Hakenkreuz-Glocke bestimmt Visitationsgottesdienst in Faßberg

Der Soltauer Superintendent Heiko Schütte fand deutliche Worte beim Visitationsgottesdienst. Die Entscheidung des Kirchenvorstandes, die umstrittene Hakenkreuz-Glocke auszutauschen, befürwortete er. Foto: Oliver Knoblich

Es ist ein fester Rhythmus in jeder Kirchengemeinde: Alle sechs bis acht Jahre kommt ein Verantwortlicher der nächsthöheren Ebene vorbei, um mit der Gemeinde ins Gespräch zu kommen und sie zu beraten – reine Routine also? Im Grunde ja, und dennoch stand die Visitation von Heiko Schütte, dem Superintendenten des Kirchenkreises Soltau, in der Faßberger Michaelkirche unter besonderen Vorzeichen. Die Diskussion um die Kirchenglocke mit dem Hakenkreuz und dem Luftwaffenadler hat die vergangenen Monate bestimmt und auch die dreiwöchige Visitation geprägt. Beim abschließenden Visitationsgottesdienst am Sonntag sorgte das Thema Glocke erneut für Gesprächsstoff.

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FASSBERG. Nach langen Überlegungen war in der vergangenen Woche die Entscheidung gefallen: Die Glocke mit den Insignien aus der Zeit des Nationalsozialismus wird gegen eine neue ausgetauscht. Die Kosten dafür übernimmt die Landeskirche. In seiner Predigt blickte Schütte zunächst auf die Zeit seit der jüngsten Visitation zurück und sprach die Fusion der Gemeinden der Michaelkirche in Faßberg und der St.-Laurentius-Kirche in Müden an. „Das war ein gewaltiger Schritt. Er ist gelungen, und das ist sensationell.“

Dann lenkte er das Thema auf die „unerträglichen Spuren“, denen sich die Gemeinde nun angenommen hätte. Das Wort Hakenkreuz nahm Schütte bezeichnenderweise nicht in den Mund – doch jedem der etwa 60 Gottesdienstbesucher war klar, was er meinte. „Der Kirchenvorstand hat sich ausführlich damit auseinander gesetzt, was mit der Glocke passiert, und sich nicht unter Druck setzen lassen“, so der Superintendent und verteidigte die Entscheidung des Kirchenvorstands. „Den Entschluss halte ich für wegweisend.“

Man könne die Geschichte aber nicht einfach abhaken, sagte Schütte. Nun sei es wichtig, dass Gespräche über den Verbleib der Hakenkreuz-Glocke geführt würden. Diese sind unter Beteiligung von Fachleuten, Gemeindemitgliedern und Bürgern für dieses Jahr geplant. „Ich würde mich freuen, wenn die Unruhe der vergangenen Monate vorbei ist.“ Dieser Ort habe nun die Chance weiterzumachen. Dazu müsse man gemeinsam nachdenken. „Wir hoffen auf konstruktive und sachliche Gespräche“, sagte die Kirchenvorstandsvorsitzende Beate Broihan und betonte: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“

Wie umstritten die Glocke in der Gemeinde ist, wurde nach dem Gottesdienst deutlich. „Ich kann den Aufwand um den Austausch der Glocke nicht verstehen, es gibt doch Wichtigeres“, sagte Gemeindemitglied Marianne Denecke. Die Glocke sei einfach immer da gewesen und Teil der Geschichte Faßbergs, so die 70-Jährige. Ein langjähriges Mitglied des Kirchenvorstands argumentierte ähnlich: „Man kann das Thema nicht 80 Jahre lang verschweigen und auf einmal soll die Glocke weg. Es muss sich in den Köpfen etwas ändern, die Glocke hat damit nichts zu tun“, sagte der 82-Jährige, der seinen Namen nicht nennen möchte.

Karin Chamberlain spricht sich klar dagegen aus, dass die Glocke weiter läutet. Die 69-Jährige ist Mitglied der Initiative Kirche für Demokratie, die den Kirchenvorstand aufgefordert hatte, die Hakenkreuz-Glocke auszuschalten. Sie hat schon eine Idee, wie die neue Glocke aussehen könnte. „Eine Friedenstaube wäre ein schönes Symbol.“

Carsten Richter Autor: Carsten Richter, am 26.02.2018 um 05:22 Uhr
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