Ehepaar Schleisieck führt seit Herbst 2016 das Kulturcafé „nebenan“ in Winsen

Hartmut und Ilse Schleisieck sind seit 1980 verheiratet und haben drei Kinder. Ihre erste Tochter heißt Wiebke (Foto Mitte). Neben dem Kulturcafé „nebenan“ bestimmt Enkel Ben (Foto unten links)ihr Leben. In „My fair Lady“ waren Ilse und Hartmut Schleisieck bei einer Open Air-Aufführung auf Gut Holtau zu erleben (unten rechts). Foto: Lothar H. Bluhm (1) / privat (3)

Beide brennen. Ilse Schleisieck brennt für das Winser Kulturcafé „nebenan“. Und Hartmut Schleisieck brennt für diese im weiten Umkreis wohl einzigartige kirchliche Einrichtung, in der Kirche, Kunst und Kultur verbunden und neue Formen der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit praktiziert werden. Beide Schleisiecks sind seit über einem Jahr getreu dem Arbeitstitel „Treffpunkt – Café – Musik – Ausstellungen“ ehrenamtlich engagiert.

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Vor fast 16 Jahren entstand die Idee, aus dem Haus der ehemaligen Sozial- und Diakoniestation, das zum Gebäude-Ensemble am Winser Kirchplatz gehört und unter Denkmalschutz steht, einen offenen, kulturell geprägten Treffpunkt zu machen, in den auch diakonische Beratungsangebote integriert werden. Wichtige Säulen des Treffpunktes sollten ein Cafébetrieb, dezentrale Beratungsangebote, regelmäßige Kunstausstellungen monatliche Kleinkunst- und Musikveranstaltungen sowie gemeindeinterne Veranstaltungen sein. „Das Haus kann überdies für private Feiern gemietet werden und steht für Eigeninitiativen von Gemeindemitgliedern zur Verfügung“, heißt es in dem Konzept. So haben sich schon schnell Initiativen für ein Frauenfrühstück und für ein literarisches Café gefunden. „Das war der Versuch der Kirchengemeinde, milieuübergreifende Angebote zu machen“, fasst Ilse Schleisieck zusammen, was den damaligen Pastor Matthias Riemann und den Kirchenvorstand bewegte. „Und das Konzept ging zu mehr als einhundert Prozent auf! Seit 2005.“

Nach dem überraschenden Weggang von Pastor Riemann befürchtete man eine Unterbrechung beim „nebenan“-Programm. Es musste im Herbst 2016 schnell entschieden werden, wie es weitergehen soll. Hauptamtliche waren nicht da, aber Verträge mit Künstlern und Darstellern für das kommende Jahr bereits geschlossen.

„Wir haben ja schon länger im ‚nebenan‘ mitgewirkt“, sagt Ilse Schleisieck. Freitags habe sie schon öfter mal Stühle geschleppt und beim Aufbau Hand angelegt. „Wie wir sowieso von Anfang an immer wieder punktuell mitgeholfen haben. Durch den Ruhestand meines Mannes konnten wir entscheiden, ob wir verstärkt einsteigen wollen. Denn: Die Idee fanden wir schon immer gut.“

Nun haben Hartmut und Ilse Schleisieck für ihre jetzige Tätigkeit den Auftrag des Kirchenvorstands.

Dabei ist das „nebenan“ wirtschaftlich in den Haushalt der Kirchengemeinde eingebunden und soll keine Gewinne erbringen, aber als „selbstständige wirtschaftliche Einheit“ muss es sich weitgehend selbst finanzieren. „Die ‚schwarze Null‘ ist unser Ziel, denn wir bekommen von nirgends
irgendwelche Zuschüsse“, beschreibt Hartmut Schleisieck die Zahlen, mit denen er jetzt umgehen muss.

Die Eckdaten sind bekannt: Zu großen Veranstaltungen kann man mit 50 Plätzen rechnen, im Roten Salon können zehn Personen sitzen. Eine voll ausgestattete Küche ist vorhanden. Die wird auch vom Backteam genutzt, denn allein im Kuchenmanagement sind rund 30 Ehrenamtliche tätig. „In Winsen und in den Ortsteilen“, betont Ilse Schleisieck, dass auch die Menschen in den Winser Ortsteilen die „nebenan“-Arbeit unterstützen. Mit Sonntagsdienst und engem Kern setzen sich so gut 50 Menschen für das Kulturcafé ein.

„Mir war klar, dass ich als Rentnerin nicht zu Hause sitzen wollte“, sagt Ilse Schleisieck. Darum engagierte sie sich seit ihrer Pensionierung auch in der Lehrerfortbildung, denn Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen und Erfahrungen weiterzuleiten, liegt ihr am Herzen.

Aber als sich die Situation im „nebenan“ zuspitzte, erklärten sich beide Eheleute zur Weiterführung bereit, zumal auch Hartmut inzwischen im
Ruhestand war. „Wir hätten allerdings nicht geahnt, in welchem Umfang unser
Engagement erforderlich ist“, stellt Hartmut Schleisieck heute fest. Aber da sie die Arbeit gemeinsam anpacken können, fühlen sie sich wohl. „Wir wollen, dass diese Einrichtung weiter besteht.“

Die Arbeit sei eine andere als die vorherige Berufstätigkeit, habe aber auch Parallelen: „Der Kontakt und die Kommunikation mit so vielen unterschiedlichen Menschen machen sehr viel Spaß.“ Und es wird ihnen jeden Tag aufs Neue deutlich: „Was die Ehrenamtlichen leisten, davor ziehe ich meinen Hut!“, loben sie das uneigennützige Engagement aller im Team.

Die Eheleute Schleisieck verbringen also sehr viel Zeit im und rund um das Kulturcafé „nebenan“. „Aber das ist alles planbar“, stellen sie jetzt nach einem Jahr fest. Und es mache ihnen nach wie vor Spaß. Natürlich habe ihre Familie Vorrang und wenn der siebenmonatige Enkel Ben (oder seine Eltern) nach Oma und Opa verlangen, stehen sie selbstverständlich bereit. „Jeder dritte Freitag ist aber fürs ‚nebenan‘ reserviert“, werden Termineinschränkungen genannt. „Aber das wissen ja unsere Kinder.“ Die gelegentlich auch schon mal mit Kollegen ins „nebenan“ kommen, wenn die Eltern schöne und interessante Konzerte organisiert oder Auftritte geplant haben. „Sönke hat schon mal gesagt: Ich bin stolz auf Euch!“, zitiert Mutter Ilse ihren jüngsten Sohn augenzwinkernd.

„Wir achten sehr darauf, was das Publikum will und was beim Publikum ankommen wird“, umreißt Hartmut Schleisieck das Programm-Konzept. Musik, Kabarett, Musikkabarett, ernsthaft, humorvoll tiefgründig. Wünsche und Anregungen dürfen gerne genannt werden, im persönlichen Gespräch, per Mail, auf der Internet-Seite oder auch bei Facebook.

Beide freuen sich schon auf das kommende Frühjahr, wenn draußen zwischen dem Kulturcafé und der Kirche wieder das große Zeltdach aufgebaut wird, unter dem dann die vielfältigen „nebenan“-Angebote präsentiert werden. „Es ist schön, dass wir in Winsen die Kultur haben, mit dem Wohlfühlcharakter des Hauses“, finden beide.

Nicht erst seit seiner Pensionierung widmet sich Hartmut Schleisieck der Fotografie. Landschaften, Menschen und Tiere sind seine Hauptmotive, einschließlich der weiteren Bearbeitung am Computer. Und Ilse Schleisieck fühlt sich im Garten wohl: „Dieses in-der-Erde-Wühlen ist was Wunderbares“, sagt sie und zieht sich die dicken Winterstiefel an: Es geht jetzt nach Oldau oder Südwinsen.
Da will die sechseinhalbjährige Australian-Shepherd-Dame Merle ihren Auslauf haben.

Ansonsten brennen beide für die Idee des „nebenan“. – Und bei der nächsten Scheunenrevue machen sie auch wieder mit.

Lothar H. Bluhm Autor: Lothar H. Bluhm, am 27.02.2018 um 22:01 Uhr
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Info-Box

Ilse Schleisieck

1951 in Buer bei Melle geboren und aufgewachsen 1969 bis 1972 Ausbildung zur Erzieherin,
anschließend Kindergartenleiterin 1973 bis 1975 Studium zur Diplom Sozial-
pädagogin 1975 bis 2011 Tätigkeiten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuenkirchen,
in der Sonderschule Melle, Grundschule Winsen, BBS III Celle und in der Grundschule Am Gildesweg in Winsen.

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