Rettungsassistent aus Wienhausen von wütendem Autofahrer angegriffen

Der Fahrer eines Rettungswagens ist Opfer eines Angriffs geworden. Foto: Christian Link (Archiv)

Der Schock steckt Henning Fischer (Name geändert) noch in den Knochen. Was er vor drei Tagen auf dem Rückweg von einem Einsatz erlebt hat, kann der 37 Jahre alte Rettungsassistent des Deutschen Roten Kreuzes aus Wienhausen so schnell nicht vergessen. Realität ist: Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungskräfte werden immer häufiger angegriffen. Diese Erfahrung musste nun auch Fischer machen, der Tag für Tag anderen Menschen hilft. Offenbar aus Ärger im Straßenverkehr wurde er am Samstag von einem 46-Jährigen mehrfach am Hals gewürgt.

WIENHAUSEN. Zuvor haben sich folgende Szenen abgespielt: Es ist gegen 10.15 Uhr. Mit seinem Kollegen als Beifahrer hatte Fischer zuvor einen Patienten ins Allgemeine Krankenhaus nach Celle gebracht, als er auf der Bundesstraße 214 wieder zurück zur Rettungswache nach Wienhausen fuhr. Hinter der Kreuzung Große Redder/Burger Landstraße in Altencelle passierte es: Der Rettungswagen hatte sich rechtzeitig vor dem Ende der Einfädelungsspur links eingeordnet, als ein 46 Jahre alter Autofahrer auf der rechten Spur den Krankenwagen noch schnell überholen wollte. Durch wildes Hupen machte er auf sich aufmerksam, beschleunigte, aber blieb letztlich doch hinter dem Rettungswagen zurück.

"Das muss ihn in seinem Ego verletzt haben", vermutet Fischer, der lieber nicht mit richtigem Namen in der Zeitung stehen möchte. Tatsache ist: Der 46-Jährige verfolgte den Krankentransport bis nach Wienhausen. Auf dem Hof der Rettungswache eskalierte dann die Situation. Fischer saß noch hinterm Steuer, als der Autofahrer aus seinem Wagen stieg und wütend auf ihn zu ging: "Warum wollten Sie mich abdrängen?", habe er ihn gefragt. "Nach einem kurzen Wortgefecht hat er mich mit beiden Händen am Hals gepackt. Ich war ja noch angeschnallt und vollkommen machtlos."

Die Würgemale und Rötungen sind noch immer zu sehen. Doch schlimmer ist für Fischer, der seinen Beruf seit 16 Jahren ausübt und so einen Vorfall noch nicht erlebt hat, das Gefühl der völligen Hilflosigkeit – bis sein Kollege dazwischenging und der 46-Jährige von Fischer abließ.

"Das ist schon ein Vorfall von besonderer Qualität", sagt Uwe Ammoneit, Leiter des Celler DRK-Rettungsdienstes. Dass Mitarbeiter mit Worten "angegriffen" würden, komme allerdings häufig vor. "Es gibt Leute, die meinen, beurteilen zu können, wie wir uns im Straßenverkehr zu verhalten haben." Als Beispiel nennt er das Einschalten von Blaulicht und Martinshorn. "Offenbar werden wir dann gerne als Gegner im Straßenverkehr gesehen. Manche Fahrer hängen sich dann einfach an einen Rettungswagen dran und verfolgen ihn."

Für die DRK-Mitarbeiter gebe es spezielle Schulungen, wie man solche Situationen deeskalierend löst. "Wir versuchen, den Konflikt zu entkräften, und vermitteln dem Angreifer, dass wir selbst auch nicht fehlerfrei sind", sagt Ammoneit. Doch in diesem Fall war Fischer dem Täter schutzlos ausgeliefert. "Er hat sich völlig korrekt verhalten."

Was Fischer besonders zu denken gibt: Auf den Rücksitzen des 46-Jährigen saßen zwei Kinder. Sie haben die Attacke mit angesehen und ihm sogar noch zugerufen, er solle aufhören. "Das ist doch ein ganz schlechtes Vorbild", sagt Fischer.

Carsten Richter Autor: Carsten Richter, am 13.02.2018 um 05:59 Uhr
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