Celler Kreiselternrat hat Bedenken bei Inklusion

Die Förderschulen Lernen sollen bis zum Beginn des Schuljahres 2022/23 noch Schüler der Klasse 5 aufnehmen dürfen – auf diesen Kompromiss haben sich SPD und CDU in Niedersachsen geeinigt. Damit besteht ein Bestandsschutz bis 2028. Der Ansatz der Landesregierung stößt grundsätzlich auf Zustimmung des Arbeitskreises Inklusion des Celler Kreiselternrates.

CELLE. "Die Qualität der Bildungsangebote ist richtungsweisend für die Lebensqualität unserer Kinder", teilt die Arbeitskreis-Vorsitzende Anika von Bose in einer Stellungnahme mit. Dennoch hat der Arbeitskreis Bedenken und macht auf die seiner Meinung nach unzureichenden Rahmenbedingungen aufmerksam.

"Wir sind der Überzeugung, dass nicht alle Kinder mit Unterstützungsbedarf von einer gemeinsamen Beschulung profitieren können", sagt von Bose. "Die derzeitige Verpflichtung, Kinder mit einem Unterstützungsbedarf Lernen an einer inklusiven Regelschule beschulen lassen zu müssen, steht für uns im Widerspruch zu den Ausführungen im Koalitionsvertrag, jedes Kind gemäß seiner Begabungen und Fähigkeit individuell zu fördern."

In der Realität sei man noch weit vom eigentlichen Ziel eines inklusiven Bildungssystems entfernt, kritisiert von Bose. "Alle Strukturen wie die Ausbildung der Lehrkräfte oder die Zusammensetzung der Klassen basieren auf der Annahme von vorwiegend homogenen Lerngruppen. Bis das inklusive Bildungssystem vollständig funktioniert und damit auch allen Kindern gerecht werden kann, ist aus unserer Sicht die Aufrechterhaltung eines eigenen sonderpädagogischen Angebots notwendig", heißt es in der Mitteilung. Viele dieser erforderlichen Strukturen sollten nicht voreilig aufgegeben werden.

Kritik üben die Eltern auch an der von SPD und CDU geplanten gleichmäßigen Zuteilung von Lehrern. "Nach wie vor sind die mit der Inklusion einhergehenden Belastungen äußerst ungleichmäßig auf die Schulformen verteilt. Eine gerechte und vor allem bedarfsgerechte Ausstattung kann so nicht gelingen", sagt von Bose. Statt die wertvollen sonderpädagogischen Ressourcen sinnlos mit dem Gießkannenprinzip zu verschwenden, sollte die individuelle Bedarfsfeststellung ausgeweitet werden, um eine optimale Unterstützung aller betroffenen Kinder im inklusiven Schulsystem zu gewährleisten.

Als weitere Verbesserungen fordert der Celler Arbeitskreis unter anderem eine Arbeitsplatzbeschreibung für Sonderpädagogen, die zu Zwecken der Inklusion an Regelschulen unterrichten, sowie Vorgaben für bauliche Standards inklusiver Regelschulen und für den gemeinsamen Unterricht. Von Boses Fazit: "Es muss sorgfältig geprüft werden, ob die inklusive Regelschule auch praktisch in der Lage ist, allen Kindern gerecht zu werden."

Carsten Richter Autor: Carsten Richter, am 14.02.2018 um 07:06 Uhr
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