Gerhart Hauptmanns Drama „Die Ratten“ feiert im Schlosstheater Premiere

Foto: Andrea Hoffmann / Schlosstheater Celle

Von teilweise auch heute noch wie vor hundert Jahren aktuellen Verhältnissen will das Celler Schlosstheater in seiner nächsten Premiere am Freitag, 16.März, berichten. Dann steht dort in der Regie der Berliner Regisseurin Catharina May Gerhart Hauptmanns Drama „Die Ratten“ , das der Autor selbst „eine Berliner Tragikomödie“ nennt, auf dem Spielplan. Eine fünfaktige Geschichte, die das Leben hätte schreiben können, wenn Wünschen nicht mehr hilft.

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CELLE. Es ist das Drama der Frau eines Handwerkers, die sich aus triebhafter Mutterliebe ein Kind kauft, in der Not die wahre Mutter aus dem Wege schaffen lässt und schließlich keinen Ausweg mehr sieht als den eigenen Tod. „Wir haben die Handlung aus dem historischen Zusammenhang herausgenommen und spielen nicht den gesellschaftlichen Zustand um 1920; wir spielen unbestimmte Gegenwart“ sagt Regisseurin May, „der krampfhafte Versuch der Menschen, in der Massengesellschaft nicht unterzugehen, war schon immer sehr ausgeprägt. In unserer Inszenierung leben die Figuren nebeneinander her, ohne sich gegenseitig anzuschauen und sich gegenseitig wahrzunehmen, wenn es um Nöte geht. Das war früher so und ist heute noch viel stärker. Eigentlich ist das der Fokus, an dem wir uns abarbeiten. Jeder versucht nur seinen eigenen Vorteil aus der Situation herauszuziehen, in schwierigen Situationen aber schaut man eher weg.“ Dabei handele es sich hier zwar um einen Einzelfall, spiegele ab gleichzeitig auch die gesamt-gesellschaftliche Situation. Aber die sei bereits ein Stück Normalität geworden. Man sähe den Zustand schon fast nicht mehr und gucke oft demonstrativ weg.

„Dazu gehört auch“, ergänzt Dramaturg Ralf Blase, „die Verteilung des Geldes wie viele Lebensstandards vorhanden sind. Das sieht man in Celle, aber in Großstädten noch viel mehr.“ Das Interessante dabei sei, wie diese Menschen miteinander umgingen. Viele seien durchaus bereit zu helfen, die Frage aber sei, wie lange man diesen Druck aushielte, denn schließlich brauche das auch Zeit. „So ein gesellschaftlicher Druck könne auch umschlagen in körperliche Gewalt bis hin zum Mord“, fügt Catharina May hinzu. Man frage sich wirklich, woher die Gewaltbereitschaft komme. Auch solche Personen kämen in dem Stück vor. „Sogar der Hausmeister, der auch in dem Stück vorkommt, hat das Bedürfnis, für Ordnung zu sorgen und somit seine Macht auszunutzen“, sagt Ralph Blase. Der Naturalismus, zu dem Hauptmann scheinbar zurückkehrt, ist von aller Vordergründigkeit wegentwickelt zu den tiefen Dimensionen eines Gleichnisspiels. Wie das Haus, an dem bereits die Ratten nagen, eine bereits verfallende Welt repräsentieren, so legt sich das Zwielicht einer bereits zu Ende gehenden Epoche über alle Figuren. Die damals so wie heute spannende Frage sei, warum sich Menschen so verhalten. Ob die Abkapselung der Frau John mit ihrem überzogenen Kinderwunsch darauf eine Antwort gibt? Man darf gespannt versuch.

Hartmut Jakubowsky Autor: Hartmut Jakubowsky, am 01.03.2018 um 16:55 Uhr
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