Roman über Mord an Hambührenerin veröffentlicht

Foto: Wolfgang Paffrath

Eine junge Frau wird ermordet, der mutmaßliche Täter steht fest, aber er muss nicht ins Gefängnis – der deutschlandweit beachtete Kriminalfall um die 1981 bei Hambühren getötete Frederike von Möhlmann hat den Erfurter Klaus Paffrath zu einem Buch inspiriert. „Frederike – Mord ohne Sühne“ heißt der Roman, der eng an den tatsächlichen Ereignissen angelegt ist.

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HAMBÜHREN. Paffrath, von Haus aus Jurist, wurde über einen Fernsehbericht auf den Fall aufmerksam. „Der Bericht hat mich berührt, mich hat der Fall gepackt“, berichtet Paffrath, der im Bildungsministerium in Thüringen arbeitet. Er nahm Kontakt zum Vater, Hans von Möhlmann, und dessen Anwalt Wolfram Schädler auf. Der Vater fasste Vertrauen. Immer wieder trafen sie sich, Paffrath erfuhr viele Details über den Justizkrimi, der viele Menschen erschüttert hat. „Ich habe Herrn von Möhlmann als einen aufrechten Menschen kennengelernt, der sich nicht unterkriegen lässt“, beschreibt Paffrath den Vater des Opfers.

Rückblende: Frederike, 17 Jahre alt und Schülerin des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums, will am
4. November 1981 abends von Celle in ihren Heimatort Hambühren fahren. Weil kein Bus mehr fährt, trampt sie nach Hause. Wahrscheinlich steigt sie in das Auto des Täters. Ein paar Tage später wird in einem Waldstück bei Hambühren ihre Leiche gefunden. Das Mädchen war vergewaltigt und erstochen worden.

Nach der Tat wurde ein Verdächtiger gefasst. Der Mann, der heute Ende 50 ist, wurde zunächst verurteilt, in einem weiteren Prozess aber rechtskräftig freigesprochen. Der Mann darf bis heute nicht einmal vorgeladen werden, obwohl er durch neue DNA-Proben, die 2012 an der Unterwäsche des Opfers festgestellt wurden, schwer belastet wird. Es gilt der Grundsatz des „Strafklageverbrauchs“. Wer einmal rechtskräftig freigesprochen wird, darf in dieser Sache grundsätzlich nicht wieder vor Gericht gestellt werden – auch wenn es neue Beweise gibt. Hans von Möhlmann versuchte auf zivilrechtlichem Weg eine Verurteilung des mutmaßlichen Täters zu erzwingen. Doch diese Ansprüche verjähren nach 30 Jahren. Das Landgericht Lüneburg wies die Zivilklage auf Schmerzensgeld im August 2015 wie erwartet ab. Das Oberlandesgericht Celle sah es genauso. Zivilrecht könne Mord nicht sühnen, hieß es.

Paffrath hat schon mehrere Bücher geschrieben, 2014 gewann er den Thüringer Krimipreis. Den Frederike-Roman lässt er im fiktiven Ort Hainbergen spielen. Personen und Dialoge seien frei erfunden, betont der 57-Jährige. Ausnahme: Frederike wurde an besagtem Datum ermordet, auch die juristische Darstellung entspricht der Realität. Das Buch-Cover zeigt das Mädchen aus Hambühren. Das Konstrukt hat rechtliche Gründe, der Autor wollte dem Anwalt des mutmaßlichen Täters keine Gelegenheit geben, das Buch möglicherweise zu verbieten.

Die Seiten lesen sich wie ein mitreißender Kriminalfall. Paffrath schreibt spannend, ist nah dran am Geschehen. Es gelingt ihm, in einfacher Sprache all die vielen juristischen Hürden zu meistern, die mit dem komplexen Fall einhergehen. Der 57-Jährige schildert parallel, was sich 1981 abgespielt hat und wie im Jahr 2015 Anwälte den Fall erneut vor Gericht brachten. Damit gelang es auch, das Thema einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Der Untertitel „Ein Roman über das Versagen von Justiz und Politik“ macht die Haltung des Autors klar. „Es ging mir nicht darum, den Täter an den Pranger zu stellen. Ziel ist vielmehr, die derzeitige Gesetzgebung zu kritisieren, die den Täterschutz deutlich über den Opferschutz stellt“, sagt Klaus Paffrath.

Simon Ziegler Autor: Simon Ziegler, am 02.03.2018 um 16:26 Uhr
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Buchtipp

Klaus Paffrath
Frederike – Mord ohne Sühne
Spielberg-Verlag
288 Seiten
Taschenbuch
12,90 Euro

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