Pastor schreibt Sinn des Lebens für spätere Gemeindeglieder auf

Pastor Bernhard Mader (links) und Gemeindeglied Wilhelm Warnecke mit dem unerwarteten Fund. Foto: David Borghoff

Der Flaschenfund der Christusgemeinde, in der sich über 100 Jahre alte Dokumente befanden, bewegt weiterhin die Gemeindeglieder. Vor allem der beigelegte Brief des damaligen Pastors Christoph Meyer regt zum Nachdenken an.

LACHENDORF. Innerhalb von nur ein paar Tagen übertrug ein Gemeindeglied den gesamten Brief von Sütterlin in lateinische Buchstaben. Vor allem den letzten Absatz des Briefes findet Pastor Bernhard Mader spannend. Dort steht geschrieben: „Mit dieser, wie auch den anderen eingelegten Schriften, wenn sie einmal nach Gottes Walten sollten wieder ans Licht kommen und von Menschen gelesen werden, wollen wir vor Gott und den Nachkommen dann noch sowohl wie jetzt bezeugen, wie (...) evangelisch-lutherischen Christen Gottes Wort und die Sakramente samt den lutherischen Bekenntnisschriften und Ordnungen rein und unverfälscht bewahrt und gebraucht haben zur Seligkeit.“ Für Mader klingt die Botschaft seines Vorgängers wie Rechtfertigung und Appell zugleich. Das hat für ihn auch heute noch Brisanz.

„Wir müssen uns auch heutzutage rechtfertigen, warum es eine selbstständige evangelisch-lutherische Kirche neben der evangelisch-lutherischen Landeskirche gibt“, so der Pastor. Die Spaltung und warum man sich nicht wieder mit der Landeskirche zusammen schließe, müsse man jedes Mal gut begründen. „Es gibt die evangelische und die katholische Kirche. Die selbstständige evangelisch-lutherische Kirche ist quasi zwischen den Stühlen“, erklärt Mader. Dabei müsse man die anderen Konfessionen gerne respektieren. Niemandem spreche man den Glauben ab. Es gehe gewissermaßen um die je eigene Weise, Zuspruch zum Leben und Trost in Not zu bekommen.

Alle Dokumente nebst der lateinischen Abschrift sollen in eine Kupferdose gelegt und wieder eingemauert werden. Mader wird zusätzlich auch einen eigenen Brief dazu legen. „Ich werde auf jeden Fall schreiben, dass uns der Fund begeistert und herausgefordert hat, unser persönliches Bekenntnis noch einmal zu überdenken“, sagt der Pastor. Dabei habe die Gemeinde festgestellt, dass ihr Bekenntnisstand weitestgehend mit dem der damaligen Gemeinde übereinstimme. „Allerdings fällt es uns vielleicht schwerer das auch so zu leben, weil in der Pluralität der Gesellschaft einiges nicht mehr so wichtig erscheint.“

Ein weitere Schwierigkeit sei die Wissenschaft und der Rationalismus, der bereits viele Dinge der Christenheit abgeschafft habe. „Wer glaubt schon noch, dass Gott die Welt gemacht hat und alles auf ein großes Ziel hinaus läuft?“, so Mader. Beispielsweise durch die Evolutionslehre fehle dieser innere Antrieb, obwohl der Glaube des Menschen an etwas, das größer ist als er selbst, sehr wichtig sei.

Diese Botschaft wird der Pastor der Christusgemeinde auch in seinen Brief einfließen lassen. „Die Menschen müssen sich darüber im Klaren sein, dass Gott sie liebt und sie sich kein Bein ausreißen müssen, um den Sinn des Lebens zu finden. Nach christlicher Auffassung ist der Sinn des Lebens, dass wir Gottes Geschöpfe sind und von ihm geliebt werden.“ (als)

Audrey-Lynn Struck Autor: Audrey-Lynn Struck, am 24.02.2018 um 05:57 Uhr
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