Celler Politiker Dirk Gerlach legt ersten Roman vor

Dirk Gerlach ist in Celle als Politiker bekannt. Der 55-jährige, gebürtige Kölner sitzt für „Die Partei“ im Celler Stadtrat. Nun hat er seinen ersten Roman veröffentlicht. „Dachbodenpiraten“ erzählt aus dem Jahr 1993 eine turbulente und unterhaltsame Liebesgeschichte aus dem Handwerkermilieu auf dem Dachboden eines Mehrfamilienhauses in Hannover-Linden.

WIETZENBRUCH. Das Jahr, in dem die Geschichte spielt, ist ein Jahr voller Ereignisse mit dem Tod des RAF-Terroristen Wolfgang Grams, dem ersten Anschlag auf das World-Trade-Center in New York, den sportlichen Erfolgen von Werder Bremen – und dem Tod Frank Zappas.

Warum sein Buch ausgerechnet jetzt erscheint? „Die Menschen der 68er-Studentenbewegung vor genau 50 Jahren und danach die handelnden Personen des sogenannten ,Deutschen Herbsts‘ in den 78er Jahren haben mich stark interessiert. Was wurde aus den Leuten, die in den 1980er Jahren in Berlin Häuser besetzten, in Gorleben, Wackersdorf und der Startbahn West demonstrierten, die Friedensbewegung und den Mauerfall mitbekamen und zur Musik des Punks und der Neuen Deutschen Welle tanzten?“, sagt der Autor, der seit sechs Jahren in Wietzenbruch lebt.

Will Gerlach auch auf die nachlassende, auch bei anderen Personen erkennbare, Kritikfähigkeit hinweisen? Nicht ohne Grund erzählt der Autor aus Wietzenbruch in seinem Roman, wie sich die Aktivisten jener Tage langsam in die damaligen Gesellschaftsstrukturen einlebten. „Sie haben sich für eine Lebensform entschieden, die sie vorher massiv abgelehnt haben“, stellt der Autor nachdenklich fest. „Diese verspielte Freiheit dieser Epoche“ wirft beim Leser die Frage auf, inwieweit dieser selbst seine Ideale aus dieser Vergangenheit mit in die heutige Zeit transportiert hat und was von den ehemaligen Lebensvorstellungen heute noch übrig ist – so Gerlach.

Er fordert mehr kritisch denkende und handelnde Bürger. Menschen, die häufiger Tatsachen hinterfragen. Gerlach wörtlich: „Ständig hinterfragen wäre wünschenswert. Oft hilft der ,normale Menschenverstand‘ weiter und auch mal zu schweigen, wenn man nichts dazu zu sagen hat.“ Das sei auch seine Devise in der Kommunalpolitik und im Stadtrat.

„Letztlich ist jeder Einzelne von uns mit dafür verantwortlich und Teil dessen, was um uns herum passiert“, so Gerlach. „Die Entscheidung, ob man mit dem Kauf eines T-Shirts beim Discounter billigend in Kauf nimmt, dass Kinder unter qualvollen Lebensumständen Textilien fertigen oder seltene Erden unter unmenschlichen Bedingungen am anderen Ende der Welt geschürft werden, damit im Technikmarkt nebenan Produkte zu Niedrigstpreisen verkauft werden, hängt von jedem Einzelnen ab.“

Er selbst versucht, in seinem Leben konsequent seine Vorstellungen zu verwirklichen. Der Garten dient vor allem der Selbstversorgung mit Gemüse, Salaten und Gewürzen, auch im selbst errichteten Gewächshaus. Gerlach sagt über sich selbst: „Ich bin Zeitreisender, Politiker und Wirtschaftswunderkind.“ Er ist Vorsitzender des Celler Ortsverband für „Die Partei“. Im Stadtrat hat er mit den Grünen und der WG eine „Gruppe“ gebildet.

Günther Borchers Autor: Günther Borchers, am 13.02.2018 um 06:34 Uhr
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