Hier haben Bergener ihre Wurzeln

Der Chor der Trinity Rock Church sorgte während der Ausstellungseröffnung für musikalische Unterhaltung. Foto: Christina Matthies

Wie ist das eigentlich, wenn Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern in einer Kleinstadt wie Bergen zusammenkommen und miteinander leben wollen – oder müssen? „Ängste vor dem und den Neuen führen auch zu Vorurteilen und mangelndem Wissen über das, was die Neuen an Kultur, Sprache und Religion mitbringen“, weiß Wolfgang Hertwig, Vorsitzender des Integrationsvereins „Unser Bergen“.

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BERGEN. 2012 aus der Idee entstanden, den Zugewanderten ein Gesicht zu geben und so für ein besseres Miteinander in Bergen zu sorgen, macht der Verein jetzt die Biografien neun zugewanderter Bergener Bürger im Rahmen einer Ausstellung im Gemeindehaus der St.-Lamberti-Kirche zugänglich. „Bergener und ihre Wurzeln“ erzählt die Lebensgeschichten von Menschen aus der ehemaligen DDR, Frankreich, Griechenland oder Indien, die im Nordkreis eine neue Heimat gefunden haben.

Es gehöre schon Mut dazu, soviel Persönliches von sich preiszugeben, sagte Bergens Bürgermeister Rainer Prokop im Rahmen der Ausstellungseröffnung am Mittwochabend. „Aber der Mut lohnt sich, denn das zeigt anderen, die neu dazugekommen sind: 'Ich bin nicht allein mit diesem Schicksal'.“

Es sei schwer für ihn gewesen, seinen Werdegang auf diese Weise öffentlich zu machen, sagt auch Alexander Kesse. Der Ghanaer ist einer der neun Interviewten, deren Lebenswege derzeit auf mannshohen „Roll-Ups“ im St.-Lamberti-Gemeindehaus nachzulesen sind. „Aber wenn meine Biografie jemandem hilft, der selbst gerade neu hier angekommen ist“, erklärt der 44-Jährige, „dann ist das doch schön.“

Kesse lebt seit 2013 in Bergen. Er ist Prediger der örtlichen Pfingstgemeinde – der „Trinity Rock Church“ – und fühlt sich mittlerweile richtig heimisch. Er habe schon manchmal mit dem Gedanken gespielt, wieder zurück nach Ghana zu gehen, verrät er. „Aber meinen Kindern gefällt es so gut hier, sie wollen unbedingt bleiben.“ An Bergen schätze er vor allem die gute Gemeinschaft: „Jeder kennt hier jeden – meine Familie und ich, wir fühlen uns hier wohl.“

Die Interviews mit den neun zugewanderten Bergener Bürgern sind bereits 2015 als erster Schritt des Projektes „Bergener und ihre Wurzeln“ entstanden. Dass die Biografien und Fotos nun zu Ausstellungszwecken auf „Roll-Ups“ gebannt werden konnten, ist Fördermitteln des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ zu verdanken, mit dem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Projekte zur Demokratieförderung unterstützt. Die Ausstellung ist noch bis Ostern im Gemeindehaus der St.-Lamberti-Kirche zu sehen – die „Roll-Ups“ sollen dann anschließend einzeln im Wechsel in Institutionen und Geschäften in Bergen gezeigt werden.

Christina Matthies Autor: Christina Matthies, am 01.03.2018 um 17:13 Uhr
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