Faslam in Barfgeld: „Wurstmaxe“ und „Eierjule“ treffen auf Addams Family

Foto: Ines von Frantzius

Ganze Ortschaft holt Karneval vor die Haustür: 100 Umzugsteilnehmer haben sich wochenlang auf ihren großen Tag vorbereitet. Für jede Menge Lacher sorgte die lebende Achterbahn.

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Noch bevor es richtig losgeht, regnet es zum ersten Mal Konfetti. „Bargfeld Helau!“, ruft Florian Fuhlrott, Präsident des Clubs Einigkeit Bargfeld von 1891, in die fantasievoll kostümierte Menge. „Bargfeld Helau!“, schallt es postwendend zurück.

Es ist wieder Faslam im kleinen Örtchen Bargfeld – rund 100 Bürger feiern an diesem Sonntag mit einem bunten Umzug gemeinsam den Beginn der fünften Jahreszeit. „Wir sind durchaus überregional, so ist es ja nun nicht“, scherzt Bargfelder Matthias Müller. „Es kommen auch Leute aus Eldingen, Sandlingen oder Endeholz.“

Seit mehr als 125 Jahren trägt der Club Einigkeit in Bargfeld dazu bei, eine norddeutsche Tradition am Leben zu erhalten: Der Faslam ist ein alter Brauch, beim dem früher Knechte von Hof zu Hof zogen, um mit bunten Verkleidungen und viel Lärm den Winter zu vertreiben. Dabei baten sie an jeder Tür um Eier und Wurst, um die „erschnorrten“ Gaben bei einem anschließenden Fest zu verspeisen. „Und ganz genauso machen wir das heute auch noch“, sagt Fuhlrott vergnügt, bevor er das offizielle Startsignal gibt, und der bunt kostümierte Tross sich langsam auf den Weg durchs Dorf macht.

Angeführt wird der Faslams-Umzug traditionsgemäß von „Wurstmaxe“ und „Eierjule“: In diesem Jahr verkörpern Harm-Hennig Dralle und Jannis Hansen den Part – letzterer stilecht im Dirndl, mit blonden Zöpfen und einer Weiden-Kiepe zum Einsammeln von Wurst und Eiern auf dem Rücken. Die beiden Bargfelder sind schon seit ihrer Kindheit befreundet. „Wir haben immer gesagt, wenn wir das mal machen, dann machen wir das zusammen“, verrät Dralle.

Faslam in Bargfeld – das ist eine fröhliche Sause, bei der die gesamte Ortschaft auf den Beinen ist. „Ich habe selten ein Dorf erlebt, das so engagiert ist“, meint Ursula Rautenberg, in deren Vorgarten die ausgelassenen Umzugsteilnehmer gerade Station machen. „Eierjule“ Hansen geht vorsichtig in die Knie, damit Rautenberg zwei dicke Ringe Fleischwurst und ein Dutzend Eier in der noch ziemlich leeren Kiepe platzieren kann – dann gibt’s eine kleine Runde „Magenwärmer“ für alle. „Wir sind erst vor einem Jahr hierhergezogen“, erzählt die Rheinländerin. „Toll, dass wir den Karneval jetzt direkt vor der Tür haben.“

Tatsächlich stehen die kreativen Wagen und Kostüme an diesem Sonntagnachmittag den großen Umzügen in Köln oder Düsseldorf in überhaupt nichts nach. Seit Wochen haben die Bargfelder gebastelt und gewerkelt, um heute mit möglichst originellen Ideen am Faslams-Umzug teilnehmen zu können. Für jede Menge Lacher sorgen vor allem die Freunde rund um Matthias Müller, die sich als lebende Achterbahn verkleidet haben. „Komm‘ auf den Schoß, Kleines, du kannst mitfahren“, flachst Müller, bevor die Gruppe in einer perfekt einstudierten Choreografie die Auf- und Abwärtsbewegungen eines „Rollercoasters“ simuliert.

Jolina Meyer, Lisa Bornheber, Mena Backeberg und Matilda Ketting haben sich bei der Kostümauswahl von einem Disneyfilm inspirieren lassen. „Wir sind Figuren aus ‚Merida – Legende der Highlands‘“, erklärt Meyer. „Ich mache jedes Jahr beim Faslam mit“, fügt sie noch hinzu, „ich bin da quasi reingewachsen.“

Auch die „Addams Family“ ist in diesem Jahr mit von der Partie – selbstverständlich mit dem „eiskalten Händchen“ im Schlepptau. Bargfelder Sven Meyer, der „Onkel Fester“ verkörpert, hat sich für eine möglichst lebensnahe Kostümierung sogar eigenhändig den Kopf rasiert. „War ja eh nicht mehr viel drauf“, sagt er nur und lacht. Mit den Vorbereitungen für den Bargfelder Faslam habe die Gruppe kurz nach Weihnachten angefangen. „Man muss ja irgendwie die dunkle Jahreszeit rumkriegen.“

Besonders ausgefallen ist auch das begehbare „Gruselkabinett“ der Bargfelder Jugendgruppe. „Wir haben letztes Jahr den Kostümwettbewerb gewonnen und müssen jetzt natürlich nachlegen“, so Juliane Fricke, die sich als Monster verkleidet hat.

Rund drei Stunden dauert der Umzug, bis am Ende die Kiepe voll und die „Eierjule“ mit der Ausbeute zufrieden ist. „Allein an die 400 bis 450 Eier kommen dabei jedes Jahr schon zusammen“, schätzt Club-Einigkeit-Präsident Fuhlrott. Am kommenden Wochenende dann wollen die Bargfelder Eier und Wurst beim gemeinsamen Faslams-Abschluss im Gasthaus Bangemann auf den Tisch bringen.

Christina Matthies Autor: Christina Matthies, am 12.02.2018 um 05:40 Uhr
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