Brandstiftung: Celler Feuerwehr rettet 25 Flüchtlinge aus Unterkunft

Foto: Florian Persuhn

Bei einem Brand in der Flüchtlingsunterkunft an der Hohen Wende hat die Celler Feuerwehr 25 Menschen über Leitern vor den Flammen gerettet. Ein 44 Jahre alter Bewohner der Einrichtung aus Montenegro hat die Tat gestanden.

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HEHLENTOR. Sie kommen teilweise aus Kriegsgebieten, haben dort und auf der Flucht schon um ihr Leben gebangt und bei einigen von ihnen dürften in der Nacht zu Samstag diese traumatischen Erlebnisse wieder ins Bewusstsein gedrungen sein. Verqualmte Flure, Hilferufe aus geöffneten Fenstern, Rettungsaktionen über Feuerwehrleitern – beim Brand in der Flüchtlingsunterkunft an der Hohen Wende spielten sich in der Nacht zu Samstag teilweise dramatische Szenen ab.

"Als wir vor Ort eingetroffen sind, war die Lage sehr unübersichtlich. Aus dem ersten und zweiten Obergeschoss drang dichter Rauch, aber wir wussten weder genau, wo es brennt, noch welche Ausdehnung das Feuer hatte", schildert Florian Persuhn, Pressesprecher der Celler Feuerwehr, die Ereignisse. Die Flüchtlingsunterkunft wird von etwa 170 Personen bewohnt. Ein großer Teil von diesen war durch Rauchmelder alarmiert worden und hatte sich bereits auf die Straße gerettet. Doch auf den verqualmten Fluren saßen immer noch 25 Bewohner in ihren Zimmern fest.

"Diese Menschen hatten keine Chance mehr, ihre Unterkunft zu verlassen. Immer wieder versuchten andere Bewohner wieder ins Gebäude zu gelangen, um Angehörige oder Freunde zu retten", berichtet Persuhn. Die Eingeschlossenen standen an den Fenstern, riefen um Hilfe, um die Einsatzkräfte auf sich aufmerksam zu machen.

"Unsere Hauptaufgabe ist die Menschenrettung. Deshalb haben wir uns zuerst darum gekümmert", erzählt Persuhn. Mehrere Trupps gingen unter Atemschutz ins Gebäude vor, an der Vorder- und Rückseite des Hauses wurde je eine Drehleiter in Stellung gebracht. Zudem erfolgte die Rettung der eingeschlossenen Bewohner über eine Steckleiter. Am Ende kamen alle größtenteils mit dem Schrecken davon, acht Personen, sieben Flüchtlinge und ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, erlitten allerdings leichte Verletzungen durch eine Rauchvergiftung. Die unversehrten Bewohner wurde noch in der Nacht zum Teil zur Landesaufnahmebehörde nach Braunschweig gebracht beziehungsweise bei nahen Angehörigen untergebracht.

Der Brandherd befand sich im ersten Stock. "Das Feuer konnte mit einem Kleinlöschgerät abgelöscht werden", so Persuhn, der mitteilt, dass insgesamt 150 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes des Landkreises Celle, des Deutschen Roten Kreuzes, der Johanniter Unfallhilfe, des Malteser Hilfsdienst und der Polizei vor Ort gewesen seien.

Das Feuer wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft von einem 44 Jahre alter Mann aus Montenegro gelegt. Er hat gestanden, mit einem Feuerzeug eine Matratze mit Bettdecke angezündet zu haben. Anschließend dehnten sich die Flammen auf den Fußbodenbelag, Fensterrahmen, Türen und Wände "wie von ihm beabsichtigt" aus.

"Zum Motiv gab der Beschuldigte an, aufgrund der beengten Unterbringung 'durchgedreht' zu sein. Infolge des Lärms sowie des Alkohol- und Drogenkonsums in der Einrichtung sei er nicht mehr zur Ruhe gekommen", so Oberstaatsanwalt Lars Janßen auf Nachfrage der Celleschen Zeitung. Auf den Beschuldigten waren die eingesetzten Polizisten noch vor Ort durch Hinweise von anderen Bewohner der Flüchtlingsunterkunft gekommen. Der 44-Jährige war noch am Tatort festgenommen worden. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft.

Der Brand dürfte auch aktuell den Betriebsausschuss der Zuwanderungsagentur beschäftigen, dessen Mitglieder sich morgen um 17 Uhr im 4. Obergeschoss des Jugend- und Sozialamts treffen. Die betroffenen Stockwerke sind erst einmal nicht bewohnbar. Am Gebäude entstand ein Sachschaden von mehreren zehntausend Euro. Die AfD hat in einer ersten Reaktion die Schließung der Celler Zuwanderungsagentur gefordert.

Gunther Meinrenken Autor: Gunther Meinrenken, am 19.02.2018 um 05:49 Uhr
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