strafkammer am Landgericht Lüneburg das Randgeschehen. „Ich habe dort erfahren, dass es brannte. Beiläufig ist das zur Sprache gekommen“, schilderte ein 34-Jähriger. Der Zeuge ist nicht irgendwer. Der Brite lebte kurzzeitig mit der Frau zusammen, dem der Mordanschlag nach bisherigen Ermittlungen galt.

Die Persönlichkeit des Zeugen wirkte in Saal 21 für manche wie aus der Zeit gefallen. Die übliche Dissonanz, die ein derartiger Rosenkrieg in der Regel auslöst, schien dem Kraftfahrer fremd. Das Interesse an der dreifachen Mutter ist trotz des erlebten psychischen Tsunamis nicht gänzlich abgeklungen.

Die Staatsanwaltschaft legt dem angeklagten Kfz-Mechaniker 15-fachen versuchten Mord, schwere Brandstiftung und versuchte Sprengstoffexplosion zur Last. Er soll im Keller des von der Ex-Partnerin bewohnten Hauses vergossenen Kraftstoff angezündet und beim Verlassen des Tatorts die Ventile der Gasheizung geöffnet haben. Die Frau begleitet das Verfahren als Nebenklägerin. Als die Vermieter vom Hehlentor nacheinander die Ereignisse jener Februarnacht schilderten, zeigte sich, wie knapp die Bewohner einer Katastrophe entgangen sind.

Die Lüneburger Verhandlung arbeitete für den Beschuldigten derweil entlastende Indizien heraus. Das Ehepaar, bei denen der Tatverdächtige nach Ende der Beziehung einzog, berichtete, dass sein Auto den ganzen Abend des 11. Februars 2017 vor dem Haus stand. Ein Alibi aus Gefälligkeit? Nein, wie ein Techniker des Landeskriminalamtes herausfand. Das ausgewertete Mobiltelefon des 35-Jährigen baute zum Tatzeitpunkt gegen 23.30 Uhr von einem Funkmast in Wienhausen gerade eine Internetverbindung auf.

Verteidiger Kurt-Peter Bulang wirkte zufrieden. Ein Arzt, der den Mandanten bei dessen Festnahme zwei Tage nach dem Feuer untersuchte, stellte keinerlei Brandspuren am Körper fest.

Benjamin Reimers Autor: Benjamin Reimers, am 10.02.2018 um 06:06 Uhr
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