Geothermie auf Celler Allerinsel ist vom Tisch

Irritiert hat man im Neuen Rathaus und bei den Investoren für die Wohnbebauung auf der Allerinsel reagiert, als der Verein Geoenergy jüngst die Machbarkeitsstudie zur geothermischen Wärmeversorgung der geplanten Wohnanlagen vorgestellt hat. Ergebnis: Geothermie wäre zwar teurer, aber machbar und würde vor allem im Vergleich zu einem Blockheizkraftwerk 250 Tonnen CO2 im Jahr einsparen, warb Geoenergy-Vorstandsmitglied Wolfgang Genannt für die Erdwärmelösung. Jetzt stellt sich heraus: Die Investoren Hofschröer und Primus Development haben der Stadt bereits Anfang November mitgeteilt, dass sie eine Nahwärmelösung mit einem Blockheizkraftwerk bevorzugen.

CELLE. So komplett neu sind die Ergebnisse der Studie, die Genannt Mitte Januar der Öffentlichkeit vorgestellt hat, nicht. Anfang 2017 war im Auftrag der Stadt und unter Federführung von Geoenergy die Konzeptstudie in Auftrag gegeben worden. "Das Ergebnis wurde im September 2017 vorgelegt", heißt es aus dem Neuen Rathaus. Drei Stunden lang diskutierte Genannt damals mit den Investoren, Stadtplanern und Vertretern der SVO, der Stadtwerke und der Politik. Überzeugt hat er die entscheidenden Gesprächspartner offensichtlich nicht.

"Im Ergebnis wurde dargelegt, dass eine Nutzung der Geothermie zwar möglich, aber zu deutlich erhöhten Kosten gegenüber der Variante 'Versorgung durch Nahwärme mit einem Blockheizkraftwerk' führt", fasst Stadtsprecherin Myriam Meißner zusammen. Außerdem verringere sich der Wärmebedarf für Gebäudebeheizung durch die verschärften Rahmenbedingungen für Neubauten kontinuierlich. "Die bei einer Geothermielösung verbesserte CO2-Bilanz kann durch die Nutzung von Biomethan auch bei einer Nahwärmelösung bilanztechnisch ähnliche Werte erreichen", so Meißner.

Genannt behauptet, dass im September zunächst nur Ergebnisse zur technischen Machbarkeit vorgelegen haben. "Die Wirtschaftlichkeitsanalyse haben wir erst vor ein paar Wochen fertiggestellt." Demnach sei ein Blockheizkraftwerk mit 600.000 Euro Investitionskosten zwar günstiger als die Geothermielösung (1,1 Millionen Euro). "Aber wir haben Vorschläge gemacht, damit es für die Investoren kostenneutral wird. Die Hälfte der Mehrkosten könnte man aus dem städtischen Klimaschutzfonds finanzieren, die anderen Hälfte durch einen geringen Aufschlag beim Verkauf der Wohnungen", so Genannt.

Doch den Investoren ist es nicht nur zu teuer. Es sei eine zusätzliche Trinkwassererwärmung notwendig, das Auffinden geeigneter wassergesättigter Schichten sei mit einem Risiko behaftet und die Bohrungen nehmen viel Zeit in Anspruch, heißt es unter anderem beim Unternehmen Hofschröer, dessen Meinung sich Primus Development anschließt. Außerdem stoßen den Investoren die höheren Betriebskosten bei Geothermie auf.

"Der Zeitfaktor ist der entscheidende Punkt", erklärt Hubertus von Bothmer, der für Primus als Architekt bei der Allerinsel beteiligt ist. Generell befürworte er eine Erdwärme-Lösung: "Persönlich als Celler und Ingenieur und Architekt mit grüner Seele, bedaure ich sehr, dass wir es in der Geothermie-Stadt Celle nicht schaffen, ein solches Projekt zu realisieren."

Dieser Meinung dürfte sich Genannt problemlos anschließen können. Die Argumente der Investoren überzeugen ihn nicht. "Wenn wir drei Teams einsetzen, dauern die Bohrungen gerade einmal sechs Wochen. Entsprechende Schichten zu finden, ist kein Problem, und die Betriebskosten relativieren sich, wenn die Gaspreise ansteigen", so Genannt, der nicht mehr daran glaubt, dass auf der Allerinsel Geothermie doch noch zum Einsatz kommt. "Im Augenblick ist die Situation verfahren. Die Stadt muss sagen, was es ihr wert ist, Umweltschutz zu betreiben. Doch stattdessen geht man lieber auf den alten Trampelpfaden, um bloß keine Kopfschmerzen zu bekommen."

Autor: , am 14.02.2018 um 04:01 Uhr
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